Die Königin des Lichts gibt es auch im Selfkant

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
6733015.jpg
Die Dorfkirche von Saeffelen trägt als einzige im Raum Heinsberg den Namen der heiligen Lucia. In der Zeit um den 13. Dezember findet in dieser Gemeinde stets ein festlicher Gottesdienst statt. Foto: Gottwald

Selfkant-Saeffelen. In Schweden kann man in den frühen Morgenstunden am Freitag, 13. Dezember vielerorts ein ungewöhnliches Schauspiel erleben: Ein junges Mädchen in weißem Gewand, dass eine Lichterkrone mit brennenden Kerzen auf dem Kopf trägt, zieht durch die dunklen Straßen, gefolgt von vielen Kindern und Jugendlichen.

Dabei handelt es sich keineswegs um ein verspätetes Halloween, sondern um das Luciafest, dass an diesem Tag begangen wird. Häufig wird an den Haustüren geläutet und den Bewohnern ein Ständchen gesungen.Die heilige Lucia gehört zu den Märtyrerinnen der Antike, die der Christenverfolgung des Kaisers Diocletian um 304 zum Opfer fielen. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihr Leben und ihren gewaltsamen Tod in der sizilianischen Stadt Syrakus (heute: Siracusa); ihre Verehrung ist bereits in römischen Katakomben aus der Zeit um 400 bezeugt. Daraus kann man mit großer Sicherheit schließen, dass sie tatsächlich gelebt hat.

Dass sich ausgerechnet in Schweden ein solches Ritual entwickelte, hat vor allem geographische Gründe: Durch den Norden des Landes zieht sich der Polarkreis. Die Folge sind extrem lange und dunkle Winternächte, die auf dem Gemüt der Menschen lasten. Die brennenden Kerzen haben den ganz konkreten Sinn, Licht in diese Dunkelheit zu bringen. Und sie weisen zugleich auf den Namen der Heiligen hin - Lucia bedeutet im Lateinischen „Lichtträgerin“.

Im wesentlich weiter südlich gelegenen Rheinland, wo die Winternächte nicht mehr so lang sind, ist die üppige schwedische Tradition bezeichnenderweise unbekannt. Trotzdem gibt es auch dort kleine „Brauchtums-Inseln“. Dazu gehört etwa der traditionelle Lucia-Markt in dem Weindorf Rech an der Ahr, der sich mit dem Gangelter Nikolaus-Markt vergleichen lässt.

Zu seinen Höhepunkten gehört der Besuch der schwedischen „Lichterkönigin“ am zweiten Adventssonntag. In Walbeck bei Kevelaer wurde um 1516 eine Lucia-Kapelle im gotischen Stil errichtet. Sie ist den Kevelaer-Wallfahrern aus Immendorf und Prummern gut bekannt, denn der Pilgerweg zum Gnadenbild führt auch durch Walbeck, und zwar unmittelbar an dieser Lucia-Kapelle vorbei. Zeitweise gab es in Walbeck sogar eine „Lucia-Kirmes“. Auch im Selfkant-Dorf Saeffelen gibt es eine kleine Lucia-Tradition.

Die dortige Kirche ist die einzige im Raum Heinsberg, die der heiligen Lucia geweiht ist. „Jedes Jahr um den 13. Dezember feiern wir zum Patronatsfest eine Messe in der Kirche“, so die Pfarrsekretärin Anita Palmen. „Nach dem Gottesdienst ist dann geselliges Beisammensein im Pfarrheim ,und jede Frau bekommt ein kleines Präsent“.

In früheren Zeiten genoss die heilige Lucia in unserer Region viel größere Popularität, jedoch aus einem ganz anderen Grund als wie in Skandinavien. Denn sie wird auch als Nothelferin gegen Augenleiden, Seuchen und ansteckende Krankheiten verehrt. Dies wurde besonders deutlich, als im Jahre 1811 eine Epidemie der „roten Ruhr“ am Niederrhein wütete, die viele Menschenleben kostete.

Auch im Heinsberger Raum wurden damals Bittgottesdienste in den Kirchen abgehalten und vermutlich die „Lucia-Fäden“ unter das Volk verteilt. Dies waren rote Seidenfäden, die vom Priester gesegnet und beim Opfergang gegen eine kleine Geldspende ausgegeben wurden. Man legte sie sich um den Hals oder steckte sie ins Gebetbuch. Damit glaubte man, sich besser vor einer Ansteckung schützen zu können - zweifellos war hier auch viel Volksaberglaube mit im Spiel. Noch heute ist dieser Brauch in manchen Dörfern der Eifel lebendig.

Im Mittelalter fiel das Lucia-Fest übrigens genau mit der Wintersonnenwende (längste Nacht und kürzester Tag) zusammen. Darauf spielen noch heute alte Bauernsprüche an: „Sankt Luzen tut den Tag stutzen“ oder „An Sankt Lucia ist der Abend dem Morgen nah“.

Damals war nämlich noch der alte Julianische Kalender in Gebrauch, der auf Caesar zurückgeht, sich aber als ungenau erwies - bis zum 16. Jahrhundert hatte sich gegenüber dem wahren Sonnenlauf eine Differenz von zehn Tagen aufsummiert. Erst die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. machte diesem Zustand ein Ende: Man ließ auf den 4. Oktober 1582 sogleich den 15. Oktober folgen und nahm an den Schaltjahren einige Korrekturen vor. Seitdem fällt die Wintersonnenwende wieder auf den 21./22. Dezember.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert