Kampf gegen Tagebau: Gärtnerei wird Wasser abgegraben

Von: Kurt Lehmkuhl
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Der Tagebau Garzweiler II rückt beständig näher auch an die Ortschaft Borschemich heran. Foto: stock/jansen
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Helmut Meier lebt am Tagebaurand in Borschemich. Er kämpft um seine Existenz. Foto: kl

Erkelenz-Borschemich. Das Interesse am Schicksal der kleinen Gärtnerei Meier, die ihren Betriebssitz in Borschemich wegen des heranrückenden Braunkohlentagebaus Garzweiler II auf Betreiben von RWE Power aufgeben soll, ist nach unserer Berichterstattung inzwischen international. Nachdem zuletzt noch ein politisches TV-Magazin die Problematik aufzeigte, hat auch der deutsch-französische Sender Arte darüber berichtet.

Ein Filmemacher hat sogar mit seiner Dokumentation vor wenigen Wochen bei einem Filmfestival in Montreal Preise abgeräumt. Die Aufmerksamkeit ist zwar groß. „Aber konkret kann sie uns auch nicht helfen“, meint Helmut Meier, der zusammen mit seinem Bruder Joachim den Betrieb in Borschemich führt. Sie sind so ziemlich allein auf weiter Flur. Nur die permanenten Geräusche der Bagger im Tagebau stören die Stille am Rande des sterbenden Orts.

Mit Nachbarn können sie nicht mehr reden, sie sind alle schon umgesiedelt. Viele hat es nach Borschemich (neu) gezogen, in den Norden der Erkelenzer Kernstadt. „Uns hat RWE jetzt auch ein Grundstück dort angeboten“, sagt Meier. Direkt an der Bundesstraße 57 in Richtung Rath-Anhoven.

Das Gebiet ist im Flächennutzungsplan der Stadt Erkelenz von 2005 auch als „Sondergebiet Gartenbau“ ausgewiesen, wäre demnach nutzbar, wenn da nicht ein großer Haken wäre: „Das Gebiet liegt in der Wasserschutzzone 3a“, erläutert Meier. Das wiederum bedeute, dass Niederschlagswasser nicht als Gießwasser nutzbar ist, so der Gärtner, wenn er denn überhaupt nach Borschemich (neu) umsiedeln könnte. „Laut Wasserschutzverordnung ist nämlich die Neuanlage von Gartenbaubetrieben in der Schutzzone 3a nicht zulässig.“

Möglich wäre allenfalls, das komplette Gelände zu versiegeln, damit ja kein Tropfen Wasser in Erdreich und damit ins Grundwasser gelangen kann. „Quasi wie beim Friedhof“, bemerkt Meier lakonisch. Die immensen Mehrkosten, die eine derartige technische Lösung verursachen würde, stünden nicht auf der Rechnung, die RWE bei einer Umsiedlung zu zahlen hat. „Da können wir das Geschäft gleich dicht machen, wenn die Versiegelung als einzige Lösung angeboten wird.

So bleiben die Brüder lieber noch auf ihrem Grund in Boden in Borschemich. „Immerhin haben wir Bestandsschutz.“ Und man habe einen Rechtsanspruch, nach Borschemich (neu) umsiedeln zu können. Bis zum 30. Juni 2014 sollen sie ihre Flächen geräumt haben. So sieht es der Zeitplan der Tagebauplaner vor. Meier glaubt nicht, dass dieser Zeitplan einzuhalten ist. Immerhin muss ein neuer Betrieb erst aufgebaut werden und müssen die Pflanzen wachsen, damit in einigen Jahren „geerntet“ werden kann.

Das Wasser ist nicht nur am angebotenen Platz in Borschemich (neu) ein gravierendes Thema. Auch in der jetzigen Gärtnerei bestimmt es den Alltag. Die eigenen Brunnen mit Trinkwasserqualität und einer Tiefe von 30 und 57 Meter liefern längst nicht mehr das Wasser, das für die Bewässerung der Bäume und Sträucher benötigt wird.

„Das Wasser, das zurzeit hier ans Erdreich tritt oder abgepumt wird, ist extrem eisenhaltig und kann nicht verwendet werden“, meint Meier mit Hinweis auf einen von ihm bestellten Gutachter, der zu viele Schwermetalle im Wasser festgestellt hat. Das Eisen im Wasser führt dazu, dass der Boden „verockert“, dadurch verdichtet und gar kein Wasser mehr von der Oberfläche an die Wurzeln gelangen lässt“, sagt Meier.

Es erstaunt ihn nicht, dass es keine permante Überprüfung des Wassers gibt, wie es im Braunkohlenplan eigentlich vorgesehen ist. „Das Ergebnis wäre erschreckend“, glaubt er; deshalb unterlasse man lieber die Prüfung. Inzwischen ist es so weit gekommen, dass die Gärtnerei vom Kreiswasserwerk zur Bewässerung der Pflanzen mit Trinkwasser beliefert wird.

„13.000 Kubikmeter will RWE bezahlen, den Rest sollen wir übernehmen“, schildert Meier. Der Rest, der wird jedes Jahr größer: Je mehr Grundwasser RWE Power dem Erdreich entzieht, umso mehr muss von oben nachgefüllt werden. „Das hat keiner auf der Rechnung“, beklagt Meier und zeigt auf einen ehemaligen kleinen Wasserlauf, der mittlerweile trockengefallen und rostig-braun ist.

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