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Ein gemieteter Mann bietet gelungenen Theaterabend

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg. Zum Auftakt der neuen Spielsaison für das ABO A, die Aufführungen in der Begegnungsstätte Heinsberg, ist dem Kulturamt der Stadt Heinsberg mit der Komödie „Ein schöner Schwede“ wieder ein gelungener Theaterabend gelungen.

Mehr als 400 Zuschauer füllten die Stadthalle und amüsierten sich streckenweise köstlich. Die Komödie der Autorin Laurence Jyl wurde in der Besetzung mit Kalle Pohl, Astrid Straßburger, Sibylle Nicolai und Bálint Walter von dem Regisseur Dominik Paetzhold inszeniert.

Im Stück bestellt Denise (Astrid Straßburger) bei einem Callboy-Dienst ein männliches Model. Sie möchte den Abend mit einem „nordischen Typ“ wie Björn Borg, einem verblichenen Tennisidol, verbringen. Dazu hat sie Gäste geladen, die aber später absagen werden.

Hermann (Kalle Pohl) ist als letzte Reserve der Agentur. Er sagt von sich: „Ich bin immer zu haben, aber nur, weil mich nie einer bucht.“ Notgedrungen begnügt sich Denise nun mit Herrmann, den sie als „Exemplar dritter Klasse“ bewertet.

Verwicklungen

Die Verwicklungen beginnen, als Denise ein Fernsehinterview mit einem schwedischen Professor anschaut. In dem Professor, der das Sexualleben der nordischen Frauen erforscht, glaubt sie, ihren Hermann zu erkennen. Hermann entwickelt nun seine ganze Fähigkeit, sich in die Rolle einzufügen. Sein Motto lautet: „Was ich liefere sind Illusionen und Lüge“. Und so übernimmt er mehr und mehr die Kontrolle am Abend. Denise, die sich Hermann als erfolgreiche Unternehmerin vorgestellt hat, hat ebenfalls etwas zu verbergen.

Die sprachlichen Dialoge in dem Stück sind zweideutig – und beziehen von dort die Lacher, mit dem das Publikum Beifall und Zustimmung signalisiert. „Dir kann ich meine geheimen Gedanken erzählen – denn du bist ja auch kein Mann“, bemerkt Denise. „Ich könnte es dir beweisen – ich habe immer alles dabei“, wird ihr von Hermann geantwortet.

Genau in diesen Passagen kommt Kalle Pohls Stärke zum Tragen und das Doppeldeutige wird Grundlage für den Witz. Das kennt das Publikum aus der TV-Comedy „Sieben Tage, sieben Köpfe“.

Die Disziplin der Rolle lässt nur wenig Freiraum zu, den Kalle Pohl allerdings mit Schalk zu nutzen weiß und aktuelle Bezüge einflechtet. („Wieso, fährt Merkel denn ab heute nur noch BMW?“). Am Ende des ersten Aktes kommen mit Beatrice (Sibylle Nicolai) und Paul (Bálint Walter) doch noch unerwartete Gäste. Und damit klären sich die Verwicklungen für das Publikum langsam aber unaufhaltsam auf. Weil Denise den Hermann mittlerweile mehr als sympathisch findet, bittet sie Beatrice, die die eigentliche Hausbesitzerin und Chefin von Denise ist, nichts zu verraten.

Denise sollte während des Kurzurlaubs von Beatrice lediglich die Blumen gießen. Mit einem „gemieteten“ Mann wollte sie einen schönen Abend im fremden Haus verbringen. Die Chefin willigt ein und spielt mit. Nachdem Beatrice mit ihrem Begleiter die Runde verlassen hat, kommt es zur großen Aufklärung zwischen Denise und Hermann. Denise gesteht Hermann, dass sie nicht die coole Unternehmerin ist, sondern nur die Sekretärin im Betrieb ihrer Chefin. Hermann, in Wahrheit ein romantischer Karussellbesitzer, ist schon längst in Denise vernarrt, tröstet mit dem Spruch

Glückliches Ende

„Es ist wichtig, sich so kennen zu lernen, wie man wirklich ist“. Dass auch in einer Komödie das Happyend zum gewöhnlichen Ende gehört, ist bekannt. Aber dass der Kuss zwischen beiden „wie vom Winde verweht“ sein soll, das ist allerdings Beleg für das Komödiantische, weil im Veräppeln auch immer ein Stück des Hinterfragens von vordergründig Oberflächlichem steckt.

Der Abend hat wohl allen Beteiligten gefallen, wie der Beifall zeigte.

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