Die Senioren werden im Buch zu Fotomodels

Von: som
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Markus Lowis, Geschäftsführer des Evangelischen Altenzentrums von Hückelhoven, präsentiert seine Fotobuch „Wir lassen es nochmal richtig krachen…“ Foto: Sommer

Heinsberg. Der Hobbyfotograf Markus Lowis hat als Geschäftsführer des Evangelischen Altenzentrums Hückelhoven einen einfühlsamen Bildband erstellt. Rückblickend verlief das „Jahr der Pflege“, das für das Jahr 2011 ausgerufen war, aus Sicht der sozialen Verbände für den Bereich Pflege enttäuschend. Ziel war es, Politiker und Institutionen auf die Altenpflege und Unterbringung von Senioren in entsprechenden Einrichtungen zu sensibilisieren und aufmerksam zu machen.

„Die Resonanz seitens der Zielgruppen war enttäuschend“, sagt Ute Ossa-Kühnel, Mitarbeiterin der Heimleitung im Evangelischen Altenzentrum Hückelhoven. In der Lazarus-Diakon in Berlin wurde daraufhin ein erstes öffentliches Gespräch im Rahmen der Strategie „An die Pflege denken!“ geführt.

Während dieses und nachfolgender Gespräche mit der Politik wurden ein Katalog mit Forderungen und folgenden Inhalten an die Politiker übergeben: „An die 2,32 Millionen Pflegebedürftigen denken! Wichtigstes Ziel: Mehr Zeit und Zuwendung der zu Pflegenden ermöglichen. An die 1,2 Millionen pflegenden Angehörigen denken! Wichtigstes Ziel: Mehr Zeit für Pflegende (Auszeit/Erholung und eine Anerkennung der Pflegezeit bei Menschen im Beruf.) An die 890 000 Beschäftigten in der Pflege denken!“ Ein weiteres wichtiges Ziel war es, mehr Anerkennung des Pflegeberufes und damit verbunden eine Anhebung des Lohnniveaus zu erwirken. Die Aktion „An die Pflege denken“ wird seither auf Landesebene und in den Einrichtungen der Diakonie weiter getragen.

Markus Lowis, Geschäftsführer des Evangelischen Altenzentrums in Hückelhoven und ambitionierter Fotoamateur, war der Begriff „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ bekannt.

Nach reiflichen Überlegungen und zahlreichen Gesprächen mit dem Beirat des Hauses entwickelte er ein Konzept für ein Fotobuch. Die Protagonisten dieses Buches sollten die Heimbewohner sein. Auch diese ließen sich schnell überzeugen, Teil dieses Projektes zu werden.

Unterschiedliche Lebenslagen

Unter dem Leitspruch „Ich lass es nochmal richtig krachen…“, sollte ein Bildband entstehen, der die Heimbewohner in unterschiedlichen Lebenslagen zeigen sollte. Ein Konzept wurde erstellt, die Mitwirkenden auf ihre entsprechenden Rollen eingewiesen sowie einer der Räume des Altenzentrum zum Fotostudio umgewandelt. Einmal im Monat fand ein Fotoshooting statt, das von Markus Lowis konzipiert und durchgeführt wurde.

Einschließlich des Pflegepersonals und Mitglieder des Beirates waren es schließlich rund 50 Personen, die sich für dieses Projekt ablichten ließen. „Teilweise habe ich die Personen so fotografiert, wie sie auch im täglichen Leben anzutreffen sind. Oder auch in ihren damaligen Berufen“, sagt Geschäftsführer Lowis.

Gezeigt werden die Heimbewohner auch als Akteure in unterschiedlichen Sportarten. Zur Karnevalszeit fand ebenfalls ein Shooting statt, das die Protagonisten geschminkt und in eigenwilliger Maskerade zeigt. Und alle waren mit großer Begeisterung mit von der Partie.

Rund ein Jahr benötigte das Team um Markus Lowis bis alle Bilder „im Kasten“ waren. Was heraus kam, ist verblüffend und sehr eindrucksvoll. Die Bilder drücken allesamt aus, dass sie von einem sehr einfühlsamen und sensiblen Fotografen erstellt wurden. Die abgelichteten Personen strahlen Zufriedenheit pure Lebensfreunde aus. Dieser Bildband widerspricht zudem dem Klischee, dass Seniorenwohnheime zum Profit ausgerichteten Verwahranstalten sind.

Nun wurde dieser Bildband, der in einer Stückzahl von 100 Exemplaren aufgelegt wurde, an lokale Politiker und Institutionen verschickt. „Wir wollten mit diesem Bildband auf uns und unsere Situation aufmerksamen machen und gleichzeitig unter Beweis stellen, dass auch das Leben in den Seniorenwohnheimen lebenswert ist und täglich Freude bereitet“, sagt Ute Ossa-Kühnel. „Allerdings war auch hier die Resonanz sehr enttäuschend“, kommentiert die administrative Mitarbeiterin des Hauses diese Aktion.

„Obwohl wir uns sehr viel mehr von dieser Aktion versprochen haben, werden wir dennoch rege sein und auch weiter versuchen, die Politiker auf uns aufmerksam zu machen, um mehr Verständnis für unsere Sorgen und Nöte zu erlangen“, ist Geschäftsführer Markus Lowis davon überzeugt, mit seinem Buchprojekt einen wertvollen Beitrag zur Außendarstellung von Seniorenheimen und Altenzentren geleistet zu haben.

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