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Inklusion klappt auch auf der Bowlingbahn

Von: Helmut Wichlatz
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Gelebte Inklusion: Die „Panzerknacker“ und die „Nobodys“ vor dem Wettkampf. Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz. Kevin von den „Panzerknackern“ wirft den Strike, wieder einmal! Das mag an seiner ungewöhnlichen Technik liegen – er wirft die Kugel beidhändig und steht breitbeinig vor der Bahn. Noch ein Strike! Heute klappt‘s ja. Dafür gibt es auch ein anerkennendes High Five von den Gegnern, den Wassenberger „Nobodys“. Die gilt es heute zu besiegen oder zumindest in Schach zu halten.

Die „Panzerknacker“ sind ein sechsköpfiges Team der Lebenshilfe um die Betreuerin Sonja Koch. Sie spielen im zweiten Jahr in der Turnierserie des Erkelenzer Bowlingcenters mit. Sie treten alle zwei Wochen zum sportlichen Kräftemessen in der Gruppe B an. Die Lebenshilfe-Bowlingspieler bestreiten die Pflichtspiele und verzichten darauf, durch eine wöchentliche Teilnahme weitere Punkte zu erspielen.

Eigentlich geht es darum, Hemmungen zu überwinden und aktiv ein Ziel zu verfolgen. Die sechs Panzerknacker wechseln sich immer ab, da die Teamstärke auf drei Spieler beschränkt ist. Heute haben die Panzerknacker Glück, denn die „Nobodys“ treten nur zu zweit an. Trotzdem wollen sie den Gegnern „nichts schenken“, wie Nobody Sascha Onen scherzhaft erklärt, während Kevin den nächsten Strike wirft. So starten die „Panzerknacker“ mit einem bequemen Punktevorsprung. Tobias hat heute nicht so viel Glück, seine Kugel landet mehrmals in der Rinne. Trotzdem gibt er nicht auf und schickt bedächtig seine Kugeln auf die Reise. „Mal klappt‘s, mal klappt‘s nicht“, weiß er. „Das ist wie beim Fußball.“

Gespielt wird parallel auf zwei Bahnen, ohne Unterlass. Das hat Wettkampfatmosphäre und spornt an. Auch rund herum produzieren die anderen Teams das ewige dumpfe Krachen, wenn die Kugeln in die Reihe der Pins sausen. Onens Teamkollege Ferenc Rauschenbach gibt seinen Gegnern auch gerne mal einen Tipp, wie man am besten wirft. „Es geht hier sehr kameradschaftlich zu, weil wir es ja als Hobby betreiben“, erklärt er. An dem Turnier nehmen auch Teams teil, die es schon etwas verbissener sehen. Die Panzerknacker gehören zu den wenigen Teams, die mit den Kugeln des Bowlingcenters spielen. Normalerweise legt man Wert auf eigene Kugeln und ein gemeinsames Team-Shirt.

Sonja Koch hatte das Team vor zwei Jahren zusammengestellt und zum Turnier angemeldet. „Es war ein Versuch, der sich als sehr erfolgreich herausgestellt hat“, betont sie. „Die Leute machen spürbare und nachhaltige Fortschritte.“ Der Umgangston ist locker, und trotzdem sind alle voll bei der Sache.

Bei den Betreibern des Centers stieß sie mit ihrer Idee auf offene Ohren: Hannelore von Känel leitet das Center seit neun Jahren. Für sie seien die Leute von der Lebenshilfe ganz normale und gerngesehene Kunden, betont sie. Die Inklusions-Idee, dass behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen am Turnier teilnehmen, habe sie von Anfang an fasziniert.

Im vergangenen Jahr schlossen die „Panzerknacker“ das Turnier als Vorletzte ab. „Da ist noch was drin“, ist sich Koch sicher. Ihr Team ist auf jeden Fall bis in die Fingerspitzen motiviert.

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