Der Nikolaus zieht wieder von Haus zu Haus ...

Von: agsb
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Wild und gefährlich sehen die schwarzen Kerle aus, die den Nikolaus durch Kirchhoven begleiten. Die Jungs vom Vinner Nikolausverein haben sichtlich Spaß bei ihrem Auftritt. Foto: agsb

Heinsberg-Kirchhoven. „Ich werde jetzt lieber und lieber!“ Das versprach die vierjährige Lina dem Nikolaus, der am vergangenen Donnerstag und am Freitag in Kirchhoven und Vinn an die Türen klopfte und sich Allerlei berichten ließ.

Der Schreiber notierte sich alles im großen heiligen Buch, der Kiepenträger verteilte leckere Sachen. Der sechsjährige Luca klammerte sich fest an seine Oma und ihm liefen die Tränen herunter. Ehrfurchtsvoll blickte er zum großen Nikolaus auf und erzählte von seinen kleinen Missgeschicken.

Die anderen Familienmitglieder saßen auf der Küchenbank und waren erstaunt, was der Kleine so alles berichtete. Sie mussten sehr schmunzeln. Luca beichtete und weinte dabei hemmungslos. Doch der Heilige Mann nahm ihm die Angst, und anschließend reichte ihm der Knirps sogar tapfer die Hand. Nach dem Erscheinen der „Schwarzen“ gelobte Luca hoch und heilig Besserung.

Unheimliche Gesellen

Die „Schwarzen“ machten ihre Sache auch sehr überzeugend, bei ihrem Gebrüll zuckten alle Anwesenden zusammen. „Die Schwarzen sind unheimlich, ihre Erziehungshilfe hat aber schon bei mir geholfen“, erzählte Mutter Rebecca. Sie dankte der Nikolaus-Truppe, dass sie diese Tradition weiter pflegten. „Wenn ihr nicht brav seid, klopfen Papa oder Mama dreimal am Kamin, dann kommen wir wieder“, lautet einer dieser „Erziehungssprüche“ der schwarzen Männer. Pech, wenn der Nachwuchs dann schlagfertig kontert: „Wir haben gar keinen Kamin.“

In der Regel ist der Respekt vor dem Nikolaus aber groß, vor den „Schwarzen“ noch mehr. „Früher hatten wir selbst richtig Bammel vor den ‚Schwarzen‘, erinnerte sich André Schwarzmann, der in diesem Jahr einen „Schwarzen“ spielt. Bevor der Nikolausverein Vinn am Donnerstag in Kirchhoven mit Schreiberling, Kiepenträger, Eseltreiber und Esel sowie fünf „Schwarzen“ von Haus zu Haus zog, traf er sich zu einer Schminkstunde im Feuerwehrgerätehaus in Kirchhoven. Die jungen Männer zogen sich Blaumänner an, wickelten sich schwere Ketten um den Leib und griffen dann tief in die Kiste mit Dosen und Tuben mit schwarzer Schuhcreme, flüssiger schwarzer Farbe, Schwämmen, Pinseln, Lippenstiften. Schon vom Öffnen der Kiste bekamen sie schwarze Finger. Doch das war lange nicht genug: Hände, Gesicht, Hals, alles wurde schwarz angepinselt. „Ein ‚Schwarzer‘ kann nie am nächsten Tag den Nikolaus spielen, die schwarze Farbe würde das weiße Gewand des Nikolaus beschmieren“, grinste Schwarzmann und blickte auf seine angemalten Hände.

Der Nikolausverein Vinn hegt und pflegt die Tradition, bereits vor 150 Jahren waren Männer in Vinn und Umgebung vor den Nikolaustagen unterwegs, um die Kinder zu besuchen. „Die Schwarzen gehören einfach dazu und wir sehen absolut keine Diskriminierung“, sagt Andre Schwarzmann zu den derzeitigen Diskussionen, die besonders in den Niederlanden laufen, den Mohren abzuschaffen.

Michael Pelzer ist seit sieben Jahren dabei, diesmal als Kiepenträger. „Wir wechseln untereinander. Ich war auch schon mal der Nikolaus“, sagt Pelzer.

Die Gruppe besteht ausschließlich aus Vinner Burschen ab 16 Jahren, wobei die Aufnahmeregeln klar definiert sind: Man muss ein Vinner Junge sein und unverheiratet. „Ich bin seit nun seit 14 Jahren dabei und nächstes Jahr läuft mein Vertrag aus“, lachte Nikolaus Thomas Schöbben in die Kamera des WDR.

Die Lokalzeit des WDR-Aachen hatte ein Filmteam geschickt, das die Truppe am Donnerstagnachmittag begleitete. „In der Regel bleibt man 10 bis 15 Jahre aktiv im Verein, so wie es der Vertrag vorsieht. Wird der Vertrag durch Heirat gebrochen, wird eine Strafe fällig. Bei mir wären es ein Fass Bier und ein Spanferkel“, erzählt der 33-Jährige vor laufender Kamera.

Der 2,02 Meter große Schöbben spielte den ehrfurchtsgebietenden Nikolaus, Markus Jennes den Schreiber, Michael Pelzer war Kiepenträger, Marc Schmitz mimte den Esel (das ist stets der Jüngste im Team), Thomas Melchers spielte den Treiber, die „Schwarzen“ waren Andre Schwarzmanns, Philip Sommer, Michael Schranz, Markus Geiser und Simon Heffels. Die übrigen Vereinsmitglieder (Matthias Schöbben, Manuel Jennes, Andreas Heffels, Jean-Pierre B., Timo Geiser, Henning Heffels, Tim Geiser, Leon Gorissen, André Smeetz, Thomas Cüppers, Markus Pelzer) waren im Serviceteam dabei und füllten unter anderem die Kiepe immer wieder mit Leckereien auf. Die Aktion wird mit Spenden aus der Bevölkerung finanziert.

„Wir sind an beiden Tagen meist von 15.30 bis 21.30 Uhr unterwegs, und danach sind die Kneipen an der Reihe“, lachte Michael Pelzer. Der erste Tag endete erst weit nach Mitternacht.

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