Italiener traurig über das Aus schon vor der WM

Von: Anna Petra Thomas
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Leonardo Turzo ist nicht einverstanden mit der Leistung der italienischen Mannschaft und eigentlich auch ganz froh, dass sie erst gar nicht zur WM fährt.
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Marvin Monego wird in diesem Winter die meiste Zeit über in Heinsberg bleiben, da er sein Eiscafé an der Hochstraße komplett saniert. Foto: anna

Heinsberg/Wegberg. Tränen über das Aus in der WM-Qualifikation für Italiens Fußball-Nationalmannschaft sind nicht nur auf dem italienischen Stiefel geflossen, sondern auch in der hiesigen Region, wo seit Ende des Zweiten Weltkriegs viele Italiener mit ihren Eiscafés oder Pizzerien ein neues Zuhause gefunden haben.

Sie fiebern inzwischen natürlich auch mit der deutschen Nationalmannschaft, aber ihr Herz hing bisher auch immer noch an den italienischen Nationalhelden. Das haben sie nach dem Unentschieden ihres Teams gegen Schweden, das für die WM-Teilnahme in Russland im kommenden Jahr nicht ausreichte, deutlich gespürt. Dennoch sind sich die meisten inzwischen sicher, dass eine Qualifikation ihre Mannschaft bei der WM nicht weit gebracht hätte.

„Das ist Stolz, und der kommt von Herzen, ich bin doch ein Italiener“, sagt Marvin Monego, der das bereits seit mehr als 60 Jahren in der Heinsberger Innenstadt ansässige Eiscafé gleichen Namens führt. Natürlich sei er daher auch ein wenig traurig, dass die Italiener ausgeschieden seien, aber halt nur ein bisschen, denn diese Mannschaft habe es nicht verdient, bei der WM zu spielen. „Diese Mannschaft ist neu aufgebaut worden“, sagt er, „und diese neuen Leute spielen nicht mehr mit Lust und vor allem nicht mehr mit dem Stolz, eine Nation zu repräsentieren.“

Er erinnere sich noch gut an die Zeit als er in der italienischen Nationalmannschaft gespielt habe, erzählt Monego weiter, nicht in der Fußball-, aber in der Eishockey-Juniorennationalmannschaft. „Wenn der Brief kommt, in dem steht, dass Du in die Nationalmannschaft berufen wurdest, dann schläfst Du eine Nacht lang nicht, weil Du weißt, dass Du jetzt alles geben musst“, sagt er. „Dann bist Du richtig stolz!“

Zwei Jahre lang, als er 14 und 15 Jahre alt gewesen sei, habe er in der Juniorennationalmannschaft gespielt, erinnert er sich. Heute sei das alles ganz anders. „Heute geht es leider nur noch um Geld!“, betont er.

So ähnlich sieht das auch Angelo Longo vom gleichnamigen Eiscafé in Wegberg. Natürlich sei er auch ein Fan, räumt er ein. Doch inzwischen sei er auch gar nicht so traurig, wenn die italienische Mannschaft bei der WM nicht spiele. So, wie sie sich derzeit präsentiere, sei sie gar nicht in der Lage, weiterzukommen. Aber da sei ja auch noch die deutsche Nationalmannschaft, mit der er natürlich bei der WM mitfiebern werde. „Ich lebe schon seit 42 Jahren in Deutschland. Da gehöre ich doch auch hier dazu, oder?“, schmunzelt er.

„Wenn sie es gestern geschafft hätten, wären sie bei der WM nicht weit gekommen“, ist sich Leonardo Turzo von der Pizzeria „La Grotta“ am Dienstag in Heinsberg ebenfalls ganz sicher. Natürlich habe er sich nach dem Spiel geärgert, aber die neuen Spieler in der Mannschaft bräuchten halt noch Zeit.

Und er sieht noch ein anderes Problem: Wie hier in Deutschland müssten auch in Italien die Spieler schon viel früher von unten aufgebaut und auf ihre große Aufgabe vorbereitet werden. Zudem würden für die italienischen Mannschaften der ersten Liga viele Spieler im Ausland gekauft, so dass der eigene Nachwuchs kaum Spielchancen habe. „Ja, ich bin traurig“, sagt er, „aber auf der anderen Seite ist es auch besser so. Das bringt so nichts.“

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