Die Geschichte der Heimat per Rad „erfahren“

Von: Anna Petra Thomas
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Franz-Josef Breuer am Denkmal des heiligen Lambertus. Das Mosaik hat der Künstler Gerd Meehsen aus Welz bei Jülich geschaffen. Foto: Anna Petra Thomas
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Deutsche und niederländische Heimatfreunde, die an der Entwicklung der beiden Wanderrouten beteiligt waren: Sepp Becker, Jos L´Orteye, Hans Ungerechts, Franz-Josef Breuer und Bernd Serode (von links).

Wassenberg. Wer kennt das nicht: Bei der Radtour ist man schnell vorbeigeradelt an den kleinen Denkmälern in der Natur: an Wegekreuzen, Bildstöcken, Fußfällen oder Kapellchen.

Damit das heimatkundlich interessierten Radlern nicht mehr passiert, haben der Wassenberger Heimatverein auf deutscher Seite und die Heemkundevereniging Roerstreek auf niederländischer Seite eine jeweils etwa 27 Kilometer lange Rad- oder auch Wanderroute zusammengestellt. Unterstützt wurden sie dabei von der Arbeitsgemeinschaft Grenzland Kreis Heinsberg – Limburg. Im niederländischen Etsberg, gleich hinter der Grenze in Nähe des Effelder Waldsees, hat die sogenannte Doppelroute zwei Kreuzungspunkte an zwei Wegekreuzen.

Bisher würden diese kleinen Denkmäler kaum beachtet, weil sie zur Selbstverständlichkeit des Lebens gehören würden, erklärte Heimatvereinsvorsitzender Sepp Becker bei der Präsentation der beiden Routen in der Begegnungsstätte am Wassenberger Pontorsonplatz. „Und doch haben diese Denkmäler oft eine interessante Geschichte. Aus ganz unterschiedlichen Gründen seien sie errichtet worden. Als „kulturhistorische Zeugnisse der Volksfrömmigkeit“ würden sie zudem einladen innezuhalten, nachzudenken und zu beten. Sein ausdrücklicher Dank ging in diesem Zusammenhang an all die Menschen, die diese Denkmäler heute meist ehrenamtlich pflegen.

Die deutsche Route hat ihren Startpunkt in Birgelen, wo für eventuell mit dem Auto anreisende Radler ein Parkplatz zur Verfügung steht. Bevor sie aufs Rad steigen, gilt es an der Birgelener Kirche gleich das erste Denkmal in Form des Turmkreuzes der alten Bergkirche zu besichtigen. Es ziert heute eine Seitenwand der Pfarrkirche. Weiter geht es zu einem Denkmal, das dem heiligen Lambertus gewidmet ist. Von dort führt die Route über Krafeld, Eulenbusch und Dohr nach Ophoven. Hier entdeckten die Heimatforscher gerade erst ein im Jahr 2011 aufgestelltes, ganz modernes Wegekreuz aus Edelstahl im neuen Baugebiet Am Ringofen, nicht weit vom kleinen Betkapellchen auf dem Weg nach Kempen.

Weiter geht es über Steinkirchen und Effeld, den kleinen Ort Etsberg auf niederländischer Seite und Rosenthal zurück nach Birgelen. Hier sind auch der Kreuzweg und das Birgelener Pützchen, ein bekannter Wallfahrtsort, Teil der Route. An ihrem Ausgangspunkt, dem Marktplatz in Birgelen, endet die Route wieder. Sie könne natürlich auch in Teilabschnitten im wahrsten Sinne des Wortes „erfahren“ oder erwandert werden, so Becker.

Begleitend dazu ist ein Heft entstanden, in dem nicht nur eine Karte für die Route enthalten ist, sondern auch jede einzelne der 33 Stationen mit Bild und Text beschrieben ist. Eine weitere Route, die alle Denkmäler am Wegesrand in Wassenberg, Orsbeck und Myhl erfassen soll, ist in Arbeit und soll im kommenden Jahr vorgestellt werden. „Und sollten Sie weitere Informationen zu religiösen Monument im Stadtgebiet von Wassenberg haben, würden wir uns über eine Mitteilung sehr freuen“, erklärte Becker den Besuchern der Präsentationsveranstaltung. „Wir können nur Denkmäler in die Route einbauen, von denen wir erfahren. Wir sind auf Ihre Mitwirkung angewiesen.“

Die niederländische Route stellte dann Jack Geraeds von der Heemkundevereniging Roerstreek vor. Sie beginnt in St. Odilienberg und führt von dort über Paarlo, Posterholt und Vlodrop nach Etsberg, wo sie sich mit der deutschen Route kreuzt. Auch hier, gleich hinter dem Effelder Waldsee, könnte man von Deutschland kommend bequem in die Route einsteigen. Weiter führt sie über Herkenbosch und Melick wieder nach St. Odilienberg. Zu ihren insgesamt 28 Stationen gehört auch das sogenannte Mordkreuz in Paarlo. Es erinnere an einen bis heute nicht aufgeklärten Mord, wusste Geraeds zu berichten. Und noch etwas war ihm und seinen Mitstreitern bei der Erarbeitung der Route aufgefallen: „Bis auf eins sind in Melick alle Kreuze zur Kirche hin ausgerichtet“, sagte er. Das Begleitheft zur niederländischen Route liegt derzeit nur in niederländischer Sprache vor, soll aber schon bald auch in deutscher Sprache erhältlich sein.

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