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Besonderheit des österreichischen Humors

Von: hl
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Erkelenz. „Der unsterbliche Österreicher“ hieß das Sondergastspiel, zu dem die Kultur GmbH in die Stadthalle eingeladen hatte. Es ging dabei um den nicht so sehr bekannten österreichisch-jüdischen Journalisten, Essayisten, Erzähler und Redner Anton Kuh (1890-1941).

Was dessen Polemiken, Satiren und Anekdoten mit Erkelenz zu hatten, wurde durch den Sänger, Theater-, Filmschauspieler und Sänger Stephan Paryla-Raky deutlich, einen Enkel des legendären „Bohr“-Gründers und Ehrenbürgers der Stadt Erkelenz, Anton Raky, dessen Todestag sich 2013 zum 70. Mal jährt.

Es gehörte einiges an Einfühlungsvermögen und auch an historischen Kenntnissen über die K.-u.-k.-Monarchie mit ihren vielen Ethnien dazu, um immer den Texten von der Bühne herab folgen zu können. Auch der besondere Dialekt dieser längst vergangenen Zeit bereitete manche Schwierigkeit beim Verstehen. Österreichischer Humor ist eben ein anderer als der rheinische.

Geistreiche Bemerkungen

Lassen wir diese Einschränkungen einmal beiseite, so war der Abend voller Witz, Humor, geistreichen Bemerkungen zu einer längst vergangenen Zeit, in der sich ein reiches kulturelles Erbe mit dem heraufziehenden Nationalsozialismus und seinen Schrecken mischten. Und dieses Gemenge aus politischen Zuständen, verbunden mit den anekdotenreichen Facetten eines hellsichtigen und kritischen Geistes, wie es Anton Kuh war, machte das Besondere dieses Gastspiels aus, das im Rezitator einen all diesen Umständen gewachsenen Sprachkünstler vorzuweisen hatte.

So waren etwa die „Neujahrsrede eines Besoffenen anno 1913“, der Disput eines Österreichers mit einem Düsseldorfer, die bizarre Geschichte von der Verlagerung eines Irrenhauses (so hieß das damals) in eine Baracke, bei der die Rückwand fehlte, oder die Auslassungen eines betrunkenen Straßenbahnfahrers, der unbedingt seine Vergangenheit als Matrose auf einem Handelsschiff anhand einer Tätowierung auf seinem Hinterteil demonstrieren wollte.

Zwei Wochen vor dem „Anschluss“ und damit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich fragte Kuh in seiner letzten Wiener Stegreifrede (wegen dieser Kunst sprach Nietzsche von einem „Sprechsteller“): „Sind die Juden intelligent?“ und er mahnte: „Wenn ja, rettet Euch. Es ist höchste Zeit.“

Beklemmung im Saal

Diese Hellsichtigkeit wurde besonders deutlich, als Paryla-Raky nach der Pause die Charakterisierung des „Anstreichers“ Hitlers und die Beschreibung des Antisemitismus vortrug. Die Beklemmung im Saal war direkt zu spüren. Auch war es ja nicht weit von den Zuständen in Österreich zum 11. September 1938 in Deutschland.Anton Kuh war Zeit seines literarischen Schaffens auch ein großer Schnorrer.

So sagte er über Friedrich Torberg: „Das ist ein unkollegialer Kollege. Er nimmt Vorschuss und liefert pünktlich. Ich habe ihn schon einige Male dabei ertappt.“

Und auch an Selbstironie fehlte es Kuh nicht. Wenn er sich vorstellte, fügte er seinem ungeliebten Namen „Kuh“ gleich hinzu „alle Witze schon gemacht“. Und auf die Frage eines Freundes nach dem Grund seiner Aggressivität antwortete er: „Wenn einer Kuh heißt und ernst genommen werden will, muss er so tun, als wäre er ein Stier.“

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