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An den Krankenbetten der Region wird Deutsch gesprochen

Von: Rainer Herwartz
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Eleni Pateraki und Willem-Jan Cuypers erläutern mittlerweile sogar ihren Landsleuten medizinische Fragen auf Deutsch. Foto: Herwartz

Heinsberg/Erkelenz/Wegberg. Werden mangelnde Sprachkenntnisse ausländischer Ärzte an den Krankenbetten der Region zum Sicherheitsrisiko? Wer den Alarmruf des Verbandes der Krankenhausdirektoren in diesen Tagen wahrnimmt, könnte dies vermuten. Bundesweit liege in vielen Häusern der Anteil bei über 50 Prozent, heißt es. Die Fachkenntnisse der Mediziner seien meist gut, doch die Kliniken stellten die Ärzte oft bereits ein, wenn sie noch keine ausreichenden Sprachkenntnisse besäßen.

„Ich hatte überhaupt keine Kenntnisse, was die Terminologie, das heißt die Fachsprache angeht, als ich vor drei Jahren hierher kam“, bestätigt Eleni Pateraki. Gleichwohl war die 27-jährige Griechin, die sich am Heinsberger Krankenhaus zur Chirurgin weiterbildet, schon im Besitz eines qualifizierten Zertifikates des Goethe-Instituts aus ihrem Heimatland, das ihr eine „Selbstständige Sprachverwendung“ bescheinigte. Allerdings, so räumt die junge Assistenzärztin ein, habe sie die Prüfung bereits mit 16 Jahren abgelegt und während des Studiums kein Wort Deutsch mehr gesprochen. „Ich kenne Kollegen, die nach Deutschland kamen und gar kein Deutsch konnten“, sagt sie.

In der Heinsberger Klinik gebe es einen solchen Fall jedoch nicht, lässt Geschäftsführer Heinz-Gerd Schröders erst gar keine Zweifel aufkommen. „Wir hatten noch niemanden ohne Sprachkenntnisse.“ Außerdem wäre ansonsten allenfalls eine Tätigkeit als Hospitant möglich. „Selbst wenn ein Ausländer hier in Deutschland studiert hat, muss er bei der Bezirksregierung eine Sprachprüfung ablegen, um seine Approbation zu erhalten.“ Das nehme dann allerdings schon fast groteske Züge an.

Kaspar Müller-Bringmann, Pressesprecher der St.-Antonius-Klinik in Wegberg, sagt klipp und klar: „Ein Problem mit der Sprache kennt das Antonius-Krankenhaus nicht. Von den 190 Mitarbeitern hätten ohnehin lediglich zehn einen „ausländischen Hintergrund“.

Die 45 Ärzte, die derzeit in Heinsberg beschäftigt sind, bilden hingegen einen wahrhaft bunten Nationalitäten-Mix, Deutsche mit Migrationshintergrund inklusive. Die Palette der vertretenen Länder reicht von Griechenland, Ägypten, Polen, Iran, Albanien und Türkei bis hin zu den Niederlanden. Es sei einfach unmöglich, die benötigten Ärztestellen allein durch heimische Kräfte zu besetzen. Dennoch werde am Krankenbett und untereinander nur Deutsch gesprochen.

Die rund 8000 Studienplätze für Mediziner im Jahr seien zu wenig, so Schröders. „Zudem verlieren wir die jungen Assistenzärzte oftmals an den niedergelassenen Bereich.“ Dass sich hier in vielen Praxen die Frage der Nachfolge stelle, habe bislang niemand berücksichtigt. „Die Politik macht nichts, um diese Situation zu entschärfen“, beklagt Schröders.

Auch sein Kollege Wolfgang Salz vom Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz kennt die Problematik, wenngleich bei seinen über 100 Ärzten der reine Ausländeranteil (ohne solche mit Migrationshintergrund) bei lediglich 5,6 Prozent liege. „Unsere ausländischen Mediziner leben in der Regel in der zweiten Generation in Deutschland und besitzen meist schon eine deutsche Approbation. Wir hatten zuletzt einen russischen Arzt, dem wir eine Sprachlehrerin zur Seite gestellt haben, damit er in Köln bei der Bezirksregierung seine Sprachprüfung ablegen konnte.“

Die Medizin werde „immer mehr weiblich“, sagt Salz. Über 70 Prozent der Studienanfängerinnen seien Frauen, weil die Jungs meistens den Numerus Clausus nicht mehr schafften. Daraus resultiere natürlich eine weitere Schwierigkeit für die Krankenhäuser: „Immer wieder fallen junge Ärztinnen wegen Schwangerschaft für eine bestimmte Zeit aus.“ Da böte es sich an, junge griechische Ärzte, „die nur zeitlich befristet hier arbeiten für die Fortbildung zum Facharzt, in dieser Zeit einzustellen.“ Gerade erst befand sich sein Personalchef gemeinsam mit dem Chefarzt der Geriatrie auf Promotour in Thessaloniki. Sie trafen sich dort auf einer Messe mit 70 Jungmedizinern. „Da die griechischen Krankenhäuser in öffentlicher Hand sind und ein Einstellungsstopp verfügt wurde, steht nun ein ganzer Absolventenjahrgang auf der Straße.“

Für Eleni Pateraki war das jedoch nicht der Grund, nach Deutschland zu kommen. Das deutsche Gesundheitswesen sei einfach vorbildlich und biete beste Weiterbildungsmöglichkeiten, meint die angehende Fachärztin. In Griechenland gebe es lediglich eine Liste, in der jeder Neumediziner registriert werde. „Die ältesten Warter werden für die Facharztausbildung bevorzugt, egal welche Noten sie haben.“

Bereut hat Eleni Pateraki ihren Schritt daher nicht. „Mittlerweile kann ich mich in beruflichen Dingen besser in Deutsch als in Griechisch ausdrücken.“

So ähnlich sieht‘s auch bei ihrem niederländischen Kollegen Willem-Jan Cuypers aus, der eine Facharztausbildung in Frauenheilkunde und Geburtshilfe durchläuft. Der aus Eindhoven stammende Arzt hatte in Leiden studiert. Dort werde noch „Hochniederländisch“ gesprochen. Auch er orientierte sich nach Heinsberg.

Und wie kommt er mit der fremden Sprache zurecht? „Ich treffe jetzt sogar auf niederländische Patientinnen, die ich dann auf Deutsch aufkläre“, meint er und lacht.

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