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Fracking: „Boden der Region zu stark vorbelastet“

Von: Nicola Gottfroh
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Sieht es im Kreis Heinsberg bald an manchen Stellen so oder so ähnlich aus? Der Bergschadenverein verfolgt die Debatte und die Entwicklungen kritisch. Foto: stock/imagebroker

Kreis Heinsberg. Die Region birgt viele Schätze im Boden. Nicht nur kostbare Braun- und Steinkohle steckt unter der Erde, auch Schiefergas befindet sich in unterirdischen Gasfeldern zwischen Wassenberg, Hückelhoven, Erkelenz und Wegberg.

„Und gerade die steigenden Energiekosten machen dieses Gas zu einem interessanten Rohstoff“, sagt Wolfgang Meurer, Vorsitzender Bürger gegen Bergschäden Wassenberg. Vor allem in den USA boome der Rohstoff, die Energiepreise konnten dadurch enorm sinken.

Um Schiefergas zu fördern, wird die Fracking-Methode eingesetzt. Das Fracking bezeichnet das gewaltsame Aufbrechen von öl- und gashaltigen Gesteinsschichten mittels einem unter hohem Druck in die Erde gepressten Gemischs aus Wasser, Sand und Chemikalien.

Umstrittene Methode

Diese Fördermethode ist effektiv, jedoch höchst umstritten. Denn die Fracking-Gegner befürchten eine Verschmutzung des Grundwassers durch den Einsatz von Chemikalien - Berichte über Kontaminierungen mit gefährlichen Stoffen wie Quecksilber und dem krebserregenden Benzol haben die Skepsis wachsen lassen. „Für uns sind vor allem die Bergschäden ein Thema. Zudem befürchten wir eine steigende Gefahr von Erdbeben“, sagt Wolfgang Meurer.

Nicht ohne Grund herrscht in Nordrhein-Westfalen derzeit faktisch noch ein Fracking-Verbot: Die NRW-Landesregierung hat Erlasse herausgegeben, die entsprechende Erdgas-Bohrungen in NRW derzeit unmöglich machen.

Das Verbot könnte nun allerdings kippen – was auch Folgen für den Norden des Kreises nach sich ziehen könnte.

Die Bundesregierung will ein Gesetz auf den Weg bringen, das die Bedingungen festlegen soll, unter denen die Technologie in Deutschland eingesetzt werden darf. Bis zur Bundestagswahl soll ein entsprechender Gesetzesentwurf durch Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, dass Fracking grundsätzlich erlaubt werden soll. Wasserschutzgebiete und Trinkwassergebiete sollen allerdings nicht angetastet werden.

Sollte das faktische Fracking-Verbot in NRW kippen, bestünde die Möglichkeit, dass auch in zwei Gebieten in der Region, in den Gasfeldern Rheinland und Saxon 2, die Methode eingesetzt wird. Beide tangieren den Kreis Heinsberg, insbesondere aber das Feld Saxon 2 betrifft die Orte Wassenberg, Erkelenz, Hückelhoven und Wegberg. Der Bergschadenverein sieht diese Entwicklung sehr kritisch.

„Zwar muss Fracking nicht unter allen Voraussetzungen abgelehnt werden, doch dürfen von der Methode keine Gefahren für die Umwelt ausgehen“, sagt Wolfgang Meurer, Vorsitzender Bürger gegen Bergschäden.

Solange dies nicht zweifelsfrei garantiert werden könne, sei ein Gesetzesentwurf aus Sicht des Vereins problematisch. „Die Gefahren müssen überschaubar bleiben“, sagt Meurer. Doch bei einem Untergrund, der stets in Bewegung ist, seien die Gefahren nicht überschaubar.

Sorgen unbegründet?

„Der Boden ist durch das Fördern von Steinkohle und Braunkohle schon stark vorgeschädigt. Wenn dann noch ein dritter Eingriff in den Boden erfolgte, würde sich das Risiko von Bergschäden und Erdbeben vergrößern“, sagt Meurer. „Wir fordern, dass nicht gebohrt wird, bevor sämtliche Gefahren klar sind“, betont der Vorsitzende des Vereins.

Vielleicht sind alle Sorgen unbegründet und im Kreis Heinsberg wird auch künftig nicht gefrackt. „Wir haben vom zuständigen Landesoberbergamt in Arnsberg nach wie vor keinerlei Nachricht bekommen, dass sich hier irgendetwas in Sachen Fracking tut. Nichts.“ Dr. Achim Ortmann, Technischer Beigeordneter der Stadt Hückelhoven, ist ohnehin skeptisch, ob Fracking bei den geologischen Formationen im Kreis Heinsberg überhaupt rentabel sein kann.

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