Heinsberg/Hückelhoven - Freiwillige Feuerwehren sind trotz guter Ausrüstung oft am Limit

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Freiwillige Feuerwehren sind trotz guter Ausrüstung oft am Limit

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Was die Ausrüstung angeht, können sich die Hückelhovener Feuerwehrleute ebenso wenig beklagen wie die Heinsberger mit ihrem Chef Ralf Wählen, der hier einen kleinen Einblick gibt.
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Die Einheit West, zu der Aphoven, Laffeld und Scheifendahl verschmolzen sind, wird in diesen Tagen ihr neues Gerätehaus übernehmen können.

Heinsberg/Hückelhoven. Zu wenig Einsatzkräfte, immer neue Einsatzgebiete und mangelnde Ausrüstung. In vielen großen Städten des Landes sind immer wieder Klagen durch Feuerwehrleute zu hören. Zuletzt in Köln, wo es bei der Berufsfeuerwehr wegen der Überlastung vor allem im Rettungsdienst und psychischen Problemen von Beamten mächtig rumorte.

Ein Brandschutzbedarfsplan beinhaltet unter anderem für die Kommunen, wie viele Einsatzkräfte gestellt werden müssen, ob eine Freiwillige Feuerwehr die Aufgaben erfüllen kann, wie schnell ein Einsatzort erreicht werden muss und welche Gerätschaften zur Ausstattung gehören müssen. In der Heinsberger Region scheint es die Probleme der Großstädte diesbezüglich offenbar noch nicht zu geben.

„Im Grundsatz hat sich in den letzten Jahren viel getan“, sagt denn auch der Chef der Heinsberger Feuerwehr, Ralf Wählen. „Ausrüstungsmäßig können wir uns nicht beklagen.“ Die Einheit West, zu der die Löschzüge Aphoven, Laffeld und Scheifendahl verschmolzen sind, werde noch in diesen Tagen offiziell ihr brandneues Gerätehaus übernehmen können. Auch bei der technischen Ausrüstung stehe die Freiwillige Feuerwehr gut da. Noch im Mai werde ein Löschfahrzeug HLF 20 übergeben und in Oberbruch würden zwei alte Fahrzeuge durch ein neues ersetzt. „Der einsatztaktische Wert bleibt dabei der gleiche“, erläutert Wählen, dass durch die zahlenmäßige Reduzierung kein Verlust entstehe. Für Schafhausen/Schleiden und für Aphoven würden zudem noch zwei neue Löschfahrzeuge bestellt. Das Aphovener Modell sei schließlich auch schon seit 1990 im Dienst.

Seit Ralf Wählen in Heinsberg „im Dienst“ ist, hat sich auch schon eine Menge getan. Nur vier hauptberufliche Feuerwehrleute habe es in der Kreisstadt im Jahr 2009 gegeben, mittlerweile sind es zehn. „Wenn einer krank war oder Urlaub hatte, wurde es damals schon einmal eng“, erinnert sich der Feuerwehrchef. Natürlich kämpft auch die Heinsberger Wehr – wie fast alle Freiwilligen Feuerwehren – mit der Einsatzfähigkeit tagsüber, wenn viele Freiwillige aus beruflichen Gründen nicht erreichbar sind.

Die 434 aktiven Mitglieder stehen dann oft nur auf dem Papier. Und dennoch gelang es der Feuerwehr im letzten Jahr, 422 Einsätze zu bewältigen. Und weil alle Erfordernisse des Brandschutzbedarfsplanes erfüllt werden können, habe die Stadt auch wieder bis zunächst 2020 die Ausnahmeregelung erhalten, keine Berufsfeuerwehr vorhalten zu müssen. Die Zukunft sehe nicht schlecht aus. Zwar sei ein Großteil der aktiven Feuerwehrleute schon zwischen 50 und 60 Jahre alt, „doch im letzten Jahr hatten wir mehr Jugendliche und Seiteneinsteiger, die in den aktiven Bereich wechselten, als Verluste. So wie es aussieht, wird das auch in diesem Jahr so sein. Es hat viel damit zu tun, dass die Feuerwehr immer noch hoch angesehen ist.“

Trotzdem sieht Wählens Amtskollege aus Hückelhoven, Sven Lange, die derzeitige Situation nicht ganz so rosig. „Gerade die ehrenamtliche Feuerwehr kämpft um jedes Mitglied“, sagt der Brandamtmann, der als einer von zehn fest angestellten Feuerwehrleuten seinen Dienst in der Nachbarkommune versieht. Von den 429 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten seien letztlich auch nur 223 im aktiven Dienst. Wie in Heinsberg stelle in Hückelhoven die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte tagsüber das größte Problem dar. „Wir können die gesetzlichen Auflagen zwar erfüllen, aber manchmal am Limit.“ Nahezu in allen Freiwilligen Feuerwehren in NRW stelle sich die Situation so dar, meint Lange. Deshalb werde intensiv für Nachwuchs geworben. Nicht nur per Internet. Im Mai werden deshalb in Hückelhoven 36 Plakatwände im gesamten Stadtgebiet aufgestellt.

Sven Lange, der vor seiner Station in Hückelhoven bei der Berufsfeuerwehr in Düsseldorf tätig war, beobachtet in den letzten Jahren zunehmend den Trend, dass die Feuerwehr auch für Bagatellen oder Dinge, die meilenweit außerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches liegen, angefordert wird. Da könne es durchaus sein, dass das Telefon klingelt, weil irgendwo ein Wasserhahn tropft oder der Fernseher keinen Empfang hat. Natürlich rückt die Wehr dann nicht aus, aber dennoch nehme die Zahl der Einsätze stetig zu. 506 Einsätze seien es im Jahr 2017 gewesen. Im Jahr zuvor noch etwa 470 und bis Mitte April waren die Hückelhovener schon 260 Mal im Einsatz. „Es ist also abzusehen, dass wir die Zahl vom letzten Jahr übertreffen werden.“

In puncto Ausrüstung können sich die Hückelhovener offenbar ebenso wenig beklagen wie die Heinsberger. „Wir haben eine gute Stadtverwaltung“, sagt Lange. „Der Bürgermeister ist da ganz klar auf unserer Seite.“ Man sehe ja auch zu gut, was in manchen ostdeutschen Kommunen geschehe, wo zu stark gespart werde und dann hauptamtliche Wachen eingerichtet werden müssten. Fehlende Wertschätzung für die Freiwillige Feuerwehr wird dann schnell zu einem Schuss, der nach hinten losgeht.

 

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