„Direktkandidatin” fühlt sich von den Linken gelinkt

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg. Der Leiter des Heinsberger Hauptamtes, Carsten Cordewener, kann sich nicht erinnern, „dass es in Heinsberg so einen Fall schon einmal gegeben hat”. Und in der Tat hat die Geschichte im Vorfeld der Kommunalwahl Skandal-Potenzial.

Die 43-jährige Angelika Emmerich aus Karken, für die die Partei Die Linke im Wahlbezirk 17 als Direktkandidatin die Werbetrommel rührt, gehört weder der Partei an, noch würde die in einem CDU-nahen Haushalt aufgewachsene Frau auch nur im Entferntesten daran denken, sich für diese als Kandidatin aufstellen zu lassen.

„Ich habe lediglich meiner Nachbarin, Frau Gertrud Aufdenkamp, auf ihre Bitte hin eine Unterstützungsunterschrift gegeben”, ohne den Vordruck, auf dem diese zu leisten war, gelesen zu haben, schreibt Emmerich in ihrem offiziellen Einspruch an den Heinsberger Wahlleiter. „Ich fühle mich durch die Handlungsweise von Frau Aufdenkamp getäuscht und betrogen”, schließt ihre Stellungnahme, in der sie die Heinsberger Ortsverbandsvorsitzende attackiert.

Bemerkt hatte Emmerich ihre ungewollte politische „Karriere” per Zufall am Tag der Veröffentlichung in unserer Zeitung. Die 43-Jährige, die in einem Seniorenheim arbeitet, erinnert sich: „Gertrud Aufdenkamp kam im Frühjahr auf mich zu und bat mich auf einem Formular um eine Unterstützungsunterschrift für die Kommunalwahl.”

Ohne sich mit dem Schreiben zu beschäftigen, habe sie gutgläubig und vor dem Hintergrund einer achtjährigen guten Nachbarschaft - beide Frauen duzen sich - unterzeichnet.

Einige Tage später sei Aufdenkamp dann mit der Behauptung gekommen, sie habe das Formular zerrissen, denn sonst hätte Emmerich angeblich am Tag der Wahl im Wahllokal als Wahlhelferin sitzen müssen. „Aber das willst Du ja sicher nicht”, sagte sie.

Wieder ein paar Tage später sei die Linken-Sprecherin erneut vor Emmerichs Tür aufgetaucht. Es sei ihr furchtbar peinlich, habe sie gemeint, aber das Formular sei schon das richtige gewesen; „ob ich denn noch einmal unterschreiben würde?”

Emmerich willigte ein, in den nächsten Tagen vorbeizuschauen und unterschrieb am Ende abermals arglos die Zustimmungserklärung, die sie zur Direktkandidatin machen sollte.

Gleich am Tag nach der Veröffentlichung in der Zeitung stellte sich heraus, dass sich eine weitere Nachbarin sowie deren Lebensgefährte von Aufdenkamp getäuscht fühlten und sich als Direktkandidaten der Partei in der Zeitung wiederfanden. Gemeinsam mit dieser Nachbarin habe Emmerich dann Aufdenkamp zur Rede gestellt.

Diese wiegelte jedoch ab: „Wir wären gar keine Direktkandidaten, das wäre in der Zeitung nur falsch aufgelistet. Wir wären ja nicht mal Mitglied in der Partei, also bräuchten wir uns keine Gedanken zu machen.” Auf die Bitte der beiden Frauen, den Irrtum doch öffentlich richtig zu stellen, habe die Linken-Sprecherin allerdings erwidert, dies ginge jetzt nicht, weil der Wahlausschuss den Beschluss gefasst habe und dies nicht mehr zu ändern sei.

Noch am selben Tag wurde das gebeutelte Trio jedoch zu einer außerordentlichen Vorstandsversammlung des Ortsverbandes eingeladen. Dort sei dann beteuert worden, dass es dem Vorstand furchtbar leid täte. „Für die Zukunft hätte dies aber keine Bewandtnis. Unsere Namen würden nirgendwo mehr aufgeführt.” Auf den Wunsch einer öffentlichen Klarstellung seien die Herren jedoch nicht eingegangen.

Dies nahm Emmerich nun selbst in die Hand, wenn sich an der Sachlage, dass sie Direktkandidatin der Partei Die Linke bis zur Kommunalwahl bleiben wird, auch nichts mehr ändern dürfte. „Die Überprüfung der Rechtslage hat ergeben, dass dem Wahlausschuss der Stadt Heinsberg eine unterzeichnete Zustimmungserklärung der Betroffenen vorlag”, erläutert Carsten Cordewener. „Die Entscheidung des Wahlausschusses vom 16. Juli, die Kandidatur der Betroffenen für die Partei Die Linke zuzulassen, ist damit rechtmäßig.”

Gertrud Aufdenkamp war am Montag zu einer Stellungnahme nicht bereit. Sie verwies an ihren Sprecher-Kollegen Michael Schreiner. Der beteuerte, es handele sich alles „um ein Missverständnis. Ich halte es für unglücklich, dass man mit Leuten nicht ausführlich darüber spricht, aber die sollen sich auch durchlesen, was sie unterschreiben. Frau Aufdenkamp hat die Unterlagen mitgegeben, um sich das durchzulesen und zu unterschreiben. Es ist mir unbegreiflich, dass Frau Emmerich das jetzt beim Wahlleiter anfechtet”.

Angelika Emmerich bestreitet jedoch energisch, die Unterlagen je zu Hause gehabt zu haben.
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