Der ausbleibende Frühling verschafft erste Probleme

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
5254014.jpg
Sie sind laut Detlef Chudziak „unkaputtbar“: Die bunten Hornveilchen zählen zu den Pflanzen, die selbst frostigen Nächten ohne Mühe trotzen. Foto: Rainer Herwartz
5253527.jpg
Nach dem Kalender müssten sie eigentlich schon blühen, die Forsythien, meint Andreas Plum.

Heinsberg. Mit Statistiken ist das ja so eine Sache. Meist verstehen es gewiefte Experten, ihre unterschiedlichen Thesen stets mit einem brillanten Zahlenwerk zu unterfüttern. Deshalb weiß der staunende Laie am Ende nie so recht, wer denn nun Recht hat. Doch was diesen Frühling angeht, der ja noch gar keiner ist, scheinen sich zumindest die meisten Meteorologen einig zu sein.

Neulich war gar zu lesen, es sei der längste Winter seit 1951. Und keiner hat widersprochen. Sei‘s drum. Fest steht jedenfalls, dass er Mensch, Tier und Pflanzenwelt auf eine ganz schön harte Probe stellt. Ein Blick in den meist noch trostlos dahindämmernden Garten legt da ein trauriges Zeugnis ab.

„Blumen, die in beheizten Treibhäusern vorgezogen wurden, haben weiche Blätter und befrieren oder erfrieren sogar, selbst wenn es eigentlich frostfeste Pflanzen sind“, weiß Detlef Chudziak, der ehemalige Heinsberger Gewerbevereinsvorsitzende und Pflanzenspezialist. Das sei auch der Grund, warum die Gärtnereien auf Primeln, Ranunkeln oder Vergissmeinnicht derzeit hocken bleiben. „Wenn sie dauerhaft über Jahre draußen gestanden haben, wird hingegen nichts geschehen“, ist Chudziak sicher. „Von den Blumen, die man sonst schon in dieser Jahreszeit sieht, findet man derzeit so gut wie keine. Irgendwie scheinen die Blumen zu wissen, wann für sie die richtige Zeit gekommen ist.“

Durch den langen Winter sei vieles zerstört worden. Vor allem Zwiebelblumen wie Narzissen oder Hyazinthen, die zeitig ausgetrieben waren, seien davon betroffen. Stiefmütterchen oder Hornveilchen seien dagegen „quasi unkaputtbar. Selbst wenn diese nach einer frostigen Nacht die Köpfe hängen lassen, erholen sie sich mit den nächsten Sonnenstrahlen wieder“.

Der Frost an sich sei ohnehin nicht so dramatisch, erläutert der Experte mit dem grünen Daumen. „Aber es ist die Kombination von den kalten, klaren Nächten und dem daraus resultierenden gefrorenen Boden und der Sonne am darauffolgenden Tag. Dann beginnen die Pflanzen zu transpirieren, weil sie oberirdisch auftauen, können aber kein Wasser ziehen, weil der Boden nach wie vor gefroren ist.“ Das bedeute dann meist den sicheren Exitus. „Lägen die Blumen hingegen unter einer dichten Schneedecke, gäbe es bis minus zehn Grad keine Probleme.“

Bei den Bäumen und Gehölzen sieht die Lage weit weniger prekär aus. „Den Gehölzen macht das eigentlich überhaupt nichts“, sagt Andreas Plum von der Baumschule in Unterbruch. Er sieht es daher auch eher gelassen, dass die Natur zwei bis drei Wochen im Vergleich zum Vorjahr hinterherhinke. „Im letzten Jahr haben jetzt schon die Forsythien geblüht. Das ist nun noch nicht der Fall.“ Umgekehrt geht‘s allerdings auch. „Die Zaubernuss, ein klassischer Winterblüher, ist um diese Zeit normalerweise schon verblüht, steht aber durch die kühlen Temperaturen noch in voller Pracht.“

Wer Sträucher und Bäume pflanzen möchte, brauche sich trotz der immer noch vorherrschenden Kälte nicht zurück zu halten. Sie könnten problemlos eingesetzt werden.

Und was ist mit dem Förster, der unlängst gegenüber unserer Zeitung davon berichtete, dass die jungen Bäumchen nach dem Pflanzen durch den gefrorenen Boden oft verdursteten? Das liege an der Art des Pflanzen, erklärt Plum. Da bei Aufforstungen in Waldgebieten häufig mehrere tausend Baumpflanzen eingesetzt würden, geschehe dies aus Kostengründen als sogenannte „wurzelnackte Pflanzen“. Das bedeute, dass sie nicht über einen schützenden Ballen verfügten. „Ich würde den Gartenfreunden raten, pflanzen sie lieber jetzt oder in der nächsten Woche, dann müssen sie deutlich weniger wässern, als wenn sie im Juni pflanzen.“

So entspannt wie Andreas Plum kann Franz-Josef Geiser den verspäteten Frühling nicht sehen. „Es kommt nichts“, beantwortet er die Frage nach seinem Spargel, den er in großem Stil anbaut. Normalerweise könne Mitte April geerntet werden. Doch daraus wird in diesem Jahr wohl nichts, denn unter den Folien reckt sich noch kein Köpfchen gen Himmel. Vor Ende April rechnet Geiser nicht mit den ersten Stangen.

Das fatale dabei sei: „Wenn das erste Kilo nicht da ist, wenn die Kunden kommen, bleiben sie auch später weg.“ Das liege zum Teil daran, dass in den Restaurants die Spargelsaison in jedem Fall eröffnet werde und so trotzdem die Lust auf das weiße Gold gestillt werden könne. Die Menschen seien heute verwöhnter als noch vor 30 Jahren. Damals, so erinnert sich Geiser, als noch keine schützenden Plastikfolien zum Einsatz kamen, habe die Spargelsaison erst Mitte Mai begonnen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert