Waldfeucht/Echt - Einzigartiger Goldschatz an der Grenze

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Einzigartiger Goldschatz an der Grenze

Von: Anna Petra Thomas
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Alle Fundstellen wurden genau markiert und registriert: Die Archäologen bei ihren Ausgrabungsarbeiten in Pey bei Echt. Repros: anna
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Das größte gefundene Silberteil, das ein aufsteigendes Pferd zeigt, gehört vermutlich zu einer größeren Jagdszene Foto: anna
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Einen Einblick in die Geschichte der Römer in Limburg gibt das Limburgs Museum in Venlo. Foto: anna

Waldfeucht/Echt. Wer in Waldfeucht die deutsch-niederländische Grenze überquert und über die Waldfeuchterbaan Richtung Echt fährt, kommt zunächst in den kleinen, beschaulichen Ort Pey. Archäologen der Universität Amsterdam haben hier unlängst auf einem Acker einen für die Niederlande bisher einzigartigen Gold- und Silberschatz aus dem Beginn des fünften Jahrhunderts geborgen.

Dieser wurde jetzt im Limburgs Museum in Venlo erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Der Schatz besteht zum größten Teil aus goldenen Münzen und Teilen von Silbergeschirr.

Bereits 1990 hatte ein Landwirt aus Echt bei der Arbeit auf dem Acker mit bloßem Auge zwei goldene Münzen gefunden. Eine fiel ihm wieder aus der Hand und konnte trotz großer Suche nicht wiedergefunden werden. Erst Anfang dieses Jahres ging dann der Grundbesitzer mit seinem Neffen zu der Fundstelle zurück und fand mit Hilfe eines Metalldetektors fünf weitere goldene Münzen.

Er meldete seinen Fund, und Archäologen aus Maastricht machten sich gemeinsam mit einem auf archäologische Arbeiten spezialisierten Unternehmen und Mitarbeitern der staatlichen Behörde für den Denkmalschutz an die Arbeit. Dabei stießen sie auf die kleine Grube, in der sich der Schatz ursprünglich befunden hatte, und fanden weitere Münzen und Geschirrteile.

Zwölf Goldmünzen

Insgesamt gehören zu dem komplett geborgenen Schatz zwölf Goldmünzen, sogenannte Solidi. Die jüngsten Münzen seien von Kaiser Konstantin III. (407-411) geprägt worden, erklärt der Archäologe Dr. Stijn Heeren, der die Ausgrabung zusammen mit Prof. Dr. Nico Roymans durchgeführt hat. „Sie sind nahezu stempelfrisch, was bedeutet, dass der Schatz schon kurz nach 411 vergraben wurde.“ Neben einem goldenen Ring und einem Silberbarren fanden die Archäologen neun zerschnittene und verbogene Silberstücke, die zu unterschiedlichen Geschirrteilen gehörten. Drei davon hätten einmal zu großen Schalen gehört, sagt Heeren. Eine davon sei „von außergewöhnlicher Qualität und gehört zum Besten, was in der spätrömischen Zeit gewürdigt wird“, so Heeren.

Bei ihren Untersuchungen in Pey arbeiteten die Archäologen auf einem 60 mal 15 Meter großen Ausgrabungsfeld. Dabei fanden sie die kleine Grube mit dem Schatz, allerdings keine Spur menschlicher Besiedlung. Daher sei der Schatz ganz bewusst an dieser unbewohnten Stelle vergraben worden, so die Archäologen, vermutlich von einem germanischen Offizier in römischen Diensten.

Der Goldschatz von Echt ist der erste in den Niederlanden, der sowohl Münzen als auch zerschnittene Geschirrteile enthält. Dass er nur Geschirrteile enthält, erklären die Archäologen mit der wirtschaftlichen und militärischen Krise des spätrömischen Reiches. In dieser Zeit sei ein Mangel an Edelmetall entstanden, mit dem Kriegsherren und ihr Gefolge entlohnt wurden. So seien zum Beispiel kostbare Schalen einfach zerschnitten worden, da letztendlich ja nur der reine Wert des Silbers gezählt habe.

Das größte gefundene Silberteil, das ein aufsteigendes Pferd zeigt, gehöre vermutlich zu einer größeren Jagdszene, vermuten die Archäologen. „Die komplette Schale muss einen eindrucksvollen Umfang gehabt haben“, sagt Heeren. „Auf Basis des Randfragments ergibt sich für uns ein Durchmesser von 70 Zentimeter und ein Gewicht von rund fünf Kilo.“ Durch das Zerteilen der Schale von Echt hätten allein 125 Soldaten entlohnt werden können, hat er errechnet.

Nach seiner Restaurierung, die das Limburgs Museum in Venlo übernommen hat, ist der Schatz von Echt hier ab dem heutigen Samstag in einer Sonderausstellung zu sehen. „Vom Neandertaler bis zum Städter“ lautet ihr Titel. Besondere Elemente der Ausstellung sind eine rund 80 Meter lange „Landschaftswand“, die multimedial den Wandel von der Urlandschaft in die heutige Kulturlandschaft erläutert. Zu den vier interaktiven Modellen gehört dann auch eines mit römischen Siedlern an der Maas. Zu sehen ist auch, wie die Römer eine Brücke gebaut haben. Die Ausstellung sei eine wahre Schatzkammer mit Funden aus 250.000 Jahren, so die Museumsleitung. Alles in allem sei diese Präsentation „die museale DNA von Limburg“. Archäologisch gesehen sei Limburg die reichste Provinz der Niederlande.

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