Heinsberg - Ein Stück Heimatgeschichte ersteigert

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Ein Stück Heimatgeschichte ersteigert

Von: defi
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Große Freude über das Schmuckstück: Helmut Coenen (r.), Vorsitzender des Heimatvereins der Heinsberger Lande, und René Jütten (l.) aus Selfkant-Wehr präsentierten die Fahne des Katholischen Arbeiter-Vereins Heinsberg, die nach langer Odyssee in die Heimat zurückgekehrt ist. Foto: defi

Heinsberg. Irgendwann in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, vermutlich nach dem 24. Januar 1945, als die britische Armee im Rahmen der Operation „Blackcock“ die schon in Trümmern liegende Stadt Heinsberg eroberte, verschwand die Fahne mit der Aufschrift „Katholischer Arbeiter-Verein 1921 – 1927 Heinsberg“ und dem Heinsberger Stadtwappen mit dem Löwen und den Burgzinnen auf der einen Seite sowie dem Spruch „Gott segne die christliche Arbeit“ und einem wunderbar in Seide gestickten Bild, das Josef als Zimmermann und Jesus Christus beim Zersägen eines Holzbalkens darstellt, aus der Stadt.

Nun kehrte diese Fahne zwei Tage vor der Jahreshauptversammlung des Heimatvereins der Heinsberger Lande – nach einer sechswöchigen Schiffsreise und einem kurzen Zwischenstopp beim Zoll – aus Amerika nach Heinsberg zurück. Sie ist jetzt im Besitz des Heinsberger Heimatvereins und wartet nach ihrer Odyssee auf einen „würdigen“ Platz in ihrer Heimatstadt.

René Jütten aus Selfkant-Wehr hatte diese Fahne auf der Suche nach alten Heimatkalendern bei dem international operierenden Internetauktionshaus Ebay entdeckt. „Mensch, da muss man doch was machen“, dies war sein erster Gedanke gewesen. Bei seinem Anliegen, die Fahne zurück in die Heimat zu holen, hatte er schließlich mit Helmut Coenen – Vorsitzender des Heimatvereins der Heinsberger Lande und gerade mit einem Ehrenteller für 20 Jahre ehrenamtlicher Vorstandstätigkeit ausgezeichnet – den richtigen Ansprechpartner an der Strippe. ­Coenen trommelte seinen Vorstand zusammen. Und der war begeistert von der Idee, dieses Stück Heinsberger Geschichte zurückzuholen. Die einhellige Meinung war: „Dat können wir uns nich ­dadurch gehen lassen!“ René Jütten wurde nun für seine Verdienste als erfolgreicher „Auktionsmanager“ mit einer Flasche „Alter Heinsberger“ belohnt. Jütten: „Der Anbieter kam aus Akron in Ohio. Er war im Vorfeld der Auktion wenig auskunftsfreudig. Erst nach der Auktion erklärte er, er habe die Fahne auf einer Militaria-Börse von der Familie des Soldat en gekauft, der die Fahne nach Amerika gebracht habe.“ Dieser amerikanische Soldat habe, wie der Verkäufer mitteilte, vor der Einschiffung von Europa nach Amerika mit einem alliierten Soldaten die Fahne gegen eigene „Kriegsbeute“ eingetauscht.

Die Präsentation des Schmuckstücks bei der Jahreshauptversammlung des Heimatvereins löste Bewunderung aus. Dr. Hans-Georg Lentz, Sohn des ehemaligen Leiters vom Heinsberger Museum, August Lentz, zollte den erfolgreichen Auktionsbietern Respekt: „Da haben Sie aber ein echtes Schnäppchen gemacht!“ Ersteigert wurde die Fahne für 780 Euro (hinzu kamen 220 Euro an Zollgebühren). Die Fahne, ein mal ein Meter groß, ist in einem hervorragenden Zustand und, soweit Laien das beurteilen können, von hoher handwerklicher Qualität, feine Seidenstickerei mit Goldbrokat – durchaus museumsreif. Ob das im Bau befindliche Begas-Haus, das Museum für Kunst und Regionalgeschichte in Heinsberg an der Hochstraße, vielleicht einen würdigen Platz für diese spätheimgekehrte Fahne bieten kann?

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