Heinsberg - Imker nimmt die Landwirte in Schutz

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Imker nimmt die Landwirte in Schutz

Von: Rainer Herwartz
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Der Vorsitzende des Heinsberger Imkervereins, Stefan Drachenberg, sieht im Rheinland für die Bienen noch „paradiesische Zustände“. Ein Volk überwintert zwischen 20 Wabenrahmen.
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Der Vorsitzende des Heinsberger Imkervereins, Stefan Drachenberg, sieht im Rheinland für die Bienen noch „paradiesische Zustände“. Ein Volk überwintert zwischen 20 Wabenrahmen. Foto: Herwartz

Heinsberg. Für Greenpeace ist die Sache klar: Eine Studie belege, dass in den vergangenen Jahren europaweit durchschnittlich 20 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebten. Ein Grund dafür seien die Pestizide, die in der Landwirtschaft Verwendung fänden und die Tiere schon in geringen Konzentrationen schädigten. Konkret hatte die Umweltorganisation Anfang des Monats vor sieben Pestiziden gewarnt, von denen drei zu den umstrittenen Nervengiften aus der Klasse hochgiftiger Neoni-cotinoide gehörten.

Die Substanzen sind als Pflanzenschutzmittel in Deutschland zugelassen. – So weit, so schlecht. Doch wie groß ist die Bedrohung der fleißigen Bienen, die den Menschen seit Urzeiten mit Honig versorgen und beim Bestäuben der Pflanzen eine wichtige Funktion inne haben, wirklich? Der Vorsitzende des Heinsberger Imkervereins, Stefan Drachenberg, hat da so seine eigene Ansicht.

„Die Imkerei ist nicht durch Pflanzenschutz und Landwirtschaft bedroht, sondern vor allem durch den Parasiten Varroamilbe und schlechte imkerliche Praxis“, lautet Drachenbergs überraschende Antwort. „Das größere Problem als der Landwirt sind möglicherweise private Gartenfreunde, die unwissend falsche Mittel am falschen Ort anwenden. Der Landwirt, der über eine entsprechende Ausbildung verfügt und naturgemäß die Bienen schützen will, weil durch die Bestäubung sein Ernteertrag nachhaltig gesteigert wird, sprüht meist nicht gegen tierische Schädlinge, sondern gegen Pilzbefall.“

Im Rheinland lebten die Imker ohnehin wie im Paradies. „Grundsätzlich liegen die Verluste in unserem Verein in den Wintermonaten zwischen ein und fünf Prozent.“ Die 24 Mitglieder besäßen etwa 150 Bienenvölker. Im Sommer umfasse deren Bevölkerungszahl 30.000 bis 35.000 Tiere und im Winter 8000 bis 20.000. Im Jahr liege der Honigertrag für die Imker bei etwa 30 bis 90 Kilogramm pro Bienenstock.

„In der hiesigen Region gibt es keine dauerhaften Probleme mit der Landwirtschaft durch Spritzschäden“, sagt der Imker. „Sie kommen, wenn überhaupt, dann nur als Unfall vor. Bei Pflanzenschutz gibt es eigentlich nur ein Konfliktgebiet zwischen Bienen und Landwirt. In der Zeit der Rapsblüte kann es geschehen, dass die Blüten befliegende Biene, deren Stock in der Nähe platziert wird, während eines Spritzeinsatzes eines Landwirtes vergiftet wird. Das Problem ist aber jedem Imker bekannt.“ Das bedeute, es sei Kommunikation vonnöten. Imker und Landwirt sollten sich darüber verständigen, meint Drachenberg, „da die Biene ja quasi fremdes Eigentum befliegt und in ihrem Sinne aberntet“.

Wenn der Termin des Spritzens dem Imker bekannt sei, könne er für die Zeit des Spritzvorgangs einfach die Fluglöcher verschließen. „Sollte die Biene nämlich während ihres Blütenbefluges mit dem Gift besprüht werden, schleppt sie dieses in den Stock ein, weil sie sich dort von ihren Artgenossinnen putzen und reinigen lässt. Setzt sich die Biene hingegen auf eine bereits besprühte Blüte und nimmt kontaminierten Nektar auf, absorbiert sie das Gift in ihrem Honigmagen und übergibt im Stock lediglich den gereinigten Nektar.“ Hierbei verende allenfalls die einzelne Biene und nicht das ganze Volk, erläutert Drachenberg.

Die Sauberkeit der Tiere werde ihnen leider zum Verhängnis. Es sei schon bemerkenswert wie reinlich die Bienen seien, erzählt der 43-Jährige von bizarren Vorgängen im Dunkel des Bienenstocks. Wenn sich zum Beispiel eine Maus in die Behausung der Insekten einschleiche oder verirre, löse dies einen bemerkenswerten Vorgang aus.

Natürlich werde die Maus als Angreifer angesehen und sogleich durch die Bienen bekämpft, was durch unzählige Stiche den Tod des Nagers zur Folge habe. Doch wohin nun mit dem Kadaver? Da Bienen keine Fleischfresser sind wie etwa Wespen, und die Maus ob ihres Gewichtes selbstredend auch nicht „ausgeflogen“ werden könne, hätten die Tiere eine Technik entwickelt, um das tote Tier „einzubalsamieren“. Grundlage hierzu sei ein Baumharz, das von den Bienen gesammelt werde, um die Maus gänzlich zu umhüllen, damit der Verwesungsprozess gestoppt werde.

Der Bauingenieur, der sich seit 2006 der Imkerei verschrieben hat und das Hobby gemeinsam mit seiner Frau Tanja betreibt, sieht die Bedrohung der Bienen übrigens in nicht unerheblichem Maße im Rückgang so genannter Bienenweiden zugunsten blütenloser Kulturlandschaft. Nicht von ungefähr kämen auch die Imker da schon auf recht skurrile Einfälle. So stünden derzeit etwa 100 Bienenvölker auf Kölner Friedhöfen. Für die Bienen hoffentlich kein schlechtes Omen.

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