Heinsberg - Eine Krippe als Ausdruck der Toleranz

Eine Krippe als Ausdruck der Toleranz

Von: Anna Petra Thomas
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Werner Kögel baut seine sechs Quadratmeter große Krippe mit zahlreichen symbolträchtigen Kleinigkeiten. So weist er mit dem Christusdorn hinter dem Krippenstall darauf hin, dass diese Geburtsgeschichte ganz stachelig weitergeht und einmal ganz übel enden wird. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Durch einen dichten Eibenwald führt der Weg bis zu einem Fluss, über eine Brücke weiter nach rechts durchs Moorbruch in das kleine Dorf mit seinen Fachwerkhäusern. Hier, in einem Stall gleich neben dem Backhaus, finden die Hirten das Christkind.

Gute sechs Quadratmeter misst die Krippe, die eher ins Frankenland denn ins Heinsberger Land passt. „Ich passe ja auch nicht hierher“, lacht der Schwabe Werner Kögel, der die Krippe in seiner Bibliothek mitten in Heinsberg aufgebaut hat. Seinem Sohn Tilman sei er gefolgt, der durch sein Studium hier „hängengeblieben“ sei, erzählt er. So wohnt der 84-Jährige in seinem Ruhestand mit seiner Frau Brigitte seit nunmehr zehn Jahren in Heinsberg, um sich um die Kinder von Sohn und Schwiegertochter zu kümmern, die beruflich beide sehr viel unterwegs sind. Mittlerweile seien aber auch die Enkelkinder „längst flügge“, so Kögel.

Franken mitten in Heinsberg

Bemerkenswert an der Krippe ist nicht nur das kleine Frankenland mitten in Heinsberg, sondern auch die zusätzliche Information, dass Kögel Pfarrer ist, evangelischer Pfarrer sogar. Ist da ein solch großer Krippenbau nicht eher ungewöhnlich? „Da muss man unterscheiden“, erklärt Kögel. Nach der Reformation habe sich die evangelische Kirche aufgespalten in einen calvinistischen und einen lutherischen Zweig.

„Luther selbst war Mönch. Da gab es immer noch starke Impulse aufgrund seiner Herkunft.“ Während die Calvinisten den Standpunkt vertreten hätten, dass allein Gottes Wort genüge, seien die Lutheraner viel toleranter gewesen. Sicherlich sei viel „nicht mehr Taugliches“ abgeschafft worden, die Wallfahrten etwa. Aber Anderes sei auch geblieben. Die Krippe sei ein Beispiel dafür, und die habe er auch in allen Kirchen eingeführt, in denen er im Laufe seines Lebens im Frankenland tätig gewesen sei, erzählt der Pfarrer.

„Der Glaube hat doch auch etwas zu tun mit dem, was das Volk fühlt und denkt“, lautet seine Begründung dafür. „Und dieses Sinnenhafte stärkt den Glauben!“ So halte er selbst in einer evangelischen Kirche das Kreuzzeichen zu Beginn und am Ende eines Gottesdienstes für eine sinnvolle Gebärde, ergänzt er. Hier in Heinsberg jedoch sei die evangelische Kirche eher calvinistisch geprägt durch ihre Nähe zu den Niederlanden, wo der Calvinismus stark sei.

„Es macht mir natürlich auch Freude, die Krippe selbst zu bauen“, so Kögel weiter, „aber nur bis zu dem Punkt, wo es im Griechischen heißt ‚meden agan‘, nicht zu viel.“ Und eine Krippe alleine nur anzuschauen, genüge natürlich auch nicht. Es gelte, dies immer mit dem Wort Gottes zu verbinden. Vor „zu viel“ warnt dann auch der kleine Hahn auf dem Dach des Krippenbaus. „Wie es Petrus gemeint hat, nicht zu viel zu versprechen, was man nachher nicht halten kann.“ Und auf eine Pflanze, den Christusdorn hinter seinem Krippenstall, weist Kögel ausdrücklich hin. „Er ist das Zeichen dafür, dass diese Geburtsgeschichte ganz stachelig weitergeht und einmal ganz übel enden wird.“ Aber wie passt da Maria hinein? „Sie ist in unserer Kirche immer ein Brennpunkt der Diskussion“, sagt er. Zur „Himmelskönigin“ sei sie natürlich auch bei ihm nie avanciert. „Aber sie ist doch die Frau, die diesen Mann geboren hat, da ist sie doch des Ehrens wert.“ Auch er halte sich bedeckt, wenn es um das Thema „unbefleckte Empfängnis“ gehe. „Aber wenn man es so sieht wie wir, dann ist die doch auch gar nicht nötig. Was kann diese Frau denn mehr sein, als die Mutter von Jesus Christus!“

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