Annelsa-Theater: Der Vorhang senkt sich endgültig

Von: Nicola Gottfroh
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Architekt Wolfgang Emondts hat schon klare Vorstellungen davon, wie das Gebäude, in dem das alte Kino seinen Platz hatte, zu einem neuen städtebaulichen Akzent in Hückelhoven werden soll. Foto: N. Gottfroh

Hückelhoven. Popcornduft liegt schon längst nicht mehr in der Luft in dem Haus an der Parkhofstraße 496 in Hückelhoven. Und auch die Paare, die im Annelsa-Theater ihre ersten scheuen, zarten Küsse getauscht haben, während die Filmhelden nur wenige Meter vor ihnen auf der Leinwand die Welt retteten, sind längst erwachsen geworden.

Und von deren Kindern dürften viele gar nicht mehr wissen, dass sich früher an der Parkhofstraße ein Kino befand. Der Vorhang hat sich schon vor langer Zeit das letzte Mal vor der Leinwand gesenkt. Nun läuft auch der Abspann für das in den 1950ern erbaute Gebäude selbst. Bald sollen die Bagger anrücken und das alte Kino dem Erdboden gleich machen.

Die Investoren Heinz und Werner Ohlenforst haben das Gebäude gekauft. Und sie wollen der Parkhofstraße 496 nach dem Abriss wieder neues Leben einhauchen. Dabei helfen soll ihnen der Architekt Wolfgang Emondts. Der hat selbst eine enge Beziehung zu dem Gebäude und seiner Geschichte. Denn er selbst hat in seiner Jugend nicht nur Meisterwerke der Filmgeschichte an der Parkhofstraße 496 gesehen – er war auch mit den Besitzern des Kinos, der Familie Meurer, befreundet. Deshalb weiß er auch, wie das Kino einst zu seinem Namen kam – Besitzerin Elsa Meurer setzte den Kinonamen aus den Vornamen ihrer Töchter Annelise und Elsa zusammen – sondern auch, mit wie viel Leidenschaft die Familie das Kino betrieb.

Bis die Ära des Annelsa-Theaters dann Ende der 70er Jahre allmählich endete. Drei Jahrzehnte war das Kino Anlaufstelle für Cineasten. Es war in den 50er und 60er Jahren einer der Mittelpunkte des gesellschaftlichen Lebens, denn es bot nicht nur Liebe, Action und Drama auf der Leinwand, sondern auch kulturelle Veranstaltungen und Tanz. Solange, bis die Glanzzeiten der kleinen Kinos endeten und die vielen familiengeführten Lichtspielhäuser durch wenigen große Filmpaläste ersetzt wurden. Und so endete in den 80er Jahren auch die Ära des Annelsa-Theaters.

Bald zog in das Gebäude zog anstelle des Hollywood-Glanzes das wenig glamouröse Alltägliche ein: Die bequemen Kinosessel wurden ausgebaut und durch Lebensmittelregale ersetzt. Viele Geschäfte und Einzelhändler sollte das Gebäude bis ins neue Jahrtausend hinein beherbergen. Zuletzt zog eine Videothek in das Gebäude ein – und führte es so noch einmal ein Stück zurück zu seinen cineastischen Wurzeln. Doch in Zeiten, in denen Filme digital geschaut und Videos in Sekundenschnelle über Computer heruntergeladen werden können, gehören auch Videotheken der Vergangenheit an. Und so stand das Gebäude gänzlich leer. Den Charme und Glanz seiner Kino-Ära fand es nie wieder.

Doch jetzt wollen die Investoren und Architekt Emondts der Parkhofstraße 496 wieder neues Leben einhauchen. „Es ist ja so, dass man von dem Kino nichts mehr erkennt. Das Gebäude ist derzeit einfach nur ein altes, leerstehendes Ladenlokal ohne Charakter. Da ist Abriss und kompletter Neubau der beste Weg, die Stelle wieder zu beleben“, beschreibt Emondts. Wie der Neubau, der bereits zu Beginn des kommenden Jahres fertig sein soll, aussehen könnte, das weiß Emondts schon ziemlich genau. Verraten will er aber nichts. Nur so viel: „Das Gebäude wird sehr modern werden und sich der Entwicklung des Hückelhovener Stadtbildes anpassen“.

Vier Geschosse wird das neue Gebäude besitzen. Im Erdgeschoss soll wieder ein Ladenlokal, im oberen Teil des Hauses Wohnungen für Senioren entstehen. Und vielleicht werden dort Senioren leben, die im Annelsa-Theater ihren ersten Kuss bekommen haben. Dann würde sich der Kreis wieder schließen.

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