Feuertod in der Diskothek: Bei uns kaum möglich

Von: Rainer Herwartz
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Wenn die „Masse Mensch“ feiert, kann das riesigen Spaß bringen. Es birgt aber auch Gefahren. Wie die Besucher einer Disco im Falle einer Panik reagieren, vermag wohl niemand vorherzusagen. Doch in der Heinsberger Region sind offenbar die notwendigen räumlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Foto: imago
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Ralf Wählen, Leiter der Heinsberger Feuerwehr, glaubt an die Sicherheit der heimischen Discos. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Die Bilder haben sich in die Köpfe eingebrannt. Mit Stangen, Hacken und Hämmern versuchen verzweifelte Menschen, in die Außenwand einer Diskothek ein Loch zu schlagen, damit der beißende Rauch abziehen und vielleicht noch der eine oder andere gerettet werden kann. Für über 230 Menschen kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Die meisten jungen Discobesucher in der brasilianischen Stadt Santa Maria sterben nach einer verunglückten pyrotechnischen Einlage einer Band nicht einmal in den Flammen, sondern an einer Rauchvergiftung. Der einzige Fluchtweg reicht nicht aus, um rechtzeitig ins Freie zu gelangen. Könnte ein solches Horrorszenario auch die Besucher einer Diskothek in unserer Region treffen?

„Bei uns in Deutschland sind die Bestimmungen für den Brandschutz relativ hart“, beruhigt der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Heinsberg, Ralf Wählen. Bei einem Neubau sei stets die beim Kreis angesiedelte Brandschutzdienststelle involviert.

Grundlage der baulichen Bewertung sei die Versammlungsstättenverordnung , die später in die Sonderbauver-ordnung I übergegangen sei, erläutert Dieter Beckmann von der Dienststelle, die ihren Sitz in Erkelenz hat. Eine bundesweit allgemeinverbindliche Regelung gebe es allerdings überraschender Weise nicht, sagt er. „In der Bauordnung gibt es da schon gravierende Unterschiede.“ Ein paar Beispiele hat er auch gleich parat. „Bei dem Fenster, das für die Rettung von Personen vorgesehen ist, reicht in Bayern eine Größe von 90 mal 60 Zentimetern, also quasi die Größe eines Toilettenfensters.

In Nordrhein-Westfalen sind hingegen 120 mal 90 Zentimeter vorgeschrieben.“ Im Vergleich zu den Hessen wiederum sei das Land NRW in Sachen Fluchtwegbreite etwas großzügiger. „In Hessen darf der Fluchtweg nicht schmaler werden, das heißt, wenn der Flur 120 Zentimeter breit ist, darf die zum Fluchtweg gehörende Tür nicht 90 Zentimeter breit sein.“ In Nordrhein-Westfalen sei grundsätzlich eine Verengung des Fluchtweges auf einen Meter zulässig.

„Alle fünf Jahre wird eine Brandschau vorgenommen“, erklärt Wählen. „Wenn dann Mängel auftreten, gibt es eine bestimmte Frist, in der Regel sechs Wochen, um diese Mängel zu beseitigen. Es gibt aber auch solch gravierende Mängel wie zum Beispiel zugestellte oder zugebaute Rettungswege, die umgehend beseitigt werden müssen.“ Die Fluchtwege, und das unterstreicht der Feuerwehrchef ausdrücklich, müssten stets „komplett“ freigehalten werden. „Das gilt übrigens auch für Treppenhäuser in Mehrfamilienhäusern.“

Die Anzahl der Fluchtwege richte sich nach der Größe der Disco, mindestens jedoch müssten zwei vorhanden sein. „Die vorgeschriebenen Fluchtwegslängen dürfen ebenfalls nicht überschritten werden.“ Hier seien die baulichen Gegebenheiten insgesamt mit ausschlaggebend.

Und was ist mit den dramatisch missglückten Feuerspielen der brasilianischen Band, die zur Katas-trophe führten? „Pyrotechnik auf der Bühne wäre hier immer anmeldepflichtig beim Ordnungsamt“, sagt Wählen. „Dann müsste auch eine Brandsicherheitswache gestellt werden, gegebenenfalls durch einen Feuerwehrmann.“ Im Theater in Mönchengladbach gebe es hierfür in der Nähe der Bühne eigens einen fest zugewiesenen Platz für die Wache. Andererseits berichtet Wählen aber auch von so manchem Zirkus, der in der Stadt seine Zelte aufschlage und selbst über entsprechend ausgebildete Leute verfüge, so dass die Feuerwehr nicht zum Einsatz komme.

Für die Diskotheken gelte außerdem die Regelung, dass bei der Ausstattung, egal ob Möbel, Wandverkleidungen oder Teppiche, nur schwer entflammbare Produkte verwendet werden dürfen.

Vielleicht ist dies alles ja der Grund dafür, dass der Heinsberger Feuerwehrchef in den 36 Jahren, in denen er nun schon in Diensten der Wehr steht, noch nie einen erwähnenswerten Brand in einer Diskothek der Region erlebt hat. Vielleicht spielt da aber auch die Einstellung der Diskothekenbetreiber eine entscheidende Rolle: „Ich habe den Eindruck, dass viele von ihnen sogar möchten, dass regelmäßig kontrolliert wird“, glaubt Wählen.

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