Beruf Apotheker: Vom Pillendreher zum Allround-Talent

Von: Laura Beemelmanns
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Immer noch sind das umfangreiche Wissen und die Kompetenz der Apotheker gefragt. Fotos (2): Laura Beemelmanns Foto: Laura Beemelmanns
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Susanna Porylo (PTA) mischt eine Salbe. Das geht heutzutage zum Teil auch mit Hilfe eines Mischgerätes.

Erkelenz. Er beschreibt sich selbst als „Dinosaurier des Berufes“, blickt auf über 40 Jahre Erfahrung zurück, hat in 48 Apotheken gearbeitet und in seinem Kopf haben sich weit mehr als 15.000 Medikamente breit gemacht: Hans Kühle (69). Kühle ist Sprecher der Apotheker für den Kreis Heinsberg und nimmt den Tag der Apotheken zum Anlass, zurückzuschauen. Wie hat sich der Beruf verändert? Mischt er noch viele Medikamente selbst? Und was steht heute noch im Giftschrank?

Der 13. Juni ist der Tag der Apotheken. Der bundesweite Aktionstag wurde im Jahr 1998 erstmals von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ausgerufen. Dadurch wollen Apotheken auf die Bedeutung ihres Heilberufes für die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung aufmerksam machen. Denn: Apotheker tun weitaus mehr, als für den Kunden sichtbar ist. „Für den Betrachter hat sich die Arbeit im Laufe der Jahre verändert. Im Hintergrund findet aber nach wie vor die Herstellung von Salben, Zäpfchen, Kapseln und Chemotherapien statt“, sagt Kühle.

Und er muss es wissen. Er ist Apotheker in der dritten Generation. Bereits sein Vater und Großvater waren Apotheker. Nach vielen verschiedenen Stationen in ganz Deutschland, die er während seines Studiums besuchte, machte Kühle sich schließlich im Jahr 1979 selbstständig. Seither ist er für seine Kunden im Einsatz – und das zum Teil bis spät in den Abend hinein.

„Chemotherapien stelle ich beispielsweise erst gegen 22 oder 23 Uhr her. Ich muss dafür den Kopf frei haben und mich konzentrieren“, sagt der Apotheker. Zäpfchen, Augensalben und Chemotherapien müssen dabei mit besonderer Vorsicht hergestellt werden. Gerade bei Kindern ist die Dosierung enorm wichtig. „Die Industrie stellt solch eine geringe Dosierung nicht her“, sagt Kühle. Dann sind die Apotheker gefragt. Sie sind für die Kleinkinddosierungen verantwortlich.

Das war so und wird wohl auch erstmal so bleiben. Aber es hat sich etwas getan: „Die Technik hat sich verbessert. Wir stellen Salben mit einem Mischgerät her. Dabei gibt es Fehlerkontrollen, eine Endkontrolle und wir schreiben Protokolle. Die Qualität muss nachweisbar sein.“ Etwa fünf bis acht Rezepturen werden pro Tag angefertigt. Früher, so um das Jahr 1950, stellte man noch viel für einen gut gefüllten Vorratsschrank her. Hustensaft beispielsweise. „Einzelne Dinge wurden damals noch in größerer Menge hergestellt. Das waren dann schon mal fünf Kilo Hustensaft“, erinnert sich Kühle.

Heute werden die Mischungen eher spontan angefertigt. Zumeist erreicht ein Fax oder Rezept die Apotheke. Am nächsten Tag kann der Kunde die Salbe oder Kapseln abholen. Pillen werden nicht mehr im klassischen Sinne gedreht. Es werden vielmehr Kapselhüllen fertig geliefert. Diese befüllen die Apotheker dann mit den entsprechenden Wirkstoffen. Auch ist der Giftschrank längst nicht mehr voller Chemikalien. In dem von Hans Kühle stehen Betäubungsmittel. „Das ist für die Altenheimversorgung“, sagt er. Rund 40 Rezepte pro Monat kommen aus den Seniorenzentren.

In unserer Zeit gebe es circa 300 000 Medikamente auf dem Markt. Kühle sagt, dass er zwischen 15.000 und 17 000 davon auch in seiner Apotheke hat, beziehungsweise immer mal wieder mit ihnen zu tun hat. Vor 60 Jahren waren das noch 5000. „Auf dem Land ist die Palette kleiner, aber hier, wo das ärztliche Umfeld groß ist, ist auch die Palette größer“, sagt er. Hinzu komme, dass viele Versicherungen Rabattverträge mit Pharmaunternehmen abschließen.

„Oft können wir das Medikament, was ein Kunde schon jahrelang bekommen hat, nicht mehr rausgeben, weil Versicherung und Pharmaunternehmen einen neuen Vertrag abgeschlossen haben“, berichtet Kühle, und „das kann oft sehr schnell gehen.“ Dann ist der Apotheker in der Pflicht. „Wir müssen den Kunden dann erklären, wieso wir plötzlich ein anderes Medikament rausgeben. Oft variieren dann die Packung, die Form der Tabletten und deren Farbe. Das verunsichert die Kunden.“ Die Wirkstoffe seien aber die gleichen. „Heute sind wir vielmehr auch als Berater tätig“, sagt Kühle. In der Apotheke entstehen viele Diskussionen, in denen er die Problematik mit den Rabattverträgen versucht zu erklären.

Das habe es in dieser Form früher nicht gegeben. Aber all die Diskussionen haben auch ihre Vorteile. „Wir haben viel Erfahrung und kennen uns gut aus“, sagt Kühle. „Wer auch mal nachfragt und sich ein wenig offenbart“, der könne wertvolle Tipps erhalten und – im Fall von Hans Kühle – von drei Generationen Wissen profitieren.

Der Apotheker ist eben längst mehr als der klassische „Pillendreher“. Er ist Gesundheitsunternehmer.

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