Waldfeucht-Obspringen - Cutting: Cowboy aus Obspringen ist Europameister

Weltmeisterschaft Weltmeister WM Pokal Russland Fifa DFB Nationalmannschaft

Cutting: Cowboy aus Obspringen ist Europameister

Von: dawin
Letzte Aktualisierung:
8416879.jpg
Der Cutting-Europameister in Aktion: Janek Vlüggen aus Obspringen gewann mit seinem schwarzen Hengst „Acres of Shoes“ im bayerischen Kreuth den Titel. Repro: dawin
8416655.jpg
Vater und Sohn erfolgreich im Parcours: Janek Vlüggen (l.) und Sohn Robin präsentieren die Pokale. Foto: dawin

Waldfeucht-Obspringen. Cutting? Nie gehört. Kein Wunder. Dahinter verbirgt sich eine Sportart, die in Deutschland eher ein Nischendasein führt. Freunde des Pferdesports wissen, vielleicht, wo es lang geht. Einer, der das Wort mit englischsprachigen Wurzeln nicht besser erläutern könnte, ist Janek Vlüggen.

Der Mann aus dem kleinen Waldfeuchter Ortsteil Obspringen ritt im August aus, um im Cutting der Amateure Europameister zu werden. In der Kreuther Ostbayernhalle bewies der 54-Jährige mit niederländischem Pass der internationalen Konkurrenz, dass er momentan der Beste in dieser Disziplin ist. Sohn Robin, 26, machte es ihm – fast – gleich und holte in der Open Class (für Profis) den Vize-Titel. Damit kann notiert werden: In Obspringen, in einem restaurierten Bauerngehöft in der Ringstraße, ist also die Europa-Elite der Cutting-Reiter zu Hause.

Cutting, der Begriff verrät es bereits, ist eine Sportart, die aus den USA, genauer gesagt aus Texas, herüberschwappte. Texas ist bekanntlich die Heimat der Cowboys. Und wo Kuhhirten sind, sind die Kuhherden auch nicht weit. „Was die Cowboys professionell betreiben, hat sich dort, aber inzwischen auch in Europa, natürlich nicht in der Breite, zu einem faszinierenden Sport entwickelt“, erklärt Janek Vlüggen, der seit zwölf Jahren bei Turnieren dabei ist. Die (Spiel-)Regeln bestimmen die Initiatoren jenseits des großen Teichs. Die Pferde, die im Parcours zugelassen werden, sind ausschließlich American Quarter Horses. Und die Organisation der Europameisterschaft, die im Übrigen in Kreuth zum 25. Mal stattfand, obliegt der American Quarter Horses Associaton mit immerhin einer Million Mitgliedern. Die Juroren, die nach strengen Kriterien die Akteure beäugen, reisen eigens aus den USA an.

So viel, so gut. Doch was haben Ross und Reiter beim Cutting zu tun? „Cutting heißt zu deutsch: herausschneiden. Und genau das müssen wir tun. Unsere Aufgabe ist es, jeweils in drei Durchgängen, die insgesamt nur zweieinhalb Minuten dauern, eine Kuh von der Herde zu trennen“, präzisiert der Obspringener das Prozedere, das sich am zweiten Wettkampftag nochmals so wiederholt. „Wenn du auf die Herde zureitest, ist es wichtig, die richtige Kuh auszuwählen, wir sagen: du musst die Kuh lesen“, erläutert er.

Im Klartext: das Rindviech sollte nicht schlauer sein als das Pferd und es sollte genügend Schnelligkeit und Energie besitzen, „damit du die Richter beeindrucken und Punkte sammeln kannst“. Das Pferd, das ohne Zügel, nur mit den Beinen dirigiert wird, muss blitzschnell reagieren und im spiegelbildlichen Hin und Her die Kuh von der Herde trennen. „Der professionelle Cutter in Texas macht dies, um Tiere, die etwa krank sind oder ein Brandzeichen erhalten, auszusondern“, erklärt Vlüggen. Ausgezeichnete Helfer sind dabei die American Quarter Horses. Sie würden verschiedene Rassen in sich vereinigen, genetisch seien vor allem das Zugpferd und der Vollblüter erkennbar, meint Vlüggen, der es wissen muss. Er ist schließlich ein erfolgreicher Osteopath für Pferde und schult in den USA sowie in Deutschland Tierärzte und Physiotherapeuten in Sachen Osteopathie, also im Wissen um den Bewegungsapparat der Vierbeiner.

Die Cutting-Pferde sind besondere Züchtungen, und ein gutes Turnierpferd kann seinem Besitzer in den USA Millionen Dollar einbringen. Doch die Vlüggens sehen das Cutting nicht als Möglichkeit, das große Geld zu machen. „Für uns ist das ein tolles Hobby, das wir mit viel Leidenschaft betreiben. Das Leben mit den Pferden ist uns wichtiger“, sagt Janek Vlüggen, der Osteopath. So laufen seine fünf Quarter Horses „barfuß“, ohne Hufeisen. „Dafür haben wir uns zwar viel Unverständnis eingehandelt, aber die jüngsten Erfolge haben uns einmal mehr recht gegeben“, sagt er ein wenig trotzig und zeigt auf die von ihm und Robin jüngst eingeheimsten Pokale. Dabei vergisst er auch nicht den Namen eines weiteren Hauptakteurs: „Acres of Shoes“. Der 14-jährige, schwarze Hengst – in den USA gekauft und dort weitgehend ausgebildet – machte ihn zum Europameister und den Sohn zum Vize-Meister. „Wir haben alles richtig gemacht“, bilanziert der Pferdefreund nicht ohne Stolz.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert