Heinsberg - Ein Projekt in Gambia wird zur Herzensangelegenheit

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Ein Projekt in Gambia wird zur Herzensangelegenheit

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Begeistert spielen die Kinder im gambischen Niumi Lamin mit den Luftballons, die Reinhard Welters (l.) ihnen mitgebracht hat. Foto: Mariane Welters

Heinsberg. Eigentlich lebt er schon seit fast vier Jahren im Ruhestand, und doch ist Reinhard Welters, ehemaliger Leiter der Realschule im Klevchen, an seiner alten Wirkungsstätte regelmäßig anzutreffen. Mehrmals im Jahr kommt er noch zurück, um den Schülern über seine ehrenamtliche Arbeit im Erkelenzer Verein „Sena Foundation for Gambia“ zu berichten.

Seit 2011 ist auch die Schule Mitglied in diesem Verein, Welters inzwischen sein stellvertretender Vorsitzender. Jeden Monat spendet jeder Schüler der Unesco-Projektschule in Heinsberg zehn Cent oder wenn er möchte auch mehr. Soziales Engagement gehört zum Stundenplan wie Mathematik oder Deutsch.

Von den rund 1200 Euro, die so jedes Jahr zusammenkommen, werden in Heinsberg der ökumenisch getragene Mittagstisch für Schüler unterstützt, darüber hinaus der Verein, der 2001 von dem Erkelenzer Arzt Dr. Bernd Janssen gegründet wurde. In dem kleinen gambischen Dorf Niumi Lamin, in der Geschichte des Landes früher einmal ein Zentrum des Sklavenhandels, unterhält der Verein eine Vorschule und inzwischen auch eine Krankenstation.

2013 war Welters zum ersten Mal selbst vor Ort, nachdem die Realschule 8500 Euro aus einem Sponsorenlauf für die rund 30.000 Euro teure Krankenstation gespendet hatte. Gerade ist er von seiner zweiten privaten Reise zu seinem Herzensprojekt zurückgekehrt, die er wieder zusammen mit seiner Frau Marianne unternommen hat. Und auch dieses Mal ist er überwältigt von den Eindrücken.

Die Reise ist recht beschwerlich, denn vom Flughafen der Hauptstadt Bajul gilt es zunächst, mit einer stets überfüllten Fähre, vor deren Nutzung das Auswärtige Amt ausdrücklich warnt, auf die sogenannte Northbank überzusetzen. „Aber eine andere Möglichkeit gibt es nicht“, sagt Welters. Es gebe zwar schon eine neue Fähre, aber diese könne bei Niedrigwasser im Fluss Gambia nicht andocken.

Laptop mit Webstick

Am anderen Ufer wartete dann jedoch der Schultransporter des Vereins bereits auf die Gäste. Von jubelnden Kindern und Lehrern wurden sie auf dem Schulgelände empfangen. „Sie können sich nicht vorstellen, wie sich diese Kinder über ganz kleine Geschenke freuen“, sagt Welters, wenn er von den aktuellen Erlebnissen mit den Kindern und deren ersten Erfahrungen mit einem aufgeblasenen Luftballon erzählt. Mit dabei hatte er für den „Hauptlehrer“ der Schule aber auch ein gebrauchtes Laptop aus der Realschule. Ein passender Webstick sorgt nun dafür, dass er mit dem Verein in Erkelenz in Kontakt bleiben kann.

Und dann ging es ans Auspacken größerer Pakete. Als im vergangenen Jahr die Erkelenzer Pestalozzischule geschlossen wurde, hatte Lehrerin Lieselotte Jopen zusammen mit Elke Bürger vom Kunsttreff diverse Schulmaterialien, etwa Logik- oder Rechenspiele, in großen Paketen verstaut, die bereits Monate vor dem persönlichen Besuch der Gruppe ihre Reise nach Gambia angetreten hatten. Sie kommen jetzt den inzwischen mehr als 100 Schülern zugute, die in vier Klassen unterrichtet werden.

Auch in der Krankenstation hat sich viel getan seit Welters letztem Besuch bei der Eröffnung 2013. Rund um die Schule ist eine Mauer entstanden, um sie vor dem unerwünschten Besuch von Tieren zu schützen. Der Boden wurde gefliest, getrennte Toiletten gebaut.

Zudem konnte sie dank einer großen Spende mit einer eigenen Solaranlage ausgestattet werden. Und auch die Medikamentenversorgung mit Hilfe der Aktion Medeor klappt jetzt schnell dank internetfähigem Laptop. „Der Fußweg ins nächste Hospital ist für die Einwohner gar nicht zu bewältigen, schon gar nicht in der Regenzeit“, sagt Welters.

Derzeit muss der Erkelenzer Verein jährlich zwischen 8000 und 10.000 Euro aufbringen, um den Unterhalt von Schule und Krankenstation sicherzustellen. „Und es wird noch sehr lange dauern, bis die Menschen dort auf eigenen Füßen stehen können“, sagt Welters, denn es fehlten Arbeitsplätze. Dringend benötigt werde jetzt ein größeres Fahrzeug, das nicht nur für die Schule, sondern auch als kleiner Bus für die rund 1000 Menschen im Dorf benötigt werde, die immer noch ohne Strom und mit einer Wasserleitung leben würden.

 

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