Heinsberg - Café Samocca schafft Jobs für Menschen mit Behinderung

Café Samocca schafft Jobs für Menschen mit Behinderung

Von: Anna Petra Thomas
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Annelie Lintzen (links) und Gisela Schäfers beim Rösten des ersten Kaffees im Café Samocca. Foto: anna

Heinsberg. Wenn am kommenden Samstag, 15. März, das neue Begas-Haus seine Türen öffnet, kann der Freund der Kunst und der regionalen Geschichte seinen Rundgang gleich nebenan mit einer guten Tasse Kaffee abrunden, der gleich vor Ort geröstet und frisch aufgebrüht wird.

Denn zeitgleich mit dem Begas-Haus eröffnet die Lebenshilfe Heinsberg auf der anderen Seite des Torbogens im ehemaligen Haus Lennartz ihr Café Samocca in einem eindrucksvollen Kaffeehaus-Ambiente.

Neben den umfassenden Bau- und Einrichtungsarbeiten für das Museum ist das neue Café parallel und doch kaum wahrgenommen entstanden. Es ist das zweite seiner Art im Kreis Heinsberg. Anders als in Wegberg wird die Lebenshilfe in Heinsberg ihren Kaffee jedoch selbst vor Ort rösten, ihn in verchromten Schütten eindrucksvoll präsentieren und frisch aufbrühen, wenn der Kunde seine Wahl getroffen hat.

Samocca ist ein Projekt des Samariterstifts Neresheim, einer Einrichtung für behinderte und psychisch kranke Menschen. Dessen Ziel ist es, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Und so werden auch im Heinsberger Samocca zwölf neue Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung entstehen.

Das komplette Design für die Inneneinrichtung des Cafés hat die Lebenshilfe vom Projekt Samocca übernommen, gefertigt wurde sie mit Ausnahme von Tischen und Stühlen jedoch von den Mitarbeitern der eigenen Schreinerei in Oberbruch.

Geleitet wird das neue Café von Lebenshilfe-Küchenchef Uwe Heider und im Service von Gisela Schäfers, die zuvor bei der Lebenshilfe im Bereich Arbeits- und Berufsförderung tätig war, sowie von Annelie Lintzen, die ebenfalls bereits auf 23 Jahre Tätigkeit bei der Lebenshilfe zurückblicken kann.

Das Café Samocca bietet in zwei Räumen auf einer Fläche von rund 120 Quadratmetern 60 Sitzplätze und im Sommer im Innenhof des Museums noch einmal 60 Plätze. Eindrucksvoll ist im rückwärtigen Teil des Museums die erhaltene Stadtmauer. Auf der anderen Seite kann der Gast durch eine großzügige Glasfront den ungestörten Blick auf das Museumsgebäude genießen.

Acht verschiedene, in einer eigenen Anlage geröstete Kaffees bietet Samocca an – und das nicht nur zur Verkostung vor Ort, sondern auch im Verkauf. Sie kommen aus Äthiopien, Brasilien, Guatemala, Indien, Indonesien und Kolumbien. In 60-Kilo-Säcken werden sie aus dem Hamburger Freihafen direkt nach Heinsberg gebracht.

Je 15 Kilogramm fasst der eigens im Café installierte Kaffeeröster in einem Arbeitsgang. Gleich daneben steht eine geeichte Waage. „Beim Rösten verliert der Rohkaffee an Gewicht“, erklärt Annelie Lintzen. So blieben beim jüngsten Röstvorgang vom Anfangsgewicht noch 14,3 Kilogramm übrig.

„Und die müssen wir hier vor Ort verzollen“, sagt sie und erläutert damit zugleich, warum das Café jetzt ein sogenanntes Zolllager ist. 2,19 Euro muss die Lebenshilfe pro Kilogramm gerösteten Kaffees an Zoll zahlen.

Erhältlich sein wird der Kaffee im Café sowohl ungemahlen als auch gemahlen, je nach Wunsch des Kunden. „Der Mahlgrad ist sehr wichtig für die Qualität“, weiß Annelie Lintzen, die noch eine weitere Besonderheit des Heinsberger Kaffees hervorhebt: „Normalerweise wird Kaffee bei 400 Grad geröstet“, erklärt sie. „Wir rösten hier bei nur 200 Grad. Das dauert länger, aber der Kaffee ist deutlich magenschonender.“

Neben Kaffee wird das Café Samocca auch weitere Getränke anbieten, dazu etwa biologisch hergestellte Trinkschokolade und Tees, die fair gehandelt sind, oder auch Wein und Sekt von der Lebenshilfe Bad Dürkheim. Vom neuen Konditor der Lebenhilfe kommen hausgemachte Kuchen, darunter auch „Cupcakes“, verschiedene Frühstücksangebote und weitere „Delis“, sogar ein „Junior-Deli“ fürs Baby.

Für die Zukunft plant das Café darüber hinaus auch kulturelle Angebote für Menschen mit und ohne Behinderung, etwa in Form von Lesungen, Schreibwerkstätten oder kleinen Konzerten. „Wir wollen das Café gleich neben dem Begas-Haus ebenfalls als Kulturraum mit Leben füllen“, erklärt Michael Kleinen, Pressesprecher der Lebenshilfe.

Ein erster Schritt dazu und sicherlich ein Sammler-Tipp werden die eigenen Bierdeckel sein, die das Café in den nächsten Wochen einführen wird. Ansichten des Begas-Hauses und Motive der Gemälde in der Ausstellung werden sie zeigen.

Geöffnet ist das neue Café Samocca ab dem 15. März immer dienstags bis sonntags jeweils von 9 bis 18 Uhr. Eine große Eröffnungsfeier wird es mit Rücksicht auf die Menschen mit Behinderung, die im Café arbeiten, nicht gleich zu Beginn, sondern voraussichtlich erst im Mai dieses Jahres geben.

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