Heinsberg - Die Arbeiten von Ji-Hyun Bae verbinden Märchenwelten mit Privatem

Die Arbeiten von Ji-Hyun Bae verbinden Märchenwelten mit Privatem

Von: Dettmar Fischer
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Die Künstlerin Ji-Hyun Bae zeigt beim Kunstverein Region Heinsberg eine Keramik, die an Pippi Langstrumpf erinnert und doch aus ihrer Familiengeschichte hervorgegangen ist: „Ich und meine Kinder“. Foto: D. Fischer

Heinsberg. Eine märchenhafte Ausstellung mit dem Titel „Der Spiegel der Königin“ zeigt der Kunstverein Region Heinsberg derzeit in seinen Ausstellungsräumen auf dem Horster Hof in Unterbruch. Die Düsseldorfer Künstlerin Ji-Hyun Bae ist zu Gast und berichtet von Schneewittchen, Pippi Langstrumpf und ein paar anderen märchenhaften Wesen, die viel mit ihr selbst zu tun haben.

Pippi Langstrumpf war rothaarig und hatte bekanntlich zwei Zöpfe. Zwei ziemlich stabile Zöpfe müssen es gewesen sein, denn Ji-Hyun Bae zeigt im oberen Raum des Kunstvereins, wie zwei Kinder auf diesen beiden Zöpfen ein wenig hin und her schaukeln, auch wenn man das Schaukeln nur erahnen kann. Pippis Kopf ist eine Keramik, schön glasiert. Und wer glaubt, die beiden Kinder auf den Zöpfen hießen Tommi und Annika, kann das ruhig glauben, aber der Titel dieser plastischen Arbeit aus dem Jahr 2018 lautet „Ich und meine Kinder“.

Nicht nur in dieser Arbeit vermischt Ji-Hyun Bae Stoffe, die uns geläufig sind, wie solche aus Märchen und Kinderbüchern, mit ihrer eigenen Geschichte. „Ich und meine Kinder“ taucht als Bildtitel noch zweimal auf und zwar bei zwei sehr schönen Lithographien, die schon etwas älter sind und ebenfalls im oberen Raum platziert sind. Die eine Lithographie zeigt ein ähnliches Motiv, wie das der Keramik, die zweite variiert mit offenem Haar.

Ji-Hyun Bae zeigt auch eine Lithographie mit dem Titel „Drei Frauen“. Wie sie zugibt, sind alle drei Frauen Selbstbildnisse. Die Frau steht mal mehr, mal weniger umgeben von Wasser, dann geht sie fort. Von Wasser umgeben sind auch die drei Keramiken; die mit Pippi Langstrumpf, die mit dem Titel „Ich“, bei der die Frau ein kleines Haus auf dem Kopf trägt, und die, bei der die Nase noch so gerade über der Wasseroberfläche ist.

„Sie atmet noch“, sagt Ji-Hyun Bae und scheint zu fragen, ob der Betrachter das auch so sieht. Den kleinen Raum im ersten Stock hat Ji-Hyun Bae mit ihren drei Keramiken und ihren drei Lithographien so schön hingekriegt, wie es bislang wohl kaum einem Künstler gelungen ist. Unten sind vom Format her größere Arbeiten der Künstlerin, die ihre Ausbildung in Seoul und an der Kunstakademie Düsseldorf erhielt, zu sehen.

Auffallend und unterschiedliche Interpretationen zulassend ist die Arbeit „Spieglein, Spieglein…“ aus dem Jahr 2013. Eine zweite Arbeit aus dem Jahr 2018 zeigt ein ähnliches Motiv und heißt auch „Spieglein, Spieglein…“. „Spieglein, Spieglein…“ von 2013 zeigt ein an der Decke aufgehängtes Kleid, das von außen weiß ist und von innen bemalt wurde. Wer unter den Rock schaut, erkennt die Bemalung, schwarze Farbe, die Erdteile darstellt. Den Blick unter den Rock gewährt ein Spiegel, der unter dem Kleid auf dem Boden liegt.

Diese Installation ließe sich leicht in Richtung der aktuellen Sexismus-Debatte diskutieren. Die Künstlerin zieht ein wenig die Lippen breit und schüttelt den Kopf, der Gedanke greift ihr wohl zu kurz. Ji-Hyun Bae denkt eher in Richtung des Märchens: der Spiegel, der die Wahrheit über das Wesen des Menschen offenbart, der seine Stärken und Defizite reflektiert.

 

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