Internationale Delegation zu Besuch im Tagebau Garzweiler II

Von: Helmut Wichlatz
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Austausch und Diskussion: In Immerath (neu) war eine internationale Delegation zu Gast. Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz-Immerath (neu). Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) war eine internationale Delegation am Tagebau Garzweiler II unterwegs. Die AGEH ist ein „Personaldienst der deutschen Katholiken für Entwicklungszusammenarbeit“ und vermittelt neben dem aktiven thematischen Austausch auch Entwicklungshelfer in die Schwellenländer.

Die 35 Teilnehmer stammten vornehmlich aus Ländern Lateinamerikas und Afrikas, in denen sich die Bevölkerung auch mit den Auswirkungen des Bergbaus auf die Umwelt auseinandersetzen muss. Die AGEH hatte zu einem mehrtägigen Workshop nach Bonn eingeladen, um auch den globalen Aspekt des Bergbaus zu beleuchten und auch über Strategien zur Entschädigung, Umsiedlung und die damit verbundenen Konflikte zu entwickeln.

„Abbau und Verbrauch von Rohstoffen ist ein verbindendes Thema zwischen Menschen im Norden und Süden“, betonte Reiner Lövenich. Der in Inden geborene Umweltberater der Kirche beleuchtete beim Zwischenstopp der Gruppe im Immerather Gemeindezentrum auch die Rolle der Kirche bei der Umsiedlung und berichtete über die Umsiedlung und die damit verbundenen Probleme im Rheinischen Revier. In der Kirche gebe es keine offizielle Stelle für das Thema, weshalb er mit anderen einen Verein zur „Förderung kirchlicher Umweltberatung” (FKU) gegründet hatte. Seine Worte wurden simultan ins Englische, Spanische und Französische übersetzt. Trotz der Sprachbarrieren nahmen die Zuhörer regen Anteil am Schicksal der Umsiedler im Revier. Vor allem, als Gabi Clever von der IG Umsiedlung das Wort ergriff und über ihre Erfahrungen mit der Umsiedlung berichtete. „Es gibt keine sozialverträgliche Umsiedlung“, lautete ihr Fazit.

Dirk Jansen beleuchtete als Landesvorsitzender des Bund es für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch die rechtliche Situation, erklärte das Bergrecht und nannte ernüchternde Fakten. Eine Energiewende finde in NRW angesichts eines Kohleanteils von 45 Prozent bei der Energieerzeugung „de facto nicht statt“. Rund 300 Millionen Tonnen würden immer noch pro Jahr gefördert, ein Großteil des Braunkohlestroms werde exportiert. Die Braunkohle bezeichnete er als „Klimakiller Nummer 1“, der für eine sichere Energieversorgung nicht mehr benötigt würde. Der Eingriff in die Natur, der durch die Förderung der Braunkohle entstehe, sei nicht auszugleichen und habe nicht absehbare ökologische Konsequenzen auch für spätere Generationen. Darüber hinaus entwickele sich der Feinstaub im Rheinischen Revier zu einem ernstzunehmenden Gesundheitsrisiko für die Bewohner.

Am kommenden Samstag steht das Thema „Zukunft statt Braunkohle“ in der Erkelenzer Stadthalle auf dem Programm. Eingeladen hat ein Aktionsbündnis gleichen Namens, das vor zehn Jahren gegründet wurde. Jansen leitet die Tagung des Aktionsbündnisses, in dem sich lokale und bundesweite Initiativen zusammengeschlossen haben. Neben Fachvorträgen zum Strukturwandel, Klimaschutz und Kohlepolitik wird auch der „Erkelenzer Appell“ der Klima-Allianz Deutschland vorgestellt.

Die Delegation machte sich im Anschluss an die Diskussion mit den Referenten von Immerath aus auf den Weg, um einen verlassenen Tagebauort zu besichtigen.

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