Hückelhoven - Genossen suchen Personal und Prozente

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Genossen suchen Personal und Prozente

Von: kalauz
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Hückelhoven. Das hat es in der langen Geschichte der Sozialdemokratie in Hückelhoven noch nicht gegeben: Bei der Kommunalwahl im Mai stellt die SPD keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten. Mehr noch: Man muss am Mittwoch, 12. März, in eine „Verlängerung“ der Mitgliederversammlung gehen, um doch noch alle Wahlbezirke im Stadtgebiet mit einem eigenen Kandidaten besetzen zu können.

Auf die Feststellung, dass es mit den Sozialdemokraten in Hückelhoven „mau“ aussieht, sagt jemand aus dem verblieben Kreis der Getreuen, der nicht genannt werden will: „Es sieht mehr als mau aus. Wat willste machen?“

Der unaufhaltsame Abstieg der SPD in Hückelhoven hat eine lange Vorgeschichte. Noch in den 1990er Jahren regierten die in der Zechenstadt bis dahin traditionell bärenstarken Sozialdemokraten im Rathaus mit absoluter Mehrheit, mittlerweile ist man bei 21,5 Prozent der Wählerstimmen aufgeschlagen – und der freie Fall scheint nicht aufzuhalten zu sein. Ganze 35 wahlberechtigte Mitglieder fanden sich bei der Vollversammlung zur Aufstellung der Kandidaten für die Kommunalwahl am Schacht 3 ein. Für Ratheim musste man bei den Kandidaten auf den „alten Haudegen“ Peter Wilms zurückgreifen – obwohl der sich schon lange aus der Kommunalpolitik verabschiedet hat. Es hat sich einfach kein anderer gefunden. „Dich kennt man in Ratheim, das bringt ein paar Prozentpunkte“, damit beknieten die Genossen den alten Altgenossen. Für den Wahlkreis 501, Brachelen, hat man noch immer keinen Kandidaten gefunden.

Fehlstart statt Neustart

Schlimmer noch: Michael Körber hat sämtliche Ämter in der Partei niedergelegt. Körber war in der Mitgliederversammlung in Doveren vom Oktober 2012, als die Hückelhovener Sozialdemokraten nach dem Rücktritt von Willi Spichartz einen Neustart hinlegen wollten, zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt worden. Spichartz‘ Abgang aus der Kommunalpolitik wurde von vielen Sozialdemokraten mit Erleichterung aufgenommen. Schließlich hatte der die hoffnungsvoll sprießenden Nachwuchsgewächse im Garten des SPD-Ortsvereins Hückelhoven ziemlich öffentlich niedergetrampelt.

Bis auf Werner Schiffmann, der auf Platz 14 der Liste für die Wahl zum Kreistag im Mai positioniert ist, haben die meisten Baaler Jung-Sozialdemokraten politisch das Handtuch geworfen.

Der vermeintliche Neustart in Doveren indes geriet zum veritablen Fehlstart: Monika Rother warf die Brocken hin und erklärte ihr Ausscheiden aus der Ratsfraktion – da waren es nur noch zehn Stadtverordnete mit rotem Parteibuch. In derselben Versammlung legte auch Thomas Schidlack seine Arbeit für die SPD in zwei Ausschüssen nieder. Monika Rother steht für die Kommunalwahl im kommenden Mai als Kandidatin für Bündnis 90/Die Grünen auf einem sicheren Listenplatz – im SPD-Ortsverein weiß freilich niemand, ob sie nicht doch noch Mitglied bei den Sozialdemokraten ist. Man habe auch vom Unterbezirk noch „keine Rückmeldung“, ob Monika Rother aus der Partei ausgetreten sei.

Man habe, so hört man, „rauf und runter“ diskutiert, wen man als Bürgermeisterkandidaten der SPD gegen den Christdemokraten Bernd Jansen ins Rennen schicken könne. Aber man hat „einfach niemanden gefunden“. Jörg Leseberg, der als Vorsitzender der Ratsfraktion in den vergangenen Monaten eine Reihe von sehr konstruktiven Anträge eingebracht hat, wird die Kandidatur als einzigem im Ortsverein durchaus zugetraut – er war bereits bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren gegen Jansen angetreten. Leseberg ist aber beruflich zu stark eingebunden, um eine Kandidatur erneut auf sich nehmen zu können.

Hätten die Grünen ihre Stadtverordnete Brigitte Brenner als Bürgermeisterkandidatin ins Rennen geschickt – die Sozialdemokraten hätten sie möglicherweise unterstützt. Inzwischen aber haben die Grünen Michael Bieneck als BM-Kandidaten nominiert. Damit sei die „Huckepack-Möglichkeit“ obsolet geworden. Also: Kein SPD-Kandidat für den Posten des Bürgermeisters in der alten Zechenstadt bei der Kommunalwahl im Mai.

„Schlimm, ganz schlimm“, wird das aus den Reihen aufrechter Sozialdemokraten in Hückelhoven kommentiert.

Aber: „Wat willste machen?“

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