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„Familie-Harf-Haus“: Ein Name als Willkommenszeichen

Von: hewi
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Künftig neues Zuhause für Flüchtlinge: das Haus, in dem bis Mitte November das Jobcenter untergebracht war, soll den Namen „Familie-Harf-Haus“ bekommen. Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz. Das ehemalige Jobcenter an der Südpromenade beschäftigt derzeit Rat und Verwaltung. Mit dem Auszug des Jobcenters Mitte November begannen die Umbauarbeiten, die aus dem 1908 erbauten Gebäude eine Flüchtlingsunterkunft machen sollen.

Im Stadtentwicklungsausschuss hatte Hochbauamtsleiterin Ruth Ciré über den Stand der Umbauarbeiten berichtet. Demnach könne der hintere Gebäudeteil bei Bedarf bis Ende des Jahres bezugsfertig hergerichtet werden. Beim vorderen Gebäudeteil werde dies voraussichtlich bis Februar dauern. Zwei Wasch- und Dusch-Container werden im Innenhof aufgestellt und sind von beiden Gebäudeteilen aus schnell zu erreichen. In den Unterkünften wird es Küchen und Toiletten geben.

Einen Tag später stand die Südpromenade 31 wieder auf der Tagesordnung, und zwar beim Ausschuss für Demographieangelegenheiten, Umwelt und Soziales, wo über den zukünftigen Namen des Gebäudes beraten wurde. Die Verwaltung schlug den Namen „Siegmund-Harf-Haus“ vor, der an den Erbauer des Hauses erinnern soll.

Damit nahm sie den Vorschlag auf, den der Grüne Hans Josef Dederichs in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses gemacht hatte. Der Viehhändler Siegmund Harf war von 1919 bis 1924 der erste jüdische Ratsherr in Erkelenz und galt als sehr engagiert für seine Heimatstadt. Harf selbst starb 1928, seine Frau Emma konnte anscheinend beim Beginn der Deportationen in die USA fliehen, wo sie noch vor Kriegsende starb.

Die beiden Söhne Alfred und Heinrich wurden von den Nazis verschleppt und starben in den Vernichtungslagern. In Erinnerung an die beiden Söhne wurden im vergangenen Monat auf Betreiben der Gemeinschaftshauptschule vom Kölner Künstler Gunter Demnig zwei Stolpersteine vor dem Haus verlegt. Dem dritten Bruder Ernst gelang die Flucht nach Argentinien.

Hubert Rütten, der den Arbeitskreis der Schüler beraten hatte, verwies in einer Eingabe an den Rat auf die Geschichte der Familie, die er in Stichworten seiner Eingabe angehängt hatte. Auch Franz Thiel sprach sich in einer Eingabe für eine entsprechende Namensgebung aus, wobei er jedoch „Gebrüder-Harf-Haus“ ins Spiel brachte. Karl-Heinz Frings stellte sowohl den Standort als auch einen Namen an sich in Frage.

Die Ausschussvorsitzende Astrid Wolters betonte, dass ein Name für das Haus auch ein Zeichen des Willkommens für die Flüchtlinge sei. Die Familie Harf sei ein Synonym für Verfolgung in Erkelenz. Daher sei ihre Ehrung durch den Namen nur folgerichtig.

Der Ausschuss sprach sich bei einer Gegenstimme für eine Namensgebung in Erinnerung an Familie Harf für den Namen „Familie-Harf-Haus“ aus. Auch im Hauptausschuss und im Rat wird die Südpromenade 31 noch auf der Tagesordnung stehen.

Der Name soll auf einem Schild am Eingang des Gebäudes angebracht werden.

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