Ein Kommissar wird Buchautor

Von: Marc Wahnemühl
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Der Kriminalhauptkommissar Guido Schroeder interessiert sich in seiner Freizeit mehr für Geschichte als für Thriller. Sein historischer Roman „Der Fehdebrief“ nun in allen gängigen E-Book-Stores. Foto: Wahnemühl

Erkelenz. Schwerter klirren, Pfeile sirren, Menschen werden niedergemetzelt, Knochen brechen, Blut tränkt das Kampffeld – die Schlacht von Worringen dauerte sieben schreckliche Stunden. Guido Schroeder macht sie in seinem Roman „Der Fehdebrief“ nachvollziehbar.

Der Erkelenzer hat sich einen Herzenswunsch erfüllt und einen Roman geschrieben – und ihn auch veröffentlicht. Nun steht sein Erstling in E-Book-Stores neben Ken Follets „Winter der Welt“, Iny Lorentzens „Die Münze im Becher“ und anderen Bestsellern, die der 40-Jährige seit Jahren selbst begeistert liest.

Im Hauptberuf ist Schroeder Kriminalhauptkommissar bei der Fahndung in Mönchengladbach. Wer deshalb einen Krimi als Debüt erwartet, liegt weit daneben – rund 700 Jahre daneben. „Ich habe schon immer gerne und viel gelesen, am liebsten Historisches“, sagt Schroeder. Dabei hat ihn meist gestört, dass die Handlung in England oder Frankreich, aber eben nicht vor der eigenen Haustür spielt. Vor zehn Jahren hat er damit angefangen, selbst eine Geschichte zu schreiben, buchstäblich eine naheliegende: „Ich finde, es gibt zu wenig Wissen über die eigene Geschichte. Dabei ist in unserer Heimat, im Rheinland, so viel Spannendes geschehen, darüber wollte ich schreiben.“

Die ersten Kapitel schickte er an die Mönchengladbacher Erfolgsautorin Rebecca Gablé, mit der Bitte um einige Ratschläge. Sie antwortete. „Einen Roman beginnen würden viele, schrieb sie mir, einen beenden nur wenige. Wenn ich das Buch fertig hätte, könne ich mich gerne noch einmal melden“, erzählt der verheiratete Vater dreier Kinder.

Eine Zeit lang sah es aus, als sollte Gablé Recht behalten; nach den ersten Kapiteln ging es nicht voran. Doch das Gefühl, etwas Unvollendetes im Rechner zu haben, ließ ihn nicht los. Vor zwei Jahren hat es ihn dann wieder gepackt. Schroeder erstellte ein Konzept und disziplinierte sich selbst ganz strikt: „Keine Bücher mehr zum eigenen Vergnügen lesen, keine Zeit mehr mit Computerspielen verbringen“, erzählt der Gründer des Computerspielvereins „n!Faculty“, einer der größten in Deutschland.

Jeden Monat schrieb er abends, wenn die Kinder im Bett waren, ein Kapitel, irgendwann packte ihn die Schreibwut: „Zum Schluss konnte ich gar nicht mehr aufhören zu schreiben, die Ideen sind nur so aus mir herausgesprudelt.“

„Der Fehdebrief“ spielt im Rheinland des 13. Jahrhunderts und handelt von Stephan, der als Junge verschleppt wird und auf der Suche nach dem Geheimnis seiner Familie ist. Der Höhepunkt der Erzählung ist die Schlacht von Worringen 1288, als die Kölner Miliz mit Dreschflegeln und Heugabeln den sicher scheinenden Ausgang der Schlacht zugunsten Johanns von Brabant wendete. Auch Erkelenz und Wassenberg spielen eine Rolle.

Für sein Buch musste der Polizist reichlich recherchieren, schon aus eigenem Anspruch: „Natürlich habe ich viel erfunden, aber die Kernpunkte und Hauptfiguren sollten korrekt sein.“ In Zeiten des Internets ist dem Computerfan die Onlinerecherche natürlich leicht gefallen. Einen Tag hat er aber auch in Worringen nach Hinweisen geforscht und ist dabei auch von Manfred Schmidt vom dortigen Heimatverein mit vielen hilfreichen Informationen versorgt worden: „Da bin ich zum Beispiel auf den Schlachtwagen des Kölner Erzbischofs gestoßen.“

Die Veröffentlichung seines Buches gestaltete sich erst schwieriger als erwartet – und dann viel leichter als gedacht: Um in Apples iBookstore zu kommen, musste sich Schroeder eine ISBN-Nummer kaufen und eine amerikanische Steuernummer besorgen, später das Buch mit einer speziellen Apple-Software hochladen.

Dann wartete Schroeder, dass „Der Fehdebrief“ im iBookstore auftauchen würde. Und wartete. Als das Buch schließlich zwei Monate später endlich gelistet war, gab es Fehler im Layout, erinnert sich Schroeder verärgert. In der Zwischenzeit war er auf ein Selbstverlege-Programm der Droemer-Knaur-Verlagsgruppe, Neobooks, gestoßen. Innerhalb von drei Tagen war „Der Fehdebrief“ in allen gängigen E-Book-Plattformen erhältlich.

Die Resonanz hat den Fahnder überrascht: „Es vergeht kein Tag, an dem mir nicht jemand gratuliert.“

Auch Rebecca Gablé reagierte auf den fertigen Roman, mit Lob für die „gut durchdachte Story“ und mit Kritik und Hinweisen, was Schroeder besser machen könnte. Die Kritik fließt in das nächste Buch ein, das Schroeder am Veilchendienstag beginnt. Diesmal erzählt er die Vorgeschichte von Stephan.

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