Einsatz in Peru: Im Jahresurlaub als „Missionsärztin“ tätig

Von: mb
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Glücklich nach den Erfahrungen in Peru: Dr. Sabine Doll. Foto: mb

Erkelenz. „Das Wort ‚Missionsärztin‘ schreckt mich nicht“, erklärt Dr. Sabine Doll ihren sechswöchigen Arbeitseinsatz in Peru. Die Gynäkologin ist vor wenigen Tagen an das Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz zurückgekehrt und hat bereits einen Nachtdienst hinter sich. Von Müdigkeit keine Spur, sie hat schon größere Herausforderungen bewältigt.

Als sie der Hilferuf ihrer Freundin, die im Hospital Diospi Suyana in Curahuasi als Augenärztin arbeitet, ereilte, nahm sie kurzerhand ihren Jahresurlaub und reiste ins ferne Peru. Die Amtssprache Spanisch beherrscht sie. „Für die Sprache der Einheimischen (Quechua) hatte ich eine Krankenschwester zur Seite, die übersetzte.“

Die Quechuas (Nachfahren der Inkas) leben in bitterer Armut. Ihre soziale Not zeigt sich in medizinischer Hinsicht an einer hohen Kindersterblichkeit, Unterernährung und einer verminderten Lebenserwartung. Bis zu 100000 Patienten können in der Klinik im Jahr eine gute medizinische Behandlung erhalten, die sie sich sonst nicht leisten könnten.

Kein Arzt erhält einen Lohn, Freundes- und Förderkreise in der Heimat sichern ihr Überleben. Fachärzte werden daher ständig händeringend gesucht. Von der Klinik bezahlt werden lediglich die einheimischen Pflegekräfte, das Reinigungspersonal und die Wächter. „Das Krankenhaus hat einen hervorragenden Ruf“, erläutert Doll, und die Ärmsten der Armen nehmen das Angebot „mit ehrlicher Dankbarkeit und großer Geduld“ an.

Eine Patientin habe eine Anreise von 15 Stunden in Kauf genommen. „Die Arbeit ist klinisch orientiert, aber Basismedizin“ führt die Gynäkologin aus und lacht: „Immer ist ein Rezept vonnöten, eine richtige Untersuchung muss pieksen und eine Blutuntersuchung beinhalten, und es gab Patienten, die sich nach dem Röntgen schon viel besser fühlten.“

Alle 55 Betten des Hospitals, dem eine Zahn- und Augenklinik angegliedert sind, seien immer voll belegt gewesen. Auch an dieser Klinik sei die Arbeit manchmal stressig und anstrengend gewesen, aber – sie sucht nach dem richtigen Begriff - „irgendwie gelassener“. Gerne erinnert sie sich an die täglichen Frühbesprechungen der Ärzte „mit einem gewissen Humor, einer besonderen Freundlichkeit und immer auch mit einem herzhaften Lachen“. Verantwortung und Eigenständigkeit seien unabdingbar. „Es gibt keinen Oberarzt, der seine Meinung hätte beisteuern können. Ich traf die Entscheidung über einen operativen Eingriff alleine und musste dann auch operieren.“

Für europäische Verhältnisse habe sie sehr einfach gelebt, aber immerhin mit fließendem Wasser und Strom, „auch wenn es nicht immer Strom oder Wasser gab. Da musste eine morgendliche Dusche auch schon mal an der Regentonne beendet werden.“ Für peruanische Verhältnisse sei das aber luxuriös, hier leben die Bewohner meist in Lehmhäusern ohne sanitäre Anlagen.

Ohne Zögern würde sie ihren Einsatz wiederholen. „Die gute Zeit, die herzliche Atmosphäre, die freundliche Bewirtung bei meiner Gastfamilie, die gute Luft, Berge und Sonne haben mich beschenkt, für Entbehrungen entschädigt und gesegnet.“

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