„Help“: Menschen in Simbabwe neue Wege aufzeigen

Von: Rainer Herwartz
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Mit Ehefrau Widi und den beiden Töchtern Lea (rechts) und Saphira verbringt Christoph Laufens ein paar Urlaubstage in der Heimat. Foto: Herwartz
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Praktische Hilfe auch im Kleinen: mit den Tabletten, die Christoph Laufens hier überreicht, kann Wasser aufbereitet werden.

Waldfeucht-Haaren. Jung, freundlich, offen – weltoffen wirkt Christoph Laufens, wenn er einem so gegenüber sitzt. Und genau das ist er wohl auch. Dass er irgendwann einmal Landesdirektor einer Hilfsorganisation in Simbabwe sein würde, hätten seine in Waldfeucht-Haaren lebenden Eltern wohl dennoch nicht gedacht. Und ganz glücklich waren sie mit seiner Entscheidung, nach Afrika zu gehen, zu Beginn denn auch nicht.

„Am Anfang waren meine Eltern schon etwas ängstlich, weil sie dachten, in Simbabwe gäbe es nur Mord und Totschlag“, schmunzelt Laufens. „Doch mittlerweile waren beide schon dreimal da. Die Skepsis ist ganz schnell einer Begeisterung für das Land und seine Schönheiten gewichen.“ Schließlich scheine ja auch an 350 Tagen im Jahr die Sonne, meint der 36-Jährige, der sich derzeit mit seiner Frau Widi und den beiden Töchtern Lea und Saphira zu Besuch in der alten Heimat befindet.

Nach dem Abitur am Kreisgymnasium im Jahr 1996 entschied sich Laufens für ein Jurastudium in Köln. Seine Referendariatszeit absolvierte er beim Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Bereich Krisenprävention und Friedensentwicklung. Für den jungen Haare-ner wohl ein Schlüsselerlebnis. „Ich wollte generell gerne im Ausland arbeiten und etwas tun, das Sinn macht“, sagt er. „Aber da habe ich den Entschluss gefasst, dass ich auf diesem Gebiet meine berufliche Zukunft ansiedeln wollte.“

Obwohl er nach seiner Referendariatszeit und dem zweiten Staatsexamen noch einige Monate als Anwalt tätig war, suchte er bereits nach einer Möglichkeit, im Ausland Erfahrungen zu sammeln. „Dann eröffnete mit der Verein Help – Hilfe zur Selbsthilfe aus Bonn die Chance, als Projektmitarbeiter nach Simbabwe zu gegen.“ Das war im Juli 2005.

„Der erwartete Kulturschock blieb übrigens aus“, sagt Laufens. Er hatte sich gut auf das vorbereitet, was ihn erwarten würde. „Es ist ein wunderbares Land mit sehr liebenswerten, hilfsbereiten Menschen. Den Kulturschock hatte ich eigentlich erst, als ich nach ein paar Monaten wieder nach Deutschland kam, wo es 30 verschiedene Joghurts im Kühlregal gibt“, sagt er und lacht. Die Menschen in Simbabwe hätten vor allem eine sehr liebenswerte Art, wenn etwas nicht so recht klappen wolle. „Dann setzen sie sich nicht hin und jammern, sondern lassen sich etwas einfallen. Man sagt dort, let‘s make a plan, lass uns einen Plan machen. Nach dem Motto: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“

Nach einem Arbeitsabstecher nach Indonesien, wo Laufens seine Frau kennenlernte, absolvierte er 2006 an der Uni Hamburg den Master of Peace and Security Studies. Sechs der zwölf Monate verbrachte er dabei an der Führungsakademie der Bundeswehr. Ob ihn das als ehemaligem Zivi bei der Lebenshilfe vor eine besondere Herausforderung gestellt habe? „Nein“, sagt Laufens. Auch wenn der Dienst an der Waffe für ihn selbst nicht in Frage komme, so sehe er dennoch die Notwendigkeit des Militärs, gerade in Krisengebieten wie Somalia oder Afghanistan, wo eine Entwicklungspolitik ohne gewährleistete Sicherheit nicht möglich sei.

Mittlerweile ist der Haarener in Simbabwe bei Help Chef von 100 Mitarbeitern. „Wir arbeiten intensiv mit Kleinbauern, die ihre Ernährung nicht mehr sicherstellen können nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch seit der Landreform im Jahr 2000. Damals seien die kommerziell tätigen weißen Farmer, denen ihre koloniale Herkunft angelastet worden sei, von ihren Farmen vertrieben worden. Jetzt würden diese von Personal bewirtschaftet, das von der Landwirtschaft keine Ahnung habe.

„Der wirtschaftliche Abschwung, Korruption und Missmanagement führten auch zu einer Hyperinflation, bei der sich innerhalb kürzester Zeit der Geldwert völlig aufzehrte“, schildert Laufens die prekäre Situation. „Als ich ankam, war der US-Dollar auf dem Schwarzmarkt 7000 Simbabwe-Dollars wert. Ende 2008 waren es dann mehrere Billionen. Alles ersparte wurde vollkommen zunichte gemacht. Weder Saatgut noch Wasserpumpen oder Düngemittel konnten angeschafft werden.“

Mittlerweile unterstützt die Hilfsorganisation, die durch den Bund, die EU, das Welternähungsprogramm und vor Ort die japanische Botschaft finanziert wird auch Kleinbetriebe bei der Entwicklung. Der jährliche Umsatz von sechs bis zwölf Millionen Euro beinhalte zudem noch Wasser- und Gesundheitsprojekte.

Ob er den Schritt, nach Simbabwe zu gehen, je bereut habe? Da schüttelt Christoph Laufens den Kopf. „Ich finde meine Arbeit sehr erfüllend. Es ist so schön zu sehen, wenn ein Kleinbauer, der die Ernährung seiner Familie nicht sicherstellen konnte, nach nur zwei Jahren mit einem intensiven Trainingsprogramm nicht nur genügend Nahrungsmittel für die Familie produziert, sondern sogar Überschüsse, die es ihm ermöglichen, seine Kinder in die Schule zu schicken, die Kosten für die medizinische Versorgung zu zahlen, sein Haus zu elektrifizieren und auch noch zwei Kühe zu kaufen.“ Wer könnte da widersprechen. . .

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