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Bürgermeister Schrammen kontert Heldens Kampfansage

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Auf den Spielplatz gegenüber dem Waldfeuchter Rathaus ist Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen besonders stolz. Er symbolisiert für ihn ein Stück weit die vorwärtsgerichtete Arbeit in der Kommune für künftige Generationen. Foto: Rainer Herwartz
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Ort der Entscheidungen: Am 25. Mai werden jedoch zunächst die Wähler entscheiden, wer demnächst im Waldfeuchter Rathaus das Sagen hat.

Waldfeucht. Die Kampfansage war eindeutig, und der Fehdehandschuh lag bereits im Staub. Kein Wunder, dass Waldfeuchts Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen ihn aufnahm, um seinem alten und neuen Widersacher Johannes von Helden im politischen Ringen um den Chefsessel der Gemeindeverwaltung Paroli zu bieten.

Schließlich hatte von Helden ja bereits in unserer Zeitung mächtig vorgelegt und dem jetzigen Amtsinhaber eine Reihe von Vorhaltungen gemacht. Die Palette reichte vom Nichtstun bis zur Fehlentscheidung.

„Nach der letzten Kommunalwahl habe ich bewusst auf ein Nachkarten im Hinblick auf die Leistungen meines Vorgängers verzichtet. Ich hatte dazu keinerlei Motivation. Doch einen Großteil seiner jetzt gemachten Aussagen möchte ich nicht unkommentiert lassen“, sagt Schrammen, um gleich mit einer äußerst bemerkenswerten Petitesse zu starten, die eindrucksvoll belegt, wie tief offenbar die Gräben zwischen den beiden Kontrahenten sind. „Eins vorweg: Seinerzeit hat Herr von Helden mir nicht zu meiner Wahl gratuliert und sich einer Übergabe der Amtsgeschäfte verweigert.“

Den pauschalen Vorwurf, dass sich in der Gemeinde in den letzten fünf Jahren nichts getan habe, weise er zurück, so Schrammen. „Ich nenne hier beispielhaft die Fertigstellung und den Verkauf der meisten Grundstücke in den Neubaugebieten Im Hufenrath in Obspringen und An der Flachsroth in Bocket und die Umwandlung der Verbundschule zur Sekundarschule mit Mensabau.“

Zudem sei der Einstieg in die Versorgung mit schnellem Internet durch den Glasfaserausbau in Haaren und Obspringen und die Ausbauzusage für Bocket, Braunsrath, Selsten, Schöndorf, Hontem und Löcken gelungen. „Hervorheben möchte ich jedoch besonders das ehrenamtliche Engagement unserer Bürger wie zum Beispiel bei der Erneuerung des Vorplatzes der Begegnungsstätte Oase in Obspringen und des alten Schulhofes in Bocket, die Instandsetzung der Kriegsmahnmale in Brüggelchen, Bocket und Braunsrath sowie der Wegekreuze in Waldfeucht und die Pflege des Klostergartens Maria Lind in Braunsrath.“ Im Übrigen sei man derzeit dabei, die Kinderspielplätze in Bocket, Obspringen und Braunsrath neu zu gestalten.

„Nun wird Herr von Helden das eine oder andere für sich reklamieren. Das entspricht jedoch nur teilweise der Wahrheit. Ich nehme hier das Beispiel des Neubaus des Edeka-Marktes. Richtig ist, dass dies von Herrn von Helden mit ini-tiiert wurde. Was er jedoch verschweigt ist, dass die Grundstücksverhandlungen zwischen ihm und einem Eigentümer gescheitert waren. Erst nachdem ich selbst die Sache in die Hand genommen habe, wurde eine für alle Beteiligten faire Lösung gefunden und nun wird der Markt realisiert.“

Politische Beschlüsse für Bauvorhaben seien das eine – danach fange die Arbeit jedoch erst an, so Schrammen. „Dann gilt es vor dem Umsetzen die Bürger einzubinden und durch Gespräche, Zuhören und Erklären die Akzeptanz für ein Vorhaben zu gewinnen. Bei mir werden Dinge erst einmal zu Ende geführt, bevor neue Vorhaben präsentiert werden!“ Und direkt an von Helden gerichtet: „Ich bleibe dabei: Das, was von ihm seinerzeit alles initiiert wurde, grenzte teilweise an wilden Aktionismus und war deshalb von vorne herein zum Scheitern verurteilt.“

Auch die Realisierung der Gewerbegebietserweiterung in Haaren habe nichts mit irgendwelchen Grundstückskäufen der Gemeinde zu tun, wiegelt der Bürgermeister ab. „Die Gemeinde ist zur Zeit Eigentümerin von etwa 30 Prozent der Flächen im Bebauungsplangebiet und hat diese Flächen im Flurbereinigungsverfahren und durch Zukäufe unter meiner Regie erhalten. Die Realisierung wurde maßgeblich durch die hohe Akzeptanz der Anwohner im Bereich Am Haas und der Grundstückseigentümer herbeigeführt. Dies war das Ergebnis der frühen Einbindung der Betroffenen in den Entscheidungsprozess.“

Auch die Schließung der Schule in Braunsrath vergisst Schrammen nicht in seiner „Klarstellung“. „Es war für uns alle ein schmerzhafter Schritt. Wir konnten jedoch nicht die Augen vor sinkenden Schülerzahlen verschließen. Im Übrigen stieß das schulische und pädagogische Angebot an seine Grenzen. Im Schulzentrum Haaren stehen allen Kindern zwei Turnhallen, ein Schwimmbad, zwei Sportplätze, ein Werkraum, eine Lehrküche, Film- und Computerräume, Mensa und noch vieles mehr zur Verfügung.

Dies hat auch die Elternvertreter in der Schulkonferenz in Braunsrath dazu bewogen, den einstimmigen Beschluss zur Auflösung mit zu tragen. Wir haben auch eine Nachfolgenutzung der Schule organisiert. Neben den Ortsvereinen, der Feuerwehr und der Cluster-Kopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppe ist der größte Teil der Schule seit dem 1. April an eine Firma, die im Bereich der Erwachsenenbildung tätig ist, vermietet.“

Für den Schluss hat sich Schrammen die Finanzpolitik der Gemeinde aufgehoben. Johannes von Helden hatte sich bekanntlich über die Schuldenentwicklung mokiert. „Am 1. Januar 2014 betrug der Schuldenstand der Gemeinde Waldfeucht 11,65 Millionen Euro. Dies ist für uns alle kein zufriedenstellender Zustand. Hauptursache hierfür ist jedoch die radikale Verminderung der Schlüsselzuweisungen des Landes NRW um jährlich zwischen 1 und 1,8 Millionen Euro. Mit dem genehmigten Haushaltssicherungskonzept und dessen Fortschreibung ist es uns jedoch gelungen, eine Perspektive für den Haushalt der Gemeinde bis 2023 und darüber hinaus aufzuzeigen.“

Und dann bläst Schrammen richtig zur Attacke: „Falls Herr von Helden eine Bilanz seiner Amtszeit möchte, kann ich diese gerne liefern: Beim ersten von Herrn von Helden festgestellten Haushalt betrugen die Rücklagen der Gemeinde Waldfeucht mit Stand vom 1. Januar 2000 plus 4,07 Millionen Euro. Im letzten von Herrn von Helden festgestellten Haushalt waren in der Finanzplanung mit Stand für den 1. Januar 2013 14,3 Millionen Euro Schulden vorgesehen. Das hätte per Saldo eine Verschlechterung von 18,4 Millionen Euro bedeutet!“ Der Wahlkampf dürfte spannend werden in Waldfeucht.

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