Erkelenz - Europaschule: Die Hausaufgaben sind so gut wie abgeschafft

Europaschule: Die Hausaufgaben sind so gut wie abgeschafft

Von: Norbert F. Schuldei
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„Das ist ein bunter Haufen, der da auf uns zukommt“: Nicht nur in Erkelenz müssen sich Schüler ab kommender Woche in neuer Umgebung zurecht finden. Foto: stock/Rust
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Willi Schmitz, Markus Monjeanib und Annette Peiffer (v.l.) haben schon jetzt viel Arbeit.

Erkelenz. Jeder kennt das: Wenn Zuhause Besuch erwartet wird, muss allerhand vorbereitet werden: Vom Herrichten des Gästezimmers bis zum Einkauf für das gemeinsame Essen. Viel Arbeit. Wie viel mehr Aufwand es ist, wenn man jemanden für längere Zeit in sein Zuhause aufnimmt, kann man sich an allen zehn Fingern abrechnen. Die neuen Mitbewohner sollen sich einerseits wohlfühlen, andererseits müssen sie sich aber auch in den gewohnten Tagesablauf einfügen. Ganz viel Arbeit.

Wie viel Vorbereitung es braucht, von heute auf morgen 150 neue Kinder in eine funktionierende Schule aufzunehmen, lässt sich nur erahnen. „Ich kann Ihnen sagen: Das ist ein bunter Haufen, der da auf uns zukommt“, sagt Willi Schmitz. Er ist Rektor der Europaschule in Erkelenz und zusammen mit seinen beiden Co-Rektoren Bettina Peiffer und Markus Monjeanib seit Wochen schon mit dem Ansturm der Neuen an ihre Schule beschäftigt.

„Die Eltern waren ja schon zu Jahresbeginn nervös“, weiß Bettina Peiffer. Mein Kind hat eine Nahrungsmittelunverträglichkeit – gibt‘s da Probleme? Mein Kind muss zum ersten Mal allein mit dem Bus fahren – geht das gut? Das sind so Fragen, die immer wieder auftauchen. „Wir nehmen die Sorgen und Nöte der Eltern sehr ernst“, sagt Markus Monjeanib. „Anders können sie kein Vertrauen zu uns fassen und damit zu der neuen Schule, in die sie ihr Kind schicken“.

Ohne Vertrauen läuft aber in der Pädagogik nichts, Vertrauen ist die Grundlage des oft nicht ganz einfachen Dreiecks-Verhältnisses Kind-Lehrer-Eltern. „Wir versuchen, die Kinder der einzelnen Grundschulen auch bei uns in der Realschule in einer Klasse zusammenzubringen“, sagt Rektor Schmitz. „Es sei denn“, ergänzt Annette Peiffer, „Eltern sagen uns: Ich möchte nicht, dass mein Kind mit dem in eine Klasse kommt, sondern lieber mit dem. Das versuchen wir dann natürlich auch zu berücksichtigen.“ Bei der Zusammenstellung der neuen fünften Klassen wird selbstredend auch auf ein ausgewogenes Verhältnis von Jungen und Mädchen geachtet.

Grundlage aller Planungen für die Fünftklässler, also für die „Neuen“ an der Realschule, der Europaschule in Erkelenz, sind die so genannten Personalblätter. „Unser Leitmotiv ist es, eine faire Schule zu machen“, sagt Willi Schmitz. Diesem Grundgedanken folgend wird es mit diesem neuen Schuljahr für die fünften Klassen neben dem Klassenlehrer auch einen Co-Klassenlehrer geben. „Die Kinder sollen immer einen direkten Ansprechpartner haben. Auch wenn der Klassenlehrer mal krank ist oder sonst wie fehlt“, sagt Markus Monjeanib. Kollege Will Schmitz sieht das grundsätzlicher: „Der Lehrer als Einzelkämpfer hat ausgedient.“ Das Einbringen in ein Team hat sich also auch im Schulkollegium als effiziente Arbeitsweise erwiesen.

Für die Neuen an der Realschule in Erkelenz steht ziemlich zu Beginn ein Kennenlerntag mit Übernachtung auf dem Stundenplan. Dabei werden sie quasi nebenbei mit den neuen Strukturen der Schule vertraut gemacht: In der Grundschule galt das Klassenlehrerprinzip, fortan gibt es für jedes Fach einen anderen Lehrer.

Die Zehnjährigen müssen sich also auch eine ganze Latte von neuen Namen einprägen - auch den des Hausmeisters oder die der Sekretärinnen. „Frau Rütten und Frau Kloeters sind die Sekretärinnen der Schule. Ihr Büro ist das Sekretariat. Die Öffnungszeiten für Schüler ist während der großen Pause. Frau Rütten und Frau Kloeters benachrichtigen deine Eltern, falls es dir einmal nicht gut gehen sollte“. Das steht in dem „Handbuch“, das den Kleinen zugesteckt wird.

Und sie müssen in dem großen Gebäude auch erst einmal das Zurechtfinden lernen. Kinder können sich Dinge leichter einprägen, wenn sie mit Symbolen behaftet sind – besser noch: Mit Menschen verbunden werden können (Wenn wir ehrlich sind: Erwachsenen geht‘s genauso.) „Wir haben den Klassen Städtenamen gegeben, zum Beispiel Rom. Deren Schüler sind dann die Römer. Schließlich“, sagt Bettina Peiffer. „sind wir zertifizierte Europaschule“.

Aber auch die Eltern der Neuen müssen einiges lernen: „Wir haben bei uns den gebundenen Ganztag. Das heißt auch, dass die Hausaufgaben weitgehend abgeschafft sind“, sagt Willi Schmitz. Und er begründet das auch sofort: „Damit der Schulerfolg nicht vom Elternhaus abhängt.“ Die Eltern mache das anfangs nicht selten nervös. „Aber das legt sich“, sagt Schmitz. Die Eltern, sagt er, würden sich an neue Methoden gewöhnen wie die Lehrer auch. Die Lehrer auch? „Ja“, sagt er, „wir dürfen nicht immer mit dem erhobenen pädagogischen Zeigefinger rumlaufen. Besonders nicht bei den Kleinen“.

Jüngere lernen von den älteren

Ganz am Anfang der, wie man das heute so sagt, „Agenda“ steht bei denen am ersten Schultag die Einschulungsfeier in der Stadthalle und anschließend der Einschulungsgottesdienst in St. Lambertus. Ökumenisch, versteht sich. Dabei übernimmt jeweils ein älterer Schüler die Patenschaft für einen Neuling, die alten Hasen führen die „Frischlinge“ praktisch in die Schule ein. „Das ist wie Zuhause“, sagt Bettina Peiffer, „die jüngeren lernen von den älteren“. Und Kollege Markus Monjeanib schiebt hinterher: „Neben dem Pädagogen ist doch der Mitschüler der wichtigste Lehrer“.

Auf der letzten Seite des „Handbuches“, das die Neuen an der Eurpoaschule Erkelenz am ersten Tag in den Toni gesteckt bekommen, machen die Lehrer den Kleinen Mut: „Du hast ein Ziel – deinen erfolgreichen Abschluss in unserer Schule. Das ist ein langer und interessanter Weg: Sechs Jahre! Nur Mut, mit Freude und Fleiß schaffst du ihn! Deine Eltern und wir werden dich bei deinen Anstrengungen unterstützen. Gemeinsam erreichen wir das Ziel.“

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