Auf Zeitreise mit dem „Mundartpapst“

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Großer Andrang in der „guten Stube“: Beim Mundartnachmittag im Flachsmuseum haben mehr als 100 Besucher aus Wegberg und Umgebung beste Unterhaltung erlebt.

Wegberg-Beeck. Rappelvoll war es in der Beecker „guten Stube“ beim Mundartnachmittag im Flachsmuseum. Vorsitzender Josef Jansen begrüßte mehr als 100 Gäste aus Wegberg und den umliegenden Städten, darunter viele Mundartbegeisterte, die sich mit eigenen Beiträgen beteiligten. Der Nachmittag wurde zu einer unterhaltsamen Zeitreise rund um das Thema „Essen“ im Rheinland.

Der hiesige „Mundartpapst“ Karl Bertrams brachte in Erinnerung, dass im Mittelalter jeder Erwachsene einen hölzernen Löffel bei sich trug, den er zu seinen Mahlzeiten benutzte und im Todesfall an seine Nachkommen weitergab – er „hatte den Löffel abgegeben“.

„Kirmesessen“ herausragend

In seiner persönlichen Erinnerung waren Brot und Kartoffeln die Hauptnahrungsmittel und selbst das für frühere Zeiten herausragende „Kirmesessen“ wirkt bescheiden gegenüber einer heutigen Menükarte zur Goldhochzeit. Nicht wegzudenken aus dem hiesigen Raum ist das Kraut – als Rübenkraut schon seit über 300 Jahren, als Apfelkraut mehr als 200 Jahre bekannt. Ehrengast Bernd Spelten, der „Herr der Äpfel“ aus der Holtumer Krautfabrik, berichtete in Original Holtumer Mundart vom „Siepnaat“ (Zuckerrübenkraut).

Extra komponiert

Die jetzige Produktion von Apfel- und Rübenkraut ist völlig automatisiert. Sichtbar sind vor Ort noch die riesigen Apfelberge, Mit einem Eimerchen wurde der frühere Bürgermeister Fritz Jakobs als Kind zum Einkaufen geschickt, ließ den Eimer mit dem flüssig-klebrigen Kraut nachfüllen und als es ans Bezahlen ging, konnte er nur noch sagen: „Die zwei Groschen liegen unten im Eimer...“.

Die Worte „herring“ für Hering und „perring“ für Regenwurm klingen in plattdeutsch sehr ähnlich, aber zum Essen sind nicht beide geeignet, obwohl einen „perring“ essen früher zu jungenhaften Mutproben gehörten, wie Georg Wimmers zu seinem extra für diesen Nachmittag komponierten Lied erwähnte. Aufregend für Kinder früher konnte es auch sein, wenn sie bei der Hausschlachtung eines Schweines hautnah dabei sein und beim späteren Wursten mitmachen und den „Tüüt“ probieren und in der Nachbarschaft verteilen durften, wie Margret Kohlen aus eigener Erfahrung anschaulich berichtete. Christa Dülpers aus dem Wegberger Altenpflegeheim wurde zu einem besonderen Star des Nachmittags: Völlig frei und in Reimform berichtete sie aus ihrer Kinderzeit.

Dass die Mundart aussterben wird, davon ist auch Karl Bertrams vom Arbeitskreis Mundart überzeugt und kündigte an, dass die diesjährige 65. Auflage von „oos Platt“ auch die letzte sein wird. Vielleicht haben die Jüngeren noch eine Chance, das „Hochdeutsch mit Streifen“ zu verstehen, wie es von heutigen Mundartgruppen gesungen und in Vorträgen als Dialekt vorgetragen wird.

Die nächste Veranstaltung im Beecker Flachsmuseum findet am Samstag, 29. November, ab 17 Uhr statt: Bei „LottoTelefonsenge“ gibt es Lieder zum Advent.

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