Fahrplanwechsel: „Erstmals mehr Licht als Schatten“

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Eine sogenannte DFI-Anzeige am Baaler Bahnhof: Diese digitalen Anzeigentafeln sollen eigentlich aktuelle Busabfahrtszeiten in „Echtzeit“ (also mit eventueller Verspätung) anzeigen, funktionieren jedoch laut Pro Bahn noch nicht. Foto: Michael Bienick

Kreis Heinsberg. Seit 9. Dezember gilt im Kreis Heinsberg für den Busverkehr wieder ein neuer Fahrplan. Der gemeinnützige Fahrgastverband Pro Bahn Euregio Aachen verwies jetzt darauf, dass er beim Busverkehr einige positive Veränderungen erreicht habe. Beispielsweise fahre die Linie 405 jetzt immer über Grambusch und Schwanenberg, was einer Angebotsverbesserung von über 100 Prozent für diese Orte entspreche – „und das ohne nennenswerte Mehr­kosten“.

Auch die neue Führung der Linie 406 über die Aachener Straße und die Pestalozzischule in Erkelenz wurde von Pro Bahn ausdrücklich begrüßt. „Hätte die West das im jetzigen Fahrplan nicht schon selbst umgesetzt, wäre das eine unserer nächsten Forderungen gewesen“, erklärte Stefan Houbertz, Vorsitzender von Pro Bahn in der Euregio. „Durch diese sinnvolle Maßnahme wird die gefährliche Situation am ZOB in Erkelenz deutlich entschärft. Zudem müssen die Schüler bei Benutzung der Haltestelle an der Pestalozzischule künftig nicht mehr die Straße überqueren, weil die Linie 406 in beiden Richtungen auf der Schulseite hält“, so Houbertz weiter.

Auch der Anschluss in Heinsberg von der Linie SB 1 auf die Linie 401 sei an den Wochenenden nun verbessert worden, allerdings betrage die Umsteigezeit da immer noch null Minuten. „Das ist für einen gesicherten Übergang eigentlich zu wenig“, erläuterte Michael Bienick, der Pressesprecher des Verbandes. Es bleibe zu hoffen, dass die Busfahrer auch entsprechend über den neuen Anschluss informiert seien.

Gerade das ist laut Pro Bahn noch ein „wunder Punkt“. Immer wieder würden fahrplanmäßig ausgewiesene Anschlüsse ohne zwingende betriebliche Gründe verpasst oder nicht abgewartet. Da sieht der Fahrgastverband nach wie vor großen Handlungsbedarf bei den Verkehrsunternehmen. „Eine charmante Idee könnte es sein, die derzeit noch nicht funktionierenden dynamischen Fahrgastinformationsanzeigen (DFI) der West dazu zu nutzen, verspätete Züge in Echtzeit anzeigen zu lassen. So hätten beispielsweise Busfahrer am Baaler und Geilenkirchener Bahnhof die Möglichkeit, verspätete Züge abzuwarten und gleichzeitig würden die DFI ­einen sinnvollen Zweck erfüllen“, regt Bienick an.

Baaler Bahnhof im Blickpunkt

Ein weiterer Wermutstropfen ist wie in jedem Jahr die Anbindung des Baaler Bahnhofs durch die Linie 495. Da habe DB Bahn Rheinlandbus zwar in den Nachmittagsstunden einige Fahrplananpassungen und somit punktuelle Verbesserungen vorgenommen, diese würden jedoch noch nicht das eigentliche Problem lösen. Immer noch würden die Busse der Linie 495 ohne Not in einem Fahrplangerüst fahren, in dem entweder von Baal nach Hückelhoven oder umgekehrt wichtige Anschlusszüge in Baal nur um wenige Minuten verpasst würden.

„Vor diesem Hintergrund ist die Verlängerung der Linie 495 in Wassenberg bis zur Haltestelle Am Stern mehr als kontraproduktiv. Hierdurch wird unnötige Fahrzeit verschenkt, die am anderen Ende der Linie dringend gebraucht würde“, führte Houbertz aus.

In Bezug auf die Anbindung des Baaler Bahnhofs hob der Fahrgastverband aber die Fahrplanausweitungen der West bei der Linie SB 4 lobend hervor. So erhalte diese Linie eine zusätzliche Spätfahrt, die es Fahrgästen ermögliche, montags bis freitags sowohl um 21.40 Uhr von Erkelenz als auch um 21.55 Uhr von Baal aus noch die Orte Doveren, Hückelhoven, Millich, Ratheim, Oberbruch und Heinsberg zu erreichen.

Der Wochenendverkehr jedoch wird von Pro Bahn zunehmend kritisch beobachtet. „Die Abschaffung eines Großteils des Busverkehrs samstags vormittags vor drei Jahren war einer der größten Fehler“, stellte Houbertz fest. „Gerade samstags vormittags wollen die Leute in den Innenstädten einkaufen. Hier muss dringend wieder ein attraktives ÖPNV-Angebot geschaffen werden.“

Der Multi-Bus stelle aufgrund seiner systemimmanenten Schwächen kein zuverlässiges Verkehrsangebot dar. Darüber hinaus sei der MultiBus zumindest überall dort, wo er durch Subunternehmer gefahren werde, gerade für mobilitätseingeschränkte Personen quasi nicht nutzbar, da als Fahrzeuge gewöhnliche Großraumtaxen oder Kleinbusse eingesetzt würden. Das Gleiche gelte auch für die wenigen am Wochenende noch verkehrenden Buslinien, seitdem diese in zunehmendem Maße nicht mehr nur von der West selbst, sondern auch verstärkt durch Subunternehmen mit überwiegend hochflurigen Bussen bedient würden.

Insgesamt begrüßte Pro Bahn jedoch die positiven Veränderungen zum jetzigen Fahrplanwechsel: Es gebe erstmals mehr Licht als Schatten.

Gerade West Energie und Verkehr habe bewiesen, dass sie für konstruktive Kritik durchaus empfänglich sei. „Hier sehen wir auch weiterhin einer guten Zusammenarbeit entgegen. Gerade mit Blick auf die anstehende Wiedereinführung des Personenverkehrs auf der Heinsberger Bahn wird es gerade im nächsten Jahr noch viel zu tun geben“, so Bienick.

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