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Eigene Molkerei: Wie ein Landwirt seine Existenz retten will

Von: Annika Thee
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Zu den Kühen kommen nochmal etwa doppelt so viele Kälber, die Herbert Schiffers selbst aufzieht. Foto: Annika Thee
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Hildegard und Herbert Schiffers zusammen mit einer ihrer 180 Kühe ihres Milchhofs. Die Kuh wird in etwa einer Woche ein Kalb zur Welt bringen.

Waldfeucht-Bocket. Schon von weitem hört man die vielen Kühe der Familie Schiffers. Unscheinbarer ist dagegen die kleine Molkerei, die erst vor fünf Wochen hinter den großen Ställen in Betrieb genommen wurde. Landwirt Herbert Schiffers (47) übernahm den Betrieb von seinem Vater und siedelte ihn mit seiner Frau Hildegard (50) im Jahr 1989 vom Dorf an das Kullersträßchen um.

Mit der Molkerei sind sie ein großes Risiko eingegangen, denn dafür mussten sie Kosten im sechsstelligen Bereich investieren. Planung und Bau dauerten über ein Jahr. Außerdem entschieden sich die Schiffers damit zu einer wirtschaftlichen Strategie, die der allgemeinen Tendenz von Milchhöfen in Deutschland diametral entgegensteht. „Wir haben uns bewusst zu einer Alternative der allgemeinen Wachstumstendenz entschlossen“, sagt Herbert Schiffers. „Wir wollen nicht weiter wachsen, und in der Landwirtschaft bedeutet heutzutage Stillstand auch Rückgang“, fügt er hinzu und deutet damit auf die stetig fallenden Milchpreise.

Gegen den Strom

Während viele Milchhöfe sich dazu gezwungen fühlen, noch größer zu werden und mehr Kühe zu halten, hat sich Familie Schiffers dazu entschlossen, mit der Molkerei ein weiteres Standbein aufzubauen und die Anzahl ihrer Kühe von 200 auf ungefähr 180 zu reduzieren.

Ob die Strategie aufgeht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die hofeigene Molkerei hat bereits die Kapazität, die gesamte Milch der Kühe zu verarbeiten. Die Kühe, die überwiegend der Rasse Holsteinische Rot- und Schwarzbunte zugehören, geben täglich circa 30 Liter Milch.

Allein das Melken der Tiere dauert morgens und abends jeweils drei Stunden. Zu den Kühen kommen nochmals etwa doppelt so viele Kälber, um die es sich zu kümmern gilt. Außerdem baut der Landwirt das Futter für die Tiere selbst an, sodass auch viel Feldarbeit anfalle. „Das war ein Grund, warum wir nicht weiter wachsen wollen, denn jetzt haben wir einen geschlossenen Kreislauf, können genug Futter für die Kühe anbauen und den Mist und die Gülle der Tiere in unserer eigenen kleinen Biogasanlage verwenden“, erklärt Herbert Schiffers.

Suche nach Abnehmern

Bisher werde nur ein Bruchteil der Milch in der eigenen Molkerei verarbeitet, denn: Die Schiffers suchen nach Abnehmern für die Frischmilch mit dem Markennamen „Zipfelmilch“. „Zurzeit beliefern wir zwölf bis 15 Märkte in der Region mit unseren Produkten“, sagt Herbert Schiffers. Seine Frau Hildegard fährt die Milch eigenhändig in die Geschäfte. Sobald die Schiffers mehr Abnehmer finden, soll die Molkerei mehr Milch verarbeiten. Außerdem werde bald noch ein Automat vor dem Hof platziert, an dem sich Kunden zu jeder Zeit frische Milch holen könnten.

Trotz der anfallenden Arbeit könne die Familie dennoch von Zeit zu Zeit in den Urlaub fahren, da die vier Mitarbeiter, die seit 17 Jahren fest bei den Schiffers angestellt sind, den Hof dann führen und sich um die Tiere kümmern.

Chefsache

Die Molkerei bleibe aber momentan Chefsache, denn nur die Schiffers haben die nötigen Fortbildungen durchlaufen, die zum Betreiben einer Molkerei Voraussetzung sind. „Deshalb bieten wir im Moment auch nur Frischmilch und Kakao an. Wenn unser ‚Know-how‘ wächst, möchten wir auch Joghurt und Quark hier produzieren“, sagt Herbert Schiffers. Sobald es mehr Abnehmer für die Produkte gebe, will der Landwirt auch in der Molkerei weitere Mitarbeiter einstellen.

Bis dahin ist es aber ein weiter Weg. „Wir sind noch immer von den Milchpreisen abhängig, da ja der Großteil unserer Milch nach wie vor in umliegende Molkereien geliefert wird“, erklärt Herbert Schiffers.

Ein wichtiger Schritt in die Zukunft sei mit der Molkerei bereits getan und auch der Fortbestand des Hofes sei sicher, denn Herbert Schiffers‘ Sohn wird nach dem Abitur eine landwirtschaftliche Lehre in einem externen Betrieb absolvieren und später den Hof seines Vaters übernehmen.

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