Waldfeucht-Haaren - Für Haarener Friedhof gilt: Nach dem Tod sind alle gleich

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Für Haarener Friedhof gilt: Nach dem Tod sind alle gleich

Von: Franz Windelen
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Waldfeucht-Haaren. Arm und Reich. Im Leben sind die gesellschaftlichen Unterschiede zuweilen sehr deutlich. Und in aller Regel auch nach dem Tod. Die Größe und die Beschaffenheit der Grabsteine sind nur allzu oft ein posthumes, steingewordenes Status-Symbol. Dagegen nimmt sich der Waldfriedhof in Haaren als beschaulicher Ort aus, dem derartiger Prunk und Pomp fremd sind.

 „Nach dem Tod sind hier alle gleich“, beschreibt Josef Vraetz, Fachbereichsleiter in der Gemeindeverwaltung Waldfeucht und auch zuständig für das Friedhofswesen, das einheitliche Erscheinungsbild der Gräber. Weiße, ausschließlich weiße Kreuze zwischen Bäumen und gepflegten Buchenhecken. „Es ist nicht mehr erkennbar, wer der einfache Arbeiter und wer der Firmenchef war, die hier manchmal in direkter Nachbarschaft beerdigt sind“, weist Josef Vraetz auf die bestechende Schlichtheit hin, die zugleich die Besonderheit des Haarener Waldfriedhofes ist; sie ist in dieser Form einmalig im Kreis Heinsberg. Dieses Kriterium hat auch das Rheinische Amt für Denkmalpflege so gesehen und gelobt, als es im Jahr 2000 den Friedhof in den Rang eines Denkmals hob.

Der Waldfriedhof wurde 1936 durch den Gartenarchitekt Ludwig Schreiber aus Aachen angelegt. Und er sei, so Vraetz, in den Augen der Denkmalpfleger ein überregional äußerst seltenes Beispiel für Friedhofsgestaltung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; deshalb bestehe an der Erhaltung seiner prägenden Strukturen und Elemente aus wissenschaftlichen, insbesondere kultur- und religionsgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse. Signifikant für die Grabstätten sind nicht nur die weißen Kreuze, sondern auch die Grabeinfassungen mit kleinen Buchsbaumhecken.

„Allerdings waren viele Buchsbaumpflanzungen 2007 mit einem Pilz infiziert. Die Pflanzen mussten mit einem Spezialgemisch gespritzt werden“, erinnert sich Josef Vraetz an das Desaster. Da der Pilzbefall immer wieder auftauchen könne und die Bepflanzung der Gräber sehr kostenträchtig seien, ist in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalpflege seit 2010 die pilzresistente, dem Buchsbaum ähnelnde Ilex als Ersatzpflanze auf den Gräbern zugelassen. Wie für einen Friedhof der 20er, 30er Jahre üblich, hat auch der Haarener eine Wegeführung mit Mittelachse und ein zentrales großes Kreuz.

Denkmalgeschützt ist nur der alte Bereich des Friedhofs mit seinen rund 1200 Grabstätten. Der neue Bereich – ebenfalls ausnahmslos mit weißen Kruzifixen versehen – wurde um 2000 angelegt.

„Die aktuelle Nachfrage geht eindeutig in Richtung Urnenbestattung und Wiesengräber, so dass seit dem vergangenen Jahr auch auf dem denkmalgeschützten Teil Wiesengräber zugelassen sind, allerdings nur mit den vorgeschriebenen weißen Grabkreuzen“, sagt Vraetz. Der Trend macht auch vor den letzten Ruhestätten nicht halt. Die herkömmlichen Reihen- und Wahlgräber weichen zusehends den alternativen, kaum pflegeintensiven Bestattungsformen. Nur noch eine von zehn Bestattungen sei konventioneller Art, überrascht Vraetz mit einer kleinen Haarener Statistik. Der Grund: Die Hinterbliebenen wohnen in aller Regel nicht mehr im Ort, um sich zu kümmern.

Diese Entwicklung, das ahnt der Fachbereichsleiter, lässt auch den Denkmalschutz bröckeln. Irgendwann – die Ruhefrist in Haaren beträgt 30 Jahre – könnte auch das letzte traditionelle Grab mit Buchsbaumhecke verschwunden sein.

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