Junges Grenzlandtheater über reale Gefahren der virtuellen Welt

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:
7794554.jpg
So verlieren sich junge Leute im Internet. In der Aufführung des Grenzlandtheaters chatten Lara (Nesrin Adloff) und Tom (Matthias Rödder) in Netz. Das Schicksal des Mädchens bleibt am Ende offen. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg-Oberbruch. Morgens um 10 Uhr – aus Sicht der Schüler der Klassen 7 bis 10 ist die Welt in Ordnung. Das Smartphone ist in fast jeder Hand und wird fleißig genutzt – mal eben schnell ein Foto machen vom Vordermann. Die Finger bilden die Eselsohren. Rundzeigen und herzhaft lachen. So scherzen die Schüler kurz vor der Aufführung des Theaterstücks „Hast du ein Bild von dir?“.

Neben der Don-Bosco-Schule haben mehr als dreihundert Schüler der Hauptschulen Oberbruch, Heinsberg und Gangelt sowie Klassen der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule und der Realschule Oberbruch (in einer weiteren Aufführung) das Angebot von Greta, dem jungen Grenzlandtheater, und der Theaterpädagogin Anja Geurtz angenommen. „Hast du ein Bild von dir?“ handelt von den Gefahren des Internets.

Mit dem neuen Computer ins Netz

Der Inhalt ist schnell erzählt: Lara hat mit ihrem neuen Computer endlich Zugang zum Internet. Ihr bester Freund Tom, der heimlich für sie schwärmt, zeigt ihr, wie die neue, aufregende virtuelle Welt funktioniert: Lara kann sich neu erfinden, in andere Rollen schlüpfen, sich ausprobieren. Im Chatroom lernt sie schließlich einen „netten Jungen“ kennen und verliebt sich in ihn.

Tom ist wütend wegen Laras neuem „Freund“ – bis seine Eifersucht in tiefe Sorge und einen schrecklichen Verdacht umschlägt. Es wird still im Saal, das zwei Personenstück beginnt. Lara (gespielte von Nesrin Adloff) und Tom (Matthias Rödder) unterhalten sich über ihren Schüleralltag. Sich lustig machen über die Fehler der Mitschüler, über das eigene „Coolsein“ und wie mit dem Smartphone oder dem PC die ungeliebten Konkurrenten schlecht gemacht werden. Von diesen Themen handeln die Gespräche.

„Ist doch anonym, weiß doch keiner, dass wir das waren“, sagt Tom, als er das Foto einer Mitschülerin so verändert, dass aus dem schlanken Mädchen ein dickes gemacht wurde. Lara lernt von ihrem Freund, wie sie ein Profil anlegt und wie man chattet. Sie erliegt immer mehr den scheinbar ungefährlichen Reizen des Internets. Sie nutzt einen Flirtchatroom und gibt dort naiv ihre Kontaktdaten an. Sie gibt Privates und Persönliches über sich preis, weil sie den charmanten Überredungskünsten eines Unbekannten glaubt.

„Mit anderen, die man noch nie gesehen hat, über alles quatschen“, das habe sie die ganze Nacht gemacht, erzählt sie Tom. Der aber hat Probleme mit seinen Eltern und möchte sich mit Lara darüber aussprechen. Lara träumt sich aber ihre Welt zurecht und verliert die Fähigkeit, auf reale Personen wie Tom eingehen zu können. „Lass mich jetzt nicht hängen“, bittet Tom, stößt aber bei Lara auf taube Ohren.

„Dass ich mich einem Unbekannten so nah fühle und ihm meine geheimsten Wünsche mitteilen kann“, davon schwärmt Lara weiterhin. So schickt sie denn trotz Toms Warnungen ein richtiges Foto von sich an den Flirtpartner. Der missbraucht ihr Foto und stellt fingierte Szenen mit ihrem Kopf auf fremden Körpern ins Internet. Verzweifelt versucht sie, dies wieder rückgängig zu machen, was nicht gelingt. „Das Internet vergisst nie!“ ist die Erkenntnis daraus. Hin und hergerissen erliegt sie weiterhin dem Werben und den Versprechungen des unbekannten Chatpartners. Der weiß mittlerweile ihre Adresse und möchte sich mit ihr treffen. Sie begibt sich zum vereinbarten Treffpunkt.

Das Ende und das Schicksal von Lara bleiben offen. Denn als Tom, der sich Sorgen macht, am Treffpunkt eintrifft, ist Lara verschwunden. Nur ein Kleidungsstück und ihr Rucksack liegen dort.

Stille und Beifall

Fast eine Stunde sind die jungen Zuschauer in das Stück eingetaucht, haben sich wiedergefunden. An der Stille während der Aufführung, aber auch am Beifall konnte man dies ablesen. In Vor- und Nachbereitungen mit Theaterpädagogin Anja Geurtz haben die Schulen die Möglichkeit, mit den Schülern tiefer in die Problematik und die Sensibilisierung für die Gefahren im Internet einzusteigen. Begleitmaterial steht zusätzlich zur Verfügung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert