„Großer Dank gilt allen Spendern“

Von: Monika Baltes
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Im Einsatz für die Mitmenschen: In der Tafel ging es gestern weihnachtlich zu. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Zwei Erwachsene lauern vorsichtig durch die Fensterscheibe in das „Weihnachtszimmer“. In einer Stunde wird die Hückelhovener Tafel mit der Ausgabe von Weihnachtspäckchen an Tafelkunden beginnen.

Klaus Puppe und seine Freundin sind zeitig gekommen und ein wenig verlegen, weil ihre neugierigen Blicke entdeckt wurden. Puppe fängt sich schnell wieder: „Ist doch völlig normal in der Weihnachtszeit. Wir haben doch alle schon mal durchs Schlüsselloch geschaut, um zu sehen, was das Christkind da so treibt.“ Immer wieder mal komme er zur Tafel, wenn er arbeitslos ist – wie im Moment. Der Staplerfahrer ist seit einem Jahr auf Arbeitssuche. „Aber die Firmen wollen jüngere Arbeitnehmer, ich bin schon 50“, fügt er seufzend hinzu. Nein, ohne die Tafel käme er nicht über die Runden, hier kann er sich „Grundnahrungsmittel und frisches Gemüse“ für ganz kleines Geld besorgen. „Obst und Fruchtsäfte nehme ich nur, wenn das Angebot sehr groß ist, sonst lasse ich das lieber für Familien, die Kinder haben.“

Geschäftige Betriebsamkeit herrscht in allen Räumen des evangelischen Gemeindezentrums. Der Blick auf die unzähligen Pakete und Päckchen, die vielen Bücher und haufenweise Kinderspielzeug beweist: Hier ist eine logistische Meisterleistung vollbracht worden. Dazu kommt noch eine ganze Batterie von Flaschen mit alkoholischen Getränken. „Aber Alkohol gibt es nur zu Weihnachten“, stellt Krimhild Witges, Vorsitzende der Tafel Hückelhoven, klar. „Die Pakete und Päckchen sind Spenden aus der Bevölkerung, von Firmen, und auch das Gymnasium Hückelhoven hat ungefähr 100 Geschenkpäckchen für Kinder gepackt“, sagt sie und greift die Gelegenheit beim Schopf, sich „ganz herzlich bei allen Spendern, Unterstützern und Gönnern unserer Tafel zu bedanken“.

Inzwischen duftet es nach frisch aufgebrühtem Kaffee, die Tische sind liebevoll eingedeckt, Weihnachtsgebäck auf den Tischen wartet auf Schleckermäuler. Eine halbe Stunde, bevor sich die Tür für die Tafelkunden öffnen wird, sind Klaus Puppe und seine Freundin von der großen Menschenmenge vor dem Gebäude verschluckt worden. „Wir betreuen zurzeit um die 600 Erwachsene und 311 Kinder“, verdeutlicht Karin Buchholz, stellvertretende Vorsitzende, die Dimensionen der Arbeit für die 70 Ehrenamtler in Hückelhoven.

Mehr als die Hälfte der Tafelkunden sind Deutsche, aber auch Russen, Türken und Asylbewerber aus Syrien, Afghanistan und Ägypten werden vor Ort mit Lebensmitteln, die von Supermärkten, Bäckereien, Metzgereien, Bauernhöfen und Lebensmittelproduzenten der Region kostenlos an die Tafel abgegeben werden, unterstützt.

„Wenn man sich vorstellt, dass diese Lebensmittel sonst weggeworfen würden…!“ Buchholz schüttelt den Kopf. Nein, da ist es schon besser, dass Werner Thiel sich regelmäßig ans Steuer setzt und die Lebensmittel einsammelt. „Fast 250 000 Kilometer bin ich für die Tafel bisher gefahren“, berichtet der Rentner stolz. Eine schwere Arbeit, gerade für die Fahrer, die viel schleppen müssen. Kräftige Fahrer ohne Rückenprobleme sind hier immer willkommen.

Menschen erfreuen Menschen

Inzwischen haben sich die Türen für die Tafelkunden geöffnet. Auch hier geht es, wie bei der Paketausgabe, nicht ohne organisatorisches Eingreifen. „Es ist schließlich ein Unterschied, ob das Paket für eine mehrköpfige Familie ist oder für eine Einzelperson“, erklärt Witges. Angelika Wagner hat derweil mit ihren Töchtern Larissa, Cassandra und Sandy Platz genommen. Zufrieden knabbern die Mädchen an ihren Lebkuchen. Auch sie sind Tafelkunden. „Mein Mann hat Arbeit, aber wir haben neun Kinder, das Geld reicht vorne und hinten nicht.“ Wenige Tage vor Weihnachten – das ist die Zeit für Wünsche. Cassandra und Sandy wünschen sich ein Handy, Larissa „eine Kasse von Fisherprice – die mit dem Schlüssel“.

Die meisten Mitarbeiter der Tafel wünschen sich, „dass Tafeln in Deutschland überflüssig werden, weil es keine bedürftigen Menschen mehr gibt.“ Und auch Klaus Puppe hat einen Wunsch – ach was – einen Herzenswunsch. „Ich möchte heiraten“, sagt er feierlich, und seine Freundin lächelt.

Vielleicht war am gestrigen Nachmittag nirgendwo in Hückelhoven mehr Weihnachten als bei der Ausgabe der Weihnachtspäckchen an die Tafelkunden. Denn Weihnachten ist immer da, wo Menschen anderen Menschen eine Freude machen.

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