Heinsberg-Kirchhoven - Aus der Müllkippe ist eine Oase erwachsen

Aus der Müllkippe ist eine Oase erwachsen

Von: dawin
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Vorsitzender Heinz-Peter Krüsemann (rechts) und Vorstandskollege Günter Windeln werfen einen Blick auf den herbstlich eingestimmten Naturlehrpark. Foto: dawin

Heinsberg-Kirchhoven. Eine Sandgrube, die Sandkull, wie sie der Volksmund nennt, ist der Ursprung dessen, was man heute als Naturlehrpark im Kirchhovener Feld bestaunen kann. Zwischenzeitlich war die Sandkull auch eine Müllkippe. Längst wächst das Grünzeug drüber.

Die Natur hat dort ihr ungestörtes, aber von Menschenhand dezent gelenktes Reich. Der Verein für Gartenkultur und Ortsverschönerung Kirchhoven hat das Areal im Laufe der vergangenen Jahre zu einem ansehnlichen und für die Bevölkerung attraktiven Fleckchen entwickelt.

Vorsitzender Heinz-Peter Krüsemann und Vorstandskollege Günter Windeln blicken an diesem Oktobermorgen nicht ohne Stolz auf den Naturlehrpark, dessen Bäume, Sträucher, Pflanzen und Blumen inzwischen ganz auf Herbst eingestellt sind. Die Autos, die im Halbtunnel auf der neuen EK 5 in direkter Nachbarschaft vorbeifahren, sind nicht zu sehen, kaum zu hören und stören das Idyll nicht.

10.000 Quadratmeter ist der Park groß, und hat eine Menge Arbeit, natürlich in Eigeninitiative, gekostet. Krüsemann blickt zurück: „1999 wurde der erste Nutzungsvertrag mit der Stadt Heinsberg geschlossen. Dann haben wir die damalige Müllkippe mit Erdreich aufgefüllt und die Bäume gepflanzt.“ Problematisch wurde es 2005, als erste Gespräche wegen der neuen EK 5 geführt wurden. „Die Umgehung um das Gelände herumzuführen, wäre zu kostspielig gewesen. Und so teilt die EK 5 heute das ehemalige Areal“, sagt Krüsemann. „Dafür gab es aber für den Verein eine Ausgleichsfläche, die sich zum großen Teil aus dem alten, von uns gepflanzten Baumbestand und einer früheren landwirtschaftlichen Fläche zusammensetzt“, erläutert Windeln. Am Ende können die Gartenfreunde froh sein, denn im Zuge der Straßenbaumaßnahme haben sie sogar noch ein paar Quadratmeter hinzugewonnen.

2009 wurde das Gelände durch den Kreis Heinsberg zunächst mit schwerem Arbeitsgerät so hergerichtet, dass die Kirchhovener Gartenfreunde hemdsärmelig, mit Spaten und Harke und unterstützt durch örtliche Firmen an die Feinarbeit gehen konnten. Heinz-Peter Krüsemann überfliegt gedanklich die Anlage und konstatiert: „Rund 50 verschiedene Baumsorten stehen hier inzwischen. Nicht mitgezählt die Sträucher.“ Der Verein lege dabei, ergänzt Windeln, Wert darauf, dass ausschließlich heimische Gehölze ihren Platz im Naturlehrpark haben, der bezeichnenderweise „An de Sandkull“ heißt.

Der Lehrpark verdient seinen Namen: Zwischen dem diversen Grünzeug, das auf Schotterwegen gut zu erreichen ist, kann der Besucher auf großen und kleinen Info-Tafeln Interessantes und Wissenswertes über Fauna und Flora, von Ameise bis Zaunkönig, erfahren. In großen Beeten aus wuchtigen Basaltsteinen wachsen rund 100 unterschiedliche Kräuter, die natürlich auch detailliert erklärt werden. Und da gibt es den künstlich angelegten und vorsorglich umzäunten Tümpel mit seiner speziellen Pflanzenwelt – und Tierwelt.

Letztere ist Krüsemann allerdings zu speziell: „Da tummeln sich inzwischen Goldfische und sogar eine Schildkröte, die zu unserem Leidwesen hier ausgesetzt wurden und nicht in unser naturnahes Konzept passen.“

Genau ins Konzept passt allerdings das grüne Klassenzimmer, statt Holzstühle gibt es einen Halbkreis aus Holzplanken. „Uns liegt daran, dass wir vor allem Kinder, also unsere Nachfolgegeneration, für die Natur begeistern. Und es funktioniert. Denn Klassen der Grundschule und Kindergartenkinder machen Gott sei Dank reichlich Gebrauch von unserem Angebot“, zieht Krüsemann eine positive Bilanz. Der Naturlehrpark, da gebe es keinen Zweifel, werde von Jung und Alt angenommen. (Rad-)Wanderer machen dort Station, Familien kommen zum Picknick. „Und Jugendliche treffen sich auch hier abends, da haben wir überhaupt nichts gegen. Gut wäre nur, wenn sie nicht ihren Müll hinterlassen würden“, hat Windeln wenig Verständnis für diese Naturfreunde.

Um die Menschen zum Park-Besuch zu animieren, wird auch schon mal gerne die Natur nicht ganz natürlich in Szene gesetzt. Günter Windeln zeigt auf eine Blutbuche, die anno 2010 zum 50. Bestehen des Ortsringes gepflanzt wurde, ihr Stamm ist mit einem bunten Strickmantel „bekleidet“. Oder da gibt es den sogenannten Schnullerbaum, der nichts anders ist als ein gewöhnlicher Amberbaum, an den Eltern die abgelegten Schnuller ihrer Kleinen hängen können. „Das ist der erste Baum dieser Art im Kreis Heinsberg“, freut sich der Vorsitzende über die Aktion, die junge Familien anlocken soll. In der Ferne lugt ein bunter Gnom mit langer Nase aus dem Baum, es ist ein Nistkasten und zugleich ein Blickfang im grünen Blätterwald.

Ideen sind gefragt. Und die scheinen den Kirchhovener Gartenfreunden so schnell nicht auszugehen. „Das wäre furchtbar. Vor diesem Hintergrund wird der Naturlehrpark eigentlich nie fertig“, konstatiert Heinz-Peter Krüsemann voller Energie, die in Frühling, Sommer und Herbst von den Vereinsmitgliedern gefordert wird. Zur Pflege des Areals treffen sich jeden Donnerstag ab 14 Uhr etwa fünf Mitglieder im Park, jeden ersten Freitag im Monat sind es an die 20 Mitglieder, die beim Großeinsatz anpacken.

„Noch einmal“, sagt Heinz-Peter Krüsemann. Noch einmal müssen die Gartenfreunde ran, um den Naturlehrpark winterfest zu machen. Ein bisschen zurückschneiden und die Wiese mähen. Sonst nichts. Die Natur soll sich an der Sandkull größtenteils selbst überlassen bleiben.

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