Gangelt will mit Lichtgeschwindigkeit ins digitale Zeitalter

Von: Franz Windelen
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Die Glasfaser wird im Gangelter Gemeindeteil Breberen verlegt. Ein Quantensprung im Netz. Foto: imago
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Grund zur Freude: Bürgermeister Bernhard Tholen ist sicher, dass die Breitband-Versorgung Vorteile für die Gemeinde bringt. Foto: Windelen

Gangelt. Befragungsaktion in der Gemeinde Gangelt abgeschlossen. Breberen macht beim Ausbau des Glasfasernetzes den Anfang. Bürgermeister Bernhard Tholen ist zuversichtlich, dass weitere Ortschaften folgen. Die Frist wurde bis zum 3. März verlängert.

Die Gemeinde Gangelt hat ihn geschafft, zumindest teilweise, den Sprung in die digitale Hightech-Ära, die Bits und Bytes mit Lichtgeschwindigkeit transportiert. Die Befragungsaktion der Deutschen Glasfaser Holding GmbH in der Westgemeinde ist seit dem 3. Februar abgeschlossen.

Zwei von den fünf Hauptbereichen, in denen die Einwohner die Wahl hatten, werden das schnelle Netz bekommen. Der Bereich Breberen/Buscherheide und Brüxgen mit den Satellitenorten Broichhoven und Nachbarheide hatte am Freitag zwar (noch) nicht die geforderte 40-prozentige Zustimmung der Haushalte, nur ein Pünktchen fehlte.

Bürgermeister Bernhard Tholen sieht das jedoch locker: „Zum einen liegt das endgültige Ergebnis noch nicht vor, zum anderen reichen laut Vereinbarung mit der Deutschen Glasfaser die 39 Prozent.“

Der Bereich Gangelt (Mitte) mit Mindergangelt und Hastenrath lag am Freitag bei 35 Prozent. „Da werden wir noch ein bisschen gehen müssen, um zwei, drei Punkte drauflegen zu können“, gibt sich Tholen äußerst zuversichtlich und schielt auf die eingeräumte Nachfrist.

Derweil dürften in den anderen drei Bereichen Birgden, Stahe und Schierwaldenrath/Langbroich/Harzelt viel Geduld und Akquirierungsgeschick gefragt sein. Aber wie meint der Bürgermeister: „Wir haben die Tür schon mal geöffnet. Die Sache wird sich flächendeckend entwickeln.“

Für Breberen und Co. rückt das superschnelle Surfen jetzt in greifbare Zukunft. „Wir werden bald mit dem Ausbau des Glasfasernetzes beginnen. Nach den Sommerferien könnten die Breberener flott unterwegs sein.“

Folgt auch noch eines nicht mehr fernen Tages der Gangelter Sprengel, sind 5000 Einwohner am Netz angeschlossen – die Hälfte aller Einwohner in der Gemeinde. Die Gemeinde Gangelt ist – neben dem Selfkant (dort läuft die Befragung noch) – die einzige Kommune im Kreis Heinsberg, die ganzheitlich abstimmen lässt, andernorts sind nur Straßenzüge oder Ortsteile ausgeguckt. Heinsberg, Waldfeucht und Hückelhoven hatten zum Stichtag nicht die erforderlichen 40 Prozent.

Mit dem 3. Februar, dem offiziellen Schlusstag der Befragungsaktion, soll aber noch nicht Schluss sein: Nach Angaben von Tholen wird die Anmeldefrist für Spätentschlossene auf den 3. März ausgedehnt – mit dem bisherigen Angebot: Anschluss und Router sind gratis sowie die ersten sechs Monate gebührenfrei.

Mit den beiden rührigen Bürgerinitiativen im Rücken, die die Fahne für die Glasfaser hochhalten, denkt der Verwaltungschef, dass „noch einiges geht“.

Für Tholen ist das Glasfasernetz ein elementarer Meilenstein für die Gemeinde und ihre Menschen. „Bislang haben wir eine Übertragungsleistung von zwei Megabits. Nach einer Bedarfsanalyse ist die Gemeinde digital zu 70 Prozent unterversorgt.

Mit der Glasfaser erhalten wir 100 M/Bits, und das Fantastische: Die Geschwindigkeit ist unbeschränkt erweiterbar.“ Das sei ein Vorteil für Gewerbetreibende, aber auch für Bürger mit Heimarbeitsplatz, die bislang mit der digitalen Langsamkeit zu kämpfen hätten.

Die Deutsche Glasfaser hat somit mit den Providern Flink, NetAachen und NEW den Fuß in den Kreis Heinsberg gesetzt und setzt an zum Marsch durch Nordrhein-Westfalen. Dabei hatte der Gemeinde Gangelt bereits ein Angebot der Deutschen Telekom vorgelegen.

Tholen: „Die Telekom war seinerzeit der einzige Anbieter, der sich auf unsere Ausschreibung meldete.“ Und warum ist der Schulterschluss am Ende gescheitert? Tholen benennt die Gründe.

Erstens: Es wären noch einige Jahre bis zum Ausbau verstrichen.

Zweitens: Die Telekom beurteile ihre Investition danach, ob diese sich in den nächsten vier Jahren amortisiert. Das sei nur dann der Fall gewesen, so Tholen, wenn ausreichend neue Verträge geschlossen worden wären; zudem hätte die Gemeinde bei einem Defizit zahlen müssen. „Der Deckungsbeitrag wäre zwar zu 75 Prozent von der Bezirksregierung Köln bezuschusst worden, aber wir hätten dennoch einen Obolus in Millionenhöhe entrichten müssen“, erläutert Tholen.

Drittens: Die Telekom hätte die Glasfaser nur bis zum Kabelverteilerkasten verlegt, danach hätte sie bis zu den Hausanschlüssen Kupferkabel verlegt – mit einer Übertragungsleistung von 16, vielleicht 32 Megabits. „Man muss wissen, dass sich bei Kupfer bei jedem Kilometer die Leistung halbiert.“

Für den Verwaltungschef steht fest: „Wir hätten bald wieder nachbessern und erneut Geld in die Hand nehmen müssen.“

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