Deutscher Meister vermittelt Freude am HipHop

Von: Monika Baltes
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Beweglichkeit und eine gute Kondition sind zwei wichtige Aspekte beim HipHop. Doch im Vordergrund soll auch für die jungen Kursteilnehmer auf jedenfall der Spaß beim Tanzen stehen. Foto: Monika Baltes
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Nenad „Neno“ Rademakers gönnt seinen Schülern natürlich auch mal eine Pause und erzählt ihnen, worauf es beim Tanzen ankommt. Foto: Monika Baltes

Hückelhoven. „Ihr seid on beat“, stellt er zufrieden fest, als die Gruppe im Rhythmus ist, „dann lacht man automatisch“. Wenn es stimmt, was er sagt, ist er ständig „on beat“. Denn Nenad „Neno“ Rademakers lacht eigentlich immer.

Und ist irgendwie immer in Bewegung – auch wenn er ausnahmsweise mal nicht tanzt. Seine erklärenden Worte unterstreicht er mit lebhaften Gesten und geschmeidiger Körpersprache. Der deutsche HipHop-Meister des Jahres 2012 steht im Katholischen Jugendheim St. Lambertus in Hückelhoven, um jungen Talenten in einem Schnupperkurs Freude am HipHop zu vermitteln.

Vor sich hat er die Tanzneulinge ab zwölf Jahren. „Wer ist aufgeregt?“, hat er am Anfang gefragt und ungerührt als erster die Hand gehoben. Mit dem Gelächter der 13-köpfigen Gruppe ist alle Scheu vor dem „Meister“ verflogen. In wenigen Sätzen hat er verschiedene Tanzstile im HipHop erklärt, den Recorder eingeschaltet und begonnen, sich zu bewegen. Es sieht so federleicht aus, so unbeschwert, wenn Neno tanzt. „Das ist das Schöne am HipHop, den Groove muss man fühlen, damit es Spaß macht“, erklärt er und tatsächlich wippen bereits die ersten Pferdeschwänze perfekt im Takt. Spaß – das ist sein Credo und sollte der einzige – im wahrsten Sinne des Wortes – Beweggrund zum Tanzen sein, findet der 26-Jährige.

Haltung annehmen und Spannung halten wie bei den Standardtänzen oder beispielsweise beim Ballett sei das Eine – beim HipHop geht es um Gefühl, das sei das Andere. „Und der Groove kommt immer auf zwei“, zählt er, um den Schülern den Einstieg zu erleichtern. So mühelos es aussieht beim Meister, die Schüler schwitzen schon. „Ich bin hier, um euch das Tanzen näher zu bringen, nicht, um euch auseinanderzunehmen“, schickt er die neuen HipHopper in eine kleine Pause, „da könnt ihr dann auch ein bisschen über mich lästern.“

Neun Mädchen und vier Jungen zwischen zwölf und 16 Jahren eilen zu den Getränkeflaschen. Manche sind echte Tanzneulinge, andere haben im Garde- und Showtanz erste Erfahrungen gesammelt, zwei Jugendliche gehen regelmäßig zum Bokwa, einem neuen Fitnesstrend aus den USA, bei dem Zahlen und Buchstaben getanzt werden. Spaß mit Neno haben sie alle.

Aus Serbien ist er nach Deutschland gekommen, als er zwölf Jahre alt war. In einem Jugendzentrum in Heinsberg ist er zum ersten Mal Breakdancern begegnet und war sofort Feuer und Flamme. Inzwischen hat er sich einen Titel in der „offiziellen Szene“, wie bei den Deutschen Meisterschaften erkämpft, sich aber auch im Underground bei den battles (Kämpfen) einen Namen gemacht. „HipHop, das ist nicht nur tanzen, das ist eine eigene Sprache, eine eigene Kultur“, sagt er und schiebt sofort hinterher, „eine friedliche Kultur“. Diese „Ghetto-Sachen“ seien eben nur ein kleiner Teil des HipHop. Auch sprachlich würden die battles (Kämpfe) inzwischen zu „exchanges“ (Austausch). Er bemühe sich, Wettbewerbe und battles näher zusammenzubringen. Bei den Wettbewerben gehe es um eine eingeübte Choreographie, bei battles um Kreativität, Inspiration und Spontanität. In seinen Kursen will er beides vermitteln.

Das hat er vor ungefähr zwei Stunden auch im Tanzworkshop für die tanzerfahrenen Jugendlichen in diesem Haus getan. Fünf junge Frauen, so um die zwanzig, haben mit Neno Spaß am HipHop gehabt. Und umgekehrt auch. „Versteckt euch nicht, ihr seid gut“, hat er sie ermuntert und gestaunt über die die gute Koordination: „Du bist ja voll der Gangster!“ Ein paar Ermahnungen hat es auch gegeben: „Passt gut auf euren Körper auf – nicht nur, wenn ihr tanzt“ und sein Credo natürlich: „Habt Spaß beim Tanzen!“

Bereits nach 20 Minuten hat Kimberly ihre Turnschuhe ausgezogen – sie sind neu und Kimberly hat „schon Blasen an den Füßen“. Ja, Neno bringt schon Bewegung ins Leben. Die kleinere Gruppe tanzt nicht im großen Saal des Jugendheims, sondern im Kellerraum. Das hat den Vorteil, dass die Bewegungen im Spiegel kontrolliert werden können. Auch wenn die Tänzerinnen nicht immer zufrieden sind, mit dem was sie da sehen, für den Beobachter sieht das schon sehr professionell aus.

Nach bewegungsreichen 75 Minuten packen die Damen ihre Taschen zusammen. Kimberly seufzt: „Ich spüre den Muskelkater aufziehen“. Und Neno lacht – wie immer.

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