Hückelhoven - Auf der Flucht: Zahl der Asylbewerber steigt

Auf der Flucht: Zahl der Asylbewerber steigt

Von: Norbert F. Schuldei
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Fahrim Rahmani (l.) ist vor den Taliban aus Afghanistan geflohen, Achmed Hemedi mit Frau und Kleinkind vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Beide leben jetzt im Übergangsheim in Hückelhoven. Foto: Schuldei
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Hückelhoven. Achmed Hemedi hat den Besen in der Hand. Zusammen mit Fahrim Rahmani säubert er die Fugen vor dem Haupteingang des Gymnasiums in Hückelhoven. Das Übergangsheim der Stadt Hückelhoven in Kleingladbach am Gladbach ist ihr neues Zuhause.

Der 34-jährige Achmed Hemedi ist zusammen mit seiner Frau und dem Kleinkind auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg, der in Syrien tobt. „It‘s not safe there, they take the children and want money“. Man muss Englisch sprechen, wenn man sich mit ihm verständigen will. Man kann ihn aber so verstehen: Achmed fühlte sich und seine Familie in seiner Heimat einfach nicht mehr sicher: „Fire, fire, fire“. Der Krieg.

Von Quamishli an der syrisch-irakischen Grenze kam er nach Deutschland. „Die Familie Hemedi sind drei von 27 Neuaufnahmen, die wir bis Anfang dieser Woche zugewiesen bekommen haben“, sagt Heinz-Josef Schmitz. Der Leiter des Hückelhovener Sozialamtes ist nicht glücklich mit dem, was da auf die Stadt zukommt: „Da ist kein bestimmtes Verteilungssystem zu erkennen. Die Asylbewerber kommen in Deutschland an und werden dann offenbar wahllos auf die Kommunen verteilt.“ Das war bis vor ein paar Monaten noch anders, sagt Schmitz: „Da konnten wir die Asylbewerber noch nach Mentalität und kulturellem Hintergrund zusammen unterbringen. Jetzt geht das nur noch kreuz und quer und kunterbunt.“

Auf zwei Übergangsheime im Stadtgebiet werden die Asylbewerber in Hückelhoven verteilt: Die zwölf Wohneinheiten in Kleingladbach Am Gladbach 72 und 74 sind mit 40 Bewohnern voll belegt; in Millich an der Schaufenberger Straße sind zurzeit etwa 30 Asylbewerber untergebracht.

35 Neuzuweisungen werden seit Jahresbeginn in Heinsberg registriert, darunter auch solche, die vor dem Krieg in Syrien geflohen sind. Auch Heinsbergs Sozial- und Ordnungsamtsleiter Wolfgang Paulus spricht von einer „gesteigerten Tendenz“. 64 Asylsuchende, darunter auch solche syrischer Nationalität, haben in Heinsberg eine zumindest vorübergehende Bleibe gefunden. Sicher eine Folge des Bürgerkrieges dort. Seit Beginn des Jahres wurden 19 syrische Staatsangehörige von der Bezirksregierung Arnsberg dem Kreis Heinsberg zugewiesen. Damit leben jetzt aktuell 51 Asylbewerber aus dem vom Bürgerkrieg erschütterten Land im Kreis Heinsberg.

Achmed Hemedi hat in seiner Heimat als Kaufmann bei einer „Oil Company“ im kaufmännischen Bereich gearbeitet. Er ist sich darüber im Klaren, dass es hier Zeit braucht, ehe er Fuß gefasst hat. Und er einen anderen Job findet, als Plätze zu säubern. „Nach den Sommerferien fangen die Sprachkurse der Volkshochschule wieder an, Herr Hemedi wird dann einen Sprachkurs besuchen“, sagt Heinz-Josef Schmitz.

Fahrim Rahmani hat das schon hinter sich, der 26-Jährige ist seit September 2011 in der Bundesrepublik und spricht schon ziemlich gutes Deutsch. In Afghanistan hat er für die United Nations und für World Vision, eine der weltweit größten Entwicklungshilfeorganisationen, gearbeitet. Permanente Drohungen der Taliban haben ihn aus seiner Heimat vertrieben. Fahrim Rahmani hat gute Aussichten, demnächst in Baal eine Festanstellung zu finden. „Er hat sich bei QVC als Lagerist vorgestellt und dabei einen glänzenden Eindruck hinterlassen“, sagt Schmitz.

Ja, man arbeite eng mit Hückelhovener Firmen zusammen, um den Asylbewerbern über die Beschäftigung, die die Stadt anbieten kann, einen dauerhaften Job zu vermitteln. „Das ist doch der beste Integrationsprozess“, sagt Schmitz. Und ja, die Stadt wird damit auch von Ausgaben befreit: Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten Einzelpersonen 322 Euro plus Unterkunftskosten, Familien belasten den städtischen Haushalt im Schnitt mit 850 Euro. Von 283.000 Euro im vergangenen Jahr ist der Posten für Asylbewerber im städtischen Haushalt auf 310.300 Euro in diesem Jahr angestiegen. „Wie Achmed und Fahrim arbeiten viele Asylbewerber vier Stunden am Tag im Stadtgebiet“, so Schmitz. „Im Sommer haben wir mit ihnen einen Säuberungs-Rundumschlag im Zentrum gemacht.“ Einen Euro und fünf Cent bekommen die Männer dafür zusätzlich. „Und außerdem“, sagt Schmitz, „sind sie mittags dann auch ein bisschen müde und machen im Übergangsheim keinen Unsinn“.

Die Zahl der Asylbewerber hat sich in Hückelhoven im Vergleich zum Jahr 2011 verdoppelt. „Ich sehe“, sagt Heinz-Josef Schmitz, „so, wie das jetzt abgeht, eine harte Zeit auf uns zukommen. Da fragt keiner, ob Unterkünfte bereitstehen. Die Leute werden zugewiesen und fertig.“

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