Beinahe wie eine „WM des Glaubens“. . .

Von: Rainer Herwartz
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Für Propst Markus Bruns (links) und Pfarrer Sebastian Walde ist das Weihnachtsfest immer noch etwas Besonderes. Foto: anna

Heinsberg. Nur noch einmal schlafen, dann ist es soweit. Die Adventszeit nähert sich mit der Heiligen Nacht ihrem Höhepunkt. Die Menschen feiern die Geburt Jesu. So sollte es jedenfalls sein. Oftmals gerät dies jedoch angesichts stressiger Vorbereitungen, eines Einkaufsmarathons in Sachen Geschenke und wahrer Küchenschlachten zur Vorbereitung eines besonders üppigen und schmackhaften Weihnachtsmenüs ins Hintertreffen.

Und das alle Jahre wieder . . . Auch Propst Markus Bruns und sein evangelischer Kollege in Glaubensfragen, Pfarrer Sebastian Walde, wissen um diese beinahe schon ritualisierten Verhaltensweisen zum Fest der Liebe. Wie sie selbst die Feiertage erleben und welche Empfindungen der Heilige Abend bei ihnen auslöst, ließen sie sich in einem kleinen Plausch mit unserer Zeitung entlocken. Seit 20 Jahren sei er nun schon Priester, sagt Markus Bruns. „Aber es ist jedes Jahr aufs Neue etwas Besonderes“, meint er. Auch er praktiziere da so seine Rituale. „Immer am 23. werden der Baum geschmückt und eine Weihnachts-CD eingelegt. Auch das Weihnachtsessen wird vorbereitet, so dass ich es am Heiligen Abend nur noch in den Backofen schieben muss“, verrät Bruns. Traditionell gibt es bei dem Geistlichen übrigens Schweinefilet mit Crème-fraîche überbacken. „Das haben wir schon so gemacht als Mutter noch lebte“, sagt Bruns. Seine Schwester wird auf jeden Fall mit dabei sein, wenn der Braten irgendwann nach der 17 Uhr-Messe, die er selbst halten wird, auf den Tisch kommt.

Doch es seien natürlich nicht nur diese recht privaten Dinge, die das Weihnachtsfest für ihn zu etwas Besonderem am Ende eines jeden Jahres machten. Schon die Vorbereitung der Liturgie und der Texte, das Proben mit den Messdienern und selbst das Schmücken der Kirche lösten immer wieder Emotionen bei ihm aus, erklärt Bruns.

„Ich habe das Fest in all den Jahren stets in dieser festlichen Spannung erlebt. Die Atmosphäre hat sich in den 20 Jahren als Priester nicht verändert. Die Botschaft von der Liebe, Menschenfreundlichkeit und des Friedens haben an Heiligabend Hand und Fuß bekommen. Haben bekommen und bekommen es immer noch durch die Leute, die miteinander Weihnachten feiern.“

Manche Menschen lassen sich nur einmal im Jahr, eben am Heiligen Abend, in der Kirche blicken. Stört ihn das? „Ich freue mich über jeden, der kommt“, sagt Bruns. „Da ist sicher eine Sehnsucht nach Festlichkeit und Harmonie, aber auch die Bereitschaft, die Botschaft von Weihnachten zu hören.“ Was er sich wünsche, wenn er denn einen Wunsch frei habe zum Fest der Feste? „Ich wünsche mir mehr gelebte Menschlichkeit, jetzt auch ganz besonders im Blick auf die vielen Flüchtlinge, eine größere Erkennbarkeit, als Christ zu leben. Christus muss auch in den Menschen selbst geboren werden.“

Auch Sebastian Walde freut sich über „jeden, der am Heiligen Abend zu uns in den Gottesdienst kommt. Wenn ich im Anschluss jedem an der Tür noch einmal zum Abschied die Hand reiche und frohe Weihnachten wünsche, spüre ich, dass der Funke übergesprungen ist. Manche Menschen werden dann wieder wie kleine Kinder“.

Fünf Gottesdienste stehen am Heiligen Abend auf Waldes Programm zwischen 19 und 22 Uhr. Irgendwo dazwischen gibt es dann Kartoffelsalat mit Würstchen. „Schon vor Jahren haben meine Frau und ich vereinbart, uns nichts mehr zu schenken.“ Die Liebe zu einem Menschen sei das eigentliche Geschenk und werde so wieder stärker in den Fokus gerückt „als wenn man noch eine Krawatte hinzu gibt“, glaubt Walde.

Auch er ist schon lange in Amt und Würden. Seit 1998 arbeitet er als Pfarrer für seine Gläubigen. „Beruflich gesehen ist das Weihnachtsfest für mich eine Herausforderung, weil viele Menschen sich auf das Fest freuen. Es ist ja beinahe so etwas die die WM des Glaubens. Das Fest berührt mich aber auch persönlich. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Welt mit allen Regeln und kommerziellem Streben eine Unterbrechung erfährt. Das Besondere an Weihnachten ist für mich, dass zu Weihnachten der Glauben wieder Nahrung bekommt. Nicht alles, was so ist wie es ist, muss auch so bleiben. Ich denke da vor allem an die Menschen, die sich gerade in einer Lebenssituation befinden, die überschattet ist von traurigen Ereignissen. Das Fest kann hier vielleicht eine Tür der Hoffnung öffnen.“

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