Familienbetrieb vor, auf und hinter der Bühne

Von: Monika Baltes
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Beim „Stress im Champus-Express“, dem neuen Stück des Theatervereins Schwalmbühne Harbeck, gibt es durchaus auch etwas zu Lachen. Selbst beim Kauf von Fahrkarten für den Express... Foto: M. Baltes

Wegberg. Manchmal befällt die Liebe zum Theaterspiel wie ein Virus gleich ganze Familien. Das ist auch beim Theaterverein Schwalmbühne Harbeck so. Jil Röttinger, mit 19 Jahren das jüngste Ensemble-Mitglied für die diesjährige Aufführung „Stress im Champus-Express“ ist spontan eingesprungen, als eine der beiden Souffleusen erkrankte. Ihr Vater Antonius begeistert als wandelbarer Komödiant seit zwölf Jahren das Publikum, ihre Mutter Birgit ist seit zehn Jahren dabei.

In diesem Jahr spielen die Eheleute Röttinger das Gaunerpärchen. Jil kann sich durchaus „vorstellen, im nächsten Jahr auf der Bühne zu stehen.“ Auch Nadine Kozak, im Stück die schnoddrige Bistro-Kellnerin Gertrud, ist umringt von Familie. Ihr Vater Matthias verwandelt sich in einen hinreißend komischen Zugschaffner mit kleinen Lastern und ihre Mutter Ingrid wacht als Souffleuse über den richtigen Text und den Einsatz zu rechten Zeit.

„Theaterfamilie“ ist ohnehin das richtige Wort für die Schwalmbühne. Vieles erinnert an einen Familienbetrieb. Hier packt jeder mit an, wo es nötig ist, stellt seine Kontakte zur Verfügung, um Requisiten zu beschaffen und rührt die Werbetrommel für den Kartenverkauf. „Die Crew stimmt“, freut sich Matthias Kozak, Vorsitzender des Vereins.

Seit dem Ende der Sommerferien probt die Theaterfamilie „zweimal wöchentlich mit wachsender Begeisterung“. Die Premiere rückt näher und Regisseurin Gaby Braun feilt an den Feinheiten. Dialekt und Lokalkolorit sollen der Aufführung den richtigen Pfiff geben.

Die Schwalmbühne ist erfolgsverwöhnt, mühelos werden fünf Vorstellungen im Forum Wegberg ausverkauft. Vier Wochen vor der Premiere „gibt es nur noch ein paar Restkarten für die Vorstellung am 6. Dezember“, berichtet Kozak stolz. Von alleine kommt der Erfolg nicht.

Viel Wert legt die Theaterfamilie aufs Detail: So wartet das Bühnenbild etwa mit originalen Zug-Abteil-Sitzen auf, die aus einem schrottreifen Zug ausgebaut wurden. „Wir nutzen auch nicht den gesamten Bühnenraum, sondern beschränken uns auf die Maße eines normalen Zugabteils“, erklärt Kozak.

Das wird ganz schön eng, vor allem, wenn der Radsportler (Roger Honisch) mitsamt Fahrrad auftaucht. „Der Bühnenbau (Harry Rögels) hat großartige Arbeit geleistet“, lobt Kozak und „auf die Technik (Christoph Mistler, Dirk Decken) ist immer Verlass.“

So können sich die Akteure auf der Bühne ganz auf den Auftritt konzentrieren. Sie wollen ihr Publikum in den Bann ziehen: die übereifrige Zugchefin Grube-Steckel (Ulrike Kotlowski) , die Dame Lieselotte (Karin Bonitz), die ihren Enkel, den kleinen Harvey (Thomas Mössner) sucht, der Versicherungsmakler Fettenläufer (Alfred Uschmann-Kamps), der mit einem „Midlife-Easy-Ticket“ preiswerter reisen könnte und die Pathologin Prof. Dr. Piepenbrink (Alexandra Decken), deren Analyse von Zitronensorbet wenig appetitanregend ist.

Für Recht und Ordnung ist gesorgt: Zwei Polizisten vertreten die Abteilung Recht (Walter Kotlowski, Annelie Daners), um Ordnung bemüht sich Reinigungskraft Ilse (Nadine Hörter).

Wenn sie sich etwas wünschen könnte, die Theaterfamilie, würde sie sich – wie naheliegend – zuerst einmal erfolgreiche Aufführungen wünschen, in denen das Publikum bestens unterhalten wird. „Und vielleicht noch ein paar junge Leute im Verein. Jeder ab 16 Jahren ist herzlich willkommen“, betont Kozak. Denn er weiß, wie schön es sein kann, dazuzugehören.

Er kennt die Nervosität vor dem Auftritt aber auch den Moment, wenn die Hemmungen fallen und die Figur zu leben beginnt. Er genießt das Lachen, das über Publikumsreihen huscht und den aufbrandenden Applaus, der alle Mühen vergessen lässt.

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