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Die Sekundarschule in Heinsberg ist gescheitert

Von: Rainer Herwartz
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Und was nun? Für die Schüler, die sich auf die Sekundarschule gefreut hatten, beginnt wieder die Qual der Wahl. Foto: imago/imagebroker

Heinsberg. Ein wenig erinnerte der Mittwoch um die Mittagszeit an den Westernklassiker High Noon von Fred Zinnemann mit Gary Cooper und Grace Kelly in den Hauptrollen. Alles wartete gebannt auf „Zwölf Uhr mittags“. Denn genau zu diesem Zeitpunkt lief die Anmeldefrist für die geplante Sekundarschule in Heinsberg aus. Würde die Zahl von 75 erreicht werden, die wie ein Damo-klesschwert über der bereits von der Bezirksregierung unter Vorbehalt abgesegneten Schule schwebte?

Genau so viele Anmeldungen musste es geben, damit die dreizügig vorgesehene Lehranstalt nicht am Ende doch noch scheitern sollte. Anders als in der Traumfabrik Hollywood, bei der es natürlich zum Happyend kam und der Held mit seinem Mädchen in den Sonnenuntergang fuhr, blieb die Sekundarschule allerdings auf der Strecke. Nur 43 Anmeldungen als Bilanz versetzten dem von der CDU-Ratsfraktion im Alleingang durchgesetzten Schultyp den Todesstoß.

„Ich bedauere, dass die neue Schulform nicht installiert werden kann“, erklärte Bürgermeister Wolfgang Dieder. „Die Sekundarschule als Kind des nrw-politischen Schulkonsenses wurde in Heinsberg nicht angenommen. Es wäre für die Schullandschaft in Heinsberg eine Bereicherung gewesen. Aber man muss so etwas sachlich sehen und nicht emotional.“ Die erste Konsequenz sei nun, dass Realschule und Hauptschule in Oberbruch nicht aufgelöst seien. Bis zum Ende der nächsten Woche könnten die Eltern ihre Sprösslinge noch bei allen weiterführenden Schulen im Stadtgebiet anmelden. „Was dann zu tun ist, ergibt sich aus der Akzeptanz der vorhandenen Schulen.“

Und was sagt die CDU? Wirklich überrascht über das Ergebnis ist Fraktionschef Wilfried Louis offenbar nicht. „Wir wussten, dass es schwer werden würde.“ Letztlich respektiere er die Entscheidung, bedauere es aber persönlich. Denn der Bedarf für eine Sekundarschule sei da. „Wenn man die 43 in Heinsberg und die 33, die angeblich nach Haaren gegangen sind, addiert, sind wir bei 76, also bei mehr als erforderlich gewesen wäre. Ich bedauere diesen Ausgang, weil die Sekundarschule nach meiner Meinung eine zeitgemäße, moderne Schulform ist, die die Anforderungen an die moderne Pädagogik erfüllt. Es ist eine Chance vertan worden, dass Eltern hier eine Schule von Anfang an mit hätten entwickeln können.“

Jetzt könne man darüber spekulieren, warum so viele nach Haaren gegangen seien, meint Louis. „Vielleicht haben die Entfernung und die Unsicherheit eine Rolle gespielt, ob die Sekundarschule in Heinsberg überhaupt zustande kommt. Vielleicht hat auch eine Rolle gespielt, dass zur Haarener Schule immer positiv berichtet wurde, während sich in Heinsberg auch einige negativ geäußert haben. Die Schule in Haaren hatte eben schon ein Gesicht.“

An eine Gesamtschule als sinnvolle Alternative glaubt Louis dennoch nicht. Schließlich hätten dann nicht nur 75, sondern 100 Anmeldungen zusammenkommen müssen. „Das wäre auch zu Lasten der Realschule und des Gymnasiums in Heinsberg gegangen mit der Folge, dass diese gut funktionierenden Schulen langfristig geschwächt würden. Am Ende stünden vermutlich nur zwei kleine Oberstufen. Darunter würde dann auch das Kursangebot leiden. Das hat Frau Krewald, die Leiterin des Kreisgymnasiums, immer zu verdeutlichen versucht.“

Die Sozialdemokraten sehen dies freilich etwas anders. „Es ist genau das eingetreten, was wir immer befürchtet haben“, konstatiert SPD-Fraktionschef Ralf Herberg ohne Häme. „Das hochgerechnete Ergebnis der Elternbefragung erschien uns bekanntermaßen als viel zu optimistisch.“ Jetzt solle der Vorschlag einer Gesamtschule wieder aufgegriffen werden, „der mit Sicherheit einen höheren Zuspruch bei Eltern und Lehren finden wird“. Zum nächsten Schuljahr hatten immerhin 87 Heinsberger Schüler versucht, bei einer der umliegenden Gesamtschulen unterzukommen. 59 ist es gelungen. „Jetzt hängt alles in der Luft und wir haben einen Scherbenhaufen vor uns. Die Verwaltung ist nicht gerade um ihren Job zu beneiden.“

Auch die FDP sieht sich in ihrer ablehnenden Haltung bestätigt. Erwin Hausmann: „Wenn die Sekundarschule nun nicht zustande kommt, ist dies ein Ergebnis dessen, was die CDU bestimmt hat, eine Entscheidung gegen den Willen der Eltern. Hätte man, wie der Sachverständige empfohlen hat, der schon das Thema Gemeinschaftsschule beleuchtete, im Vorfeld die Eltern befragt, wäre es zu diesem Desaster nicht gekommen.“ Der Rat müsse nun einen neuen Entschluss fassen, ergebnisoffen. „Jetzt sollten auf jedenfall die Interessen der Eltern und Kinder im Mittelpunkt stehen. Und egal, welche Schulform dabei herauskommt, muss das akzeptiert werden.“

Die Grünen haben dabei mit der Sekundarschule als Variante auf dem Weg zum Abitur noch nicht einmal abgeschlossen. „Ich finde es eigentlich traurig, weil es keine schlechte Schulform ist. Die eigentlich richtige wäre aber sicher die Gemeinschaftsschule gewesen, da sie eine eigene Oberstufe besäße. Da sie leider nicht umgesetzt werden konnte, hätte ein Umdenken erfolgen müssen, das als einzige Alternative zu einer Gesamtschule führen musste“, meint Fraktionschefin Birgit Ummelmann. „Ich finde es schade, dass die CDU im Vorfeld nicht auf den Vorschlag der SPD eingegangen ist, die Eltern zu befragen, ob sie eine Sekundarschule oder eine Gesamtschule bevorzugen.“

Jetzt, so glaubt Ummelmann, könne eine praktikable Lösung nur noch in eben dieser Gesamtschule oder einer attraktiveren Sekundarschule liegen, die nicht nur mit dem Kreisgymnasium im Hinblick auf die Oberstufe kooperiere.

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