Heinsberg - Auf der 110 ist bei Fetenwetter viel Betrieb

Auf der 110 ist bei Fetenwetter viel Betrieb

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
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Arbeiten im Herzen der Kreispolizeibehörde: Baumöller und seine Kollegen in der Einsatzleitstelle müssen voll konzentriert sein. Jedes Jahr gehen 14 000 Notrufe in der Leitstelle ein, die 40 000 Einsätze im gesamten Kreisgebiet werden von dort aus koordiniert. Foto: N. Gottfroh

Heinsberg. Der Notruf kam aus Übach-Palenberg. Der Anrufer am anderen Ende der Leitung wurde Zeuge, wie ein Mann mit dem abgeschnittenen Kopf einer Frau durch die Innenstadt Übachs lief. Es war Polizeihauptkommissar Dieter Baumöller, der diesen Anrufer in der Leitung hatte.

Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf: „Zunächst einmal musste ich abwägen, ob der Anrufer mich nun verschaukeln will, oder nicht. Aber man findet schnell heraus, ob eine Situation ernst ist. Und diese war es“, erinnert sich Baumöller.

Baumöller und seine Kollegen in der Einsatzleitstelle der Kreispolizeibehörde Heinsberg haben viele Geschichten zu erzählen. Nicht alle sind so dramatisch, wie die aus Übach-Palenberg. Es gibt auch lustige Anekdoten. Zum Beispiel die von einer Gruppe spanischer Fußballfans, die bei der Fußball-WM 2006 ins Gelsenkirchener Stadion wollten, aber leider Geilenkirchen ins Navigationsgerät eingegeben hatten – und ebendort gelandet waren. „Die riefen dann die 110, weil sie sich total verfranst hatten. Und ausnahmsweise haben wir dann Kollegen rausgeschickt, die die Fans wieder auf die richtige Fährte brachten“, erzählt Stefan von den Driesch, Dienstgruppenleiter in der Einsatzleitstelle.

Sicherlich könnten die Beamten aus jedem Arbeitstag eine Anekdote erzählen – mal eine dramatische, mal eine lustige, skurrile oder tragische.

Fäden laufen zusammen

Immerhin gehen jedes Jahr 14.000 Notrufe in der Leitstelle ein, die 40.000 Einsätze im gesamten Kreisgebiet werden von dort aus koordiniert. „Damit ist die Einsatzleitstelle quasi das Herz der Behörde“, erklärt Erster Polizeihauptkommissar Kurt Schmitz, der die Abteilung leitet.

Insgesamt 15 Beamte „hängen“ dort im Drei-Schicht-System am Telefon, jeweils drei Beamte nehmen rund um die Uhr die Anrufe der Bürger entgegen.

Glücklicherweise sind Meldungen über Morde, so wie Baumöller sie geschildert hat, eher selten. Ebenso wie die von Bankrauben. Das tägliche Brot in der Leitstelle seien vielmehr Meldungen über Unfälle, Einbrüche, Streitigkeiten, Ruhestörungen oder streunende Hunde, sagt Kurt Schmitz.

Kaum hat er zu Ende gesprochen, klingelt auch schon wieder das Telefon. Stefan von Dendrich übernimmt. Nichts dramatisches, sondern das „tägliche Brot“. Grund für den Anruf ist diesmal aber kein Streuner, sondern ein Ladendieb. Ebenfalls ein Routineeinsatz für die Beamten.

„Der Beamte in der Einsatzleitstelle entscheidet, wen er wann wohin schickt“, sagt Schmitz. Lagebeurteilung, so nennt sich das im Polizeijargon. Stefan von den Driesch braucht nicht viel Zeit, um die Situation am Telefon einzuordnen und zu bewerten. In dem aktuellen Fall reicht es, einen Einsatzwagen rauszuschicken, damit die Kollegen die Personalien der mutmaßlichen Diebin aufnehmen und die Anzeige schreiben. In anderen, gewichtigen Fällen müssen die Männer in der Einsatzleitstelle in Sekundenschnelle entscheiden, ob sie den Kriminaldauer- oder Verkehrsdienst, einen Bezirksbeamten oder gar Spürhunde oder einen Helikopter entsenden.

Dass man dafür Organisationstalent braucht, ist klar. Vor allem im Kreis Heinsberg, wo es gilt, gegebenenfalls schnell große Distanzen zwischen den einzelnen Städten und Dörfern und den Einsatzgebieten zu überbrücken. „In akuten Notfällen, in Situationen, in denen es richtig brennt, brauchen wir kaum länger als sechs Minuten, um den Einsatzort zu erreichen“, erklärt Schmitz nicht ohne Stolz.

Mehr noch als Organisationstalent braucht man als Mitarbeiter der Einsatzleitstelle auch koordinatorisches Geschick.

Das ahnt man bereits, wenn man einen Blick in das Großraumbüro wirft, in dem alle Fäden zusammenlaufen. Jeder der drei Arbeitsplätze hat vier Monitore. Darauf können die Beamten alle wichtigen Fakten abrufen: Stadtpläne, die Anzahl der eingesetzten Streifenwagen, die Besetzung der Dienststellen.

Und auch über den Menschen, der anruft, oder der gemeldet wird, erfahren die Beamten in der Einsatzleitstelle in Sekundenschnelle viel Wissenswertes. „Wir sind unter anderem mit dem Kraftfahrtbundesamt verbunden und haben Anschluss ans Einwohnermeldeamt und Zugriff zur Waffendatei“, berichtet Schmitz. Um dies alles steuern zu können, brauchen die Beamten in der Einsatzleitstelle eine besondere Schulung. Aber der Umgang mit Technik reicht nicht.

„Für jemanden, der in diesem Bereich arbeitet, ist es wichtig, dass er auch in Stresssituationen ruhig bleibt und sich von der Aufregung der Anrufer nicht anstecken lässt. Er muss die Person am anderen Ende der Leitung beruhigen und auf sie eingehen können. Und ein gewisses rhetorisches Geschick kann auch nicht schaden“, sagt Kurt Schmitz. Deshalb achtet man darauf, dass die Kollegen in der Einsatzleitstelle ihren Dienst versehen möchten, schon einige Dienstjahre und jede Menge Erfahrung „draußen“ auf dem Buckel haben.

Samstags klingelt es oft

An diesem Tag bleibt es ruhig in der Einsatzleitstelle. Nur Bagatellen. Diebstähle, Verkehrsunfälle mit Blechschäden, ein paar Streitereien. „Es ist ja auch nicht Samstag“, sagt Baumöller und lacht. Denn anders als man wohl annehmen würde, sind nicht Zeiten wie Karneval, 1. Mai oder Halloween Großeinsatztage der Polizei. „Wir sind an diesen Terminen zwar immer auf viele Zwischenfälle eingestellt, aber oft bleibt es dann entgegen aller Erwartungen still. Großkampftage in der Leitstelle seien vielmehr sonnige, warme Samstage und deren Nächte. „Das typische Fetenwetter halt eben. Da ist immer viel los.

Und natürlich sobald die erste Schneeflocke fällt. Dann gibt es Verkehrschaos und die Telefone stehen nicht mehr still“, sagt Baumöller.

Bleibt für die Männer, die im Herzen der Polizeibehörde arbeiten, zu hoffen, dass der Schnee noch eine Weile auf sich warten lässt und es ruhig bleibt im Kreis Heinsberg.

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