Angst vor Hochwasser: Ophovener Deich soll saniert werden

Von: Nicola Gottfroh
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Beim Hochwasser würde der Schaden für viele Bewohner Ophovens enorm werden. Werner von Helden hofft, dass die Deichsanierung bald angegangen wird. Foto: Gottfroh

Wassenberg-Ophoven. Werner von Helden erinnert sich noch gut an den Januar von vor zwei Jahren. Die Schneeschmelze hatte den Pegel der Rur, in deren direkter Nachbarschaft er sein Eigenheim gebaut hat, um viele Zentimeter ansteigen lassen.

Der marode Damm der Rur-auen in Ophoven, so versichert er, hätte das Wasser nicht halten können, wenn nicht die Anwohner mit Hilfe der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks mehr als 500 Sandsäcke gestapelt und damit die Lecks am Deich abgedichtet hätten. Nur so hätte der Deichbruch damals verhindert werden können. „Wir haben wieder einmal Glück gehabt. Aber noch ein Hochwasser hält der Damm nicht aus“, sagt von Helden.

Wie viele Anwohner ärgert er sich, dass der Deich vor der Haustüre noch nicht saniert wurde: „Im Moment schauen alle in die Hochwassergebiete im Osten. Aber wir könnten jederzeit ebenso betroffen sein. Nun sind nach dem letzten Hochwasser, aus dem sich dringender Handlungsbedarf ergeben hat, zwei Jahre vergangen. Wie lange sollen wir denn noch warten?“, fragt von Helden.

Jetzt aber tut sich etwas in der Hochwasserfrage. In der jüngsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses der Stadt Wassenberg stand das Thema auf der Tagesordnung. Ophovens Ortsvorsteher Dirk Jennissen brachte einen Antrag ein, in dem er forderte, den Hochwasserschutz zeitnah anzugehen. „Der mangelhafte Zustand des Ophovener Deichs ist uns allen mittlerweile seit mehr als zehn Jahren bekannt und macht mir und vor allem den Ophovenern Angst“, sagte Jennissen.

Der Ausschuss hat nun beschlossen, dass die Verwaltung alle erdenklichen Schritte in die Wege leitet, um den Deich wieder in einen funktionstüchtigen Zustand zu bringen.

Dringenden Handlungsbedarf sah nach dem letzten Hochwasser der Rur auch die Stadt Wassenberg und ging die Deichsanierung zeitnah nach dem Hochwasser an. Doch die damals von der Verwaltung zeitnah eingeschätzte Umsetzung der Sanierung erhielt aus verschiedenen Gründen bald einen Dämpfer.

„Die erste Planung ist am hohen Landbedarf gescheitert, denn die Stadt besitzt dort kein eigenes Land. Und der Erwerb des Landes ist gescheitert“, erklärt Ophovens Ortsvorsteher Dirk Jennissen.

Und auch die Höhere Landschaftsbehörde verpasste den Planungen einen Dämpfer. Denn zur Sanierung der Deiche wäre die Fällung von Bäumen notwendig gewesen – und das lehnten Behörde der Bezirksregierung Köln rigoros ab. Sie forderten stattdessen, die in diesem Bereich vorkommenden Fledermausarten zunächst zu beobachten und über einen längeren Zeitraum zu kartieren. „Die Katalogisierung von Flugbahnen der dort lebenden Fledermäuse kostete uns circa ein Jahr Planungszeit, in der nichts geschehen ist“, so Jennissen.

Innerhalb des Kartierungszeitraumes wurden jedoch ergänzende Vorplanungen eines Fachbüros mehrfach unter den beteiligten Behörden abgestimmt.

Doch aufgrund der Kartierungsergebnisse ist nach Einschätzung der Behörde die Erhaltung des durchgängigen Baumbestandes an der Ruraue in Ophoven zwingend erforderlich, um in diesem Bereich den Fledermausbestand dauerhaft zu garantieren.

„Ich bin ja immer für Artenschutz. Aber es kann doch nicht sein, dass Anwohner dafür ihre Häuser verlieren“, sagt Werner von Helden. „Insbesondere, wenn man im Schadensfall alleine da steht. Denn in diesem Bereich bieten Versicherungen keine Versicherung gegen Hochwasser mehr an“, so der Anwohner.

„Die Belange des Natur- und Landschaftschutzes werden hier über die Grundrechte Gesundheit, Leben und Eigentum gestellt. Ein explizites Menschenschutzgesetz gibt es ja offensichtlich nicht“, sagte auch der Ortsvorsteher Jennissen im Ausschuss und fügt hinzu: „Die Hinhaltestrategie der Bezirksregierung ist aus meiner Sicht nicht mehr nachvollziehbar. Die einschlägigen Erfahrungen aus dem Elbhochwasser haben uns gelehrt, dass zur Verkürzung des üblichen Verfahrensprozesses auch unkonventionelle und innovative Schritte nötig sind.“

Nun gibt es aber für die betroffenen Anwohner Grund zum Hoffen: Eine angepasste Planvariante will die Verwaltung in Kürze mit den betroffenen Grundstückseigentümern erörtern. Sobald konkrete Ergebnisse vorliegen, werde der Planungs- und Umweltausschuss bzw. der Stadtrat entsprechend in die neuen Planungen einbezogen.

Vielleicht können die Bewohner Ophovens also zumindest leicht aufatmen. Denn es kommt offenbar Bewegung in der Hochwasserschutzfrage.

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