AVK-Innovationspreis: Still und heimlich dem Erfolg entgegen

Von: Rainer Herwartz
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Bohrwerksdreher Kirk Donner bedient den Roboter, der eine Preform auf Basis eines speziellen Garntyps herstellt. Wie‘s genau funktioniert, ist streng geheim. Foto: Rainer Herwartz
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Geschäftsführer Fred Horst (links), Bruno Diogo (Mitte) und Technikumsleiter Igor Klasinc am Prototypen einer Preform für die Luftfahrt. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg-Oberbruch. Außerhalb des Sicherheitszaunes an der Industrieparkstraße lässt sich kaum etwas erahnen von dem, was sich da in dem langgezogenen Gebäudekomplex von Toho Tenax abspielt. Unbefugte können das Gelände ohne Einladung erst gar nicht betreten. Qualmende Schornsteine oder Produktionslärm? Fehlanzeige! Stünden nicht etliche Pkw auf den Parkplätzen vor dem Eingangstor, wäre kaum zu glauben, dass hier rund 290 Beschäftigte ihrer Arbeit nachgehen.

Still und heimlich hat sich in den letzten Jahren einiges getan bei Toho Tenax. Und das mit durchschlagendem Erfolg. Gerade erst gewann das Unternehmen den AVK-Innovationspreis 2013 der deutschen Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe e. V. für ein neuentwickeltes Hochleistungsverfahren zur Herstellung von kohlenstoffverstärkten Duroplasten.

Was in aller Welt das ist? Die Technologie, die sich „Part via Preform“ nennt, befasst sich mit der Frage, wie komme ich von einem Garn zu einem fertigen Bauteil, quasi von der Spule in einem vollautomatischen Prozess.

Neuer Jetliner

Ach ja, und so ganz nebenbei schloss Toho auch noch einen Vertrag mit Bombardier Aerospace ab, die einen neuen Jetliner auf den Jungfernflug schickten. In den nächsten zehn Jahren erwartet Toho Tenax, die zum Bau die Kohlenstofffasern liefern, allein hierdurch einen Umsatz von 130 Millionen Euro.

„Kannte man das Unternehmen am Standort Oberbruch bislang nur als Produzenten von Kohlenstofffasern, so fiel vor etwa drei Jahren die Entscheidung, aus den Fasern auch eigene Produkte herzustellen“, erklärt Fred Horst, Geschäftsführer Technologie.

„Wir wollen natürlich nicht unseren eigenen Kunden Konkurrenz machen, deshalb haben wir nach innovativen, neuen Produkten gesucht. Die Entwicklungsabteilung wurde auf die neue Strategie ausgerichtet.“ Ziel sei – neben der Luftfahrtindustrie als klassischer Kundenbranche von Toho – die Automobilindustrie bei Karosserieteilen oder anderen strukturellen Komponenten.

Hatte früher vor allem die Zugfestigkeit der Kohlenstofffasern für Furore gesorgt, so habe sich der Werkstoff rasant optimiert. „Mittlerweile ist die Kohlenstofffaser längst so stabil zu verfestigen, dass sie ohne weiteres mit traditionellen Autoblechen konkurrieren kann“, sagt Horst.

Der Tatendrang der Entwicklungsingenieure ging jedoch noch weiter. „Darüber hinaus haben wir ein zusätzliches Produkt entwickelt, ein termoplastisches Tape.“ Es werde in der Luftfahrtindustrie für strukturelle Anwendungen mit hohen Temperaturbelastungen genutzt.

„Die Termoplasten sind extrem hitzebeständig und können bis zu 300 Grad unbeschadet überstehen. Daher eignen sie sich zum Beispiel für den Turbinenbau oder andere Bereiche, wo hohe Hitze entstehen könnte“, erklärt Horst. Hierfür wurde eigens in Oberbruch eine Produktionsanlage aufgebaut. Die Gesamtinvestition belaufe sich auf ungefähr 1, 5 Millionen Euro, sagt Horst. „Die Produktion wurde in diesem Jahr bereits aufgenommen und erste Produkte zur vollsten Zufriedenheit an Kunden ausgeliefert.“

Insgesamt, so erläutert der Geschäftsführer, besitze Toho Tenax am Standort Oberbruch Kapazitäten für 5000 Tonnen Kohlenstofffasern im Jahr. „Im Moment sind diese Kapazitäten jedoch nicht voll ausgelastet.“

Da passt der Auftrag von Bombardier natürlich bestens ins Bild. Der CS-100-Jetliner setzt einen wichtigen Meilenstein im Entwicklungsprogramm von Bombardier. Es handelt sich um ein neuartiges Flugzeug für das Marktsegment von 100 bis 149 Passagiere. Vielleicht setzt Toho Tenax ja bald ähnlich wie der Jetliner zum Höhenflug an.

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