Heinsberg-Randerath - Auf Kleinod ein Spiel mit allen Klangfacetten

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Auf Kleinod ein Spiel mit allen Klangfacetten

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:

Heinsberg-Randerath. Für alle Musikfreunde in der Region ist sie ein wahres Kleinod – die historische Orgel in der evangelischen Kirche zu Randerath. 1824 wurde sie von Wilhelm Korfmacher aus Linnich geschaffen, entstand aber keineswegs als rein frühromantische Orgel. Vielmehr zeigte der Orgelbauer großen Respekt vor den Meistern der Vergangenheit, indem er aus der Vorgängerorgel zahlreiche Pfeifenreihen übernahm, die teilweise noch aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammten.

Dieser Tatsache trug auch die letzte Restaurierung Rechnung, denn dabei wurde nicht nur die Intonation des Barockzeitalters zugrunde gelegt, sondern auch eine ungleichschwebende – also modifiziert mitteltönige – Stimmung durchgeführt, wie sie in der Zeit vor Bach üblich war.

Kürzlich hatte man wieder Gelegenheit, dieses besondere Instrument im Rahmen der von Florian Koltun organisierten „Randerather Konzerte“ kennenzulernen. Zu Gast war Stefan Iseke, Regionalkantor in der evangelischen Gemeinde zu Düren, der ein abwechslungsreiches Programm mit Orgelmeistern hauptsächlich aus dem 17. Jahrhundert vorstellte. Seit 2004 wirkt Isecke als hauptamtlicher Kirchenmusiker an der Dürener Christuskirche und wurde 2006 zum Kreiskantor des evangelischen Kirchenkreises Jülich bestellt.

Am Beginn des Konzertes standen drei Werke des süddeutschen Barockmeisters Johann Pachelbel. Nach der festlich-bewegten Toccata in e-moll folgte – passend zur Fastenzeit – die Partita über den Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“.

Die sieben Variationen boten Stefan Isecke zahlreiche Möglichkeiten, die verschiedenen Klangfacetten der Orgel vorzustellen. Dabei scheute er sich auch keineswegs vor ungewöhnlichen Registerkombinationen. Am eindringlichsten wirkte wohl die fünfte Variation mit ihrer starken Chromatik, die fast neuzeitlich anmutete. Zweifelllos hat hier ein persönliches Erlebnis des Komponisten seinen Niederschlag gefunden – kurz vor der Entstehung des Werkes verlor Johann Pachelbel bei einer Pestepedemie seine Frau und seinen Sohn.

Nach einer weiteren Pachelbel-Toccata in g-dorisch unternahm Isecke einen musikalischen Abstecher nach Italien. Zunächst intonierte er mit schmetterndem Trompetenklang die Canzone von Luzzasco Luzzaschi – eine etwas gewagtes Klangexperiment, zumal bei den italienischen Orgeln des 17. Jahrhunderts Zungenstimmen noch weitgehend unbekannt waren. Die Bergamasca von Frescobaldi entfaltete sich aus einem schlichten und sinnfälligen Thema zu einem breit ausladenden Variationswerk, während das Ricercar von Alessandro Poglietti einen ernsten und nachdenklichen Eindruck hinterließ.

Zum Abschluss präsentierte Stefan Isecke noch drei größere Werke, die den meisten Kennern der Orgelmusik wohlbekannt sind. Ein ziemlich strenges und kunstvolles Variationswerk stellt die Ciacona in f-moll von Johann Pachelbel dar. Sie wird von einem markanten absteigenden Bassmotiv geprägt, das im weiteren Verlauf auch durch die anderen Stimmen wandert und gelegentlich nach Dur abgewandelt wird.

Im Gegensatz dazu wirkte die Pastorella in F-Dur BWV 590 von Johann Sebastian Bach freundlich und lyrisch. Die vier Sätze gestaltete Isecke sehr abwechslungsreich: Nach verhaltenem Beginn erklang der zweite Abschnitt durchwegs in Vierfuß-Lage und dem abschließenden lebhaft-perlenden Fugato verliehen Bordun und Terz eine höchst eigenwillige und interessante Note.

Die Ciacona e-moll BuxWv 160 von Dietrich Buxtehude begann, ähnlich wie bei dem Schwesterwerk von Pachelbel, zunächst ernst und gravitätisch mit einem ostinaten Bassthema. Dann brach jedoch allmählich das für die norddeutsche Orgelmusik typische improvisatorische Element mehr und mehr hindurch: Das Thema wechselte die Tonart und lockerte sich zunehmend in Form von rhythmischen und melodischen Abwandlungen auf. Zum Abschluss zog Stefan Isecke alle Register der kleinen Orgel und brachte das Werk zu einem klangmächtigen und prachtvollen Abschluss.

Am Ende gab es starken Applaus für den Kreiskantor aus Düren, der sich mit einer Zugabe bedankte – eine kleine Canzona von Buxtehude, die das Publikum ruhig und besinnlich in einen schönen Vorfrühlingsabend entließ.

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